Kultur
Geld verdirbt jeden Charakter

Auf der Bühne im Kirchgemeindehaus Wettingen weckt ein Koffer voller Geld in braven Bürgern kriminelle Energien.

Annemarie Pelikan
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Jeanette (Yvonne Gruber) weiht Bettina (Yvonne Felder) und Rolf (Leo Jud) ins Koffergeheimnis ein. pel

Jeanette (Yvonne Gruber) weiht Bettina (Yvonne Felder) und Rolf (Leo Jud) ins Koffergeheimnis ein. pel

Mit dem Stück «Verruckts Gäld» wird die Theatergesellschaft Wettingen ihr Publikum wieder, wie gewohnt, gut unterhalten. Die Farce um die Macht des Geldes ist ganz nach dem vertrauten Muster des Autors Ray Cooney gestrickt.

Sie lebt weniger vom Inhalt als von den so engagiert agierenden Spielern und deren Mimik. Nach ein paar Jahren Pause hat Jacqueline Brunner bei den Wettingern wieder die Regie übernommen und dem heiter-turbulenten Stück die notwendige Bewegung verschafft. Das Publikum kann sich auf amüsante Stunden freuen, wenn die Geschichte des kleinen Büroangestellten Heinz Binder erzählt wird.

Als dieser feststellt, dass in seinem Aktenkoffer statt des Znünibrotes und der Agenda eine ganze Menge Geld steckt, ist es um seine Ehrlichkeit geschehen. Zu Hause angekommen, schmiedet er Fluchtpläne, bestellt den nächstbesten Flug ins Ausland und drängt Ehefrau Jeanette zum Kofferpacken.

Eines weiss er instinktiv: Es gibt Ärger, wenn der rechtmässige Besitzer des Koffers die Verwechslung merkt. Dies, obwohl Binder annimmt, dass es sich bei den 2 Millionen um schmutziges Geld handelt. Seine Frau will aber partout nicht verreisen, sondern Geburtstag feiern.

Polizei, Homosexuelle, Geld

Da taucht der Polizeibeamte Rüfenacht auf. Er vermutet in Heinz Binder einen verkappten Schwulen und fordert dafür Schweigegeld. Jeanette verrät den ankommenden Freunden das Geheimnis des Aktenkoffers und ein ungeduldiger Taxichauffeur sieht und hört auch mehr, als er soll. Als dann noch der eigentliche Besitzer des Koffers ermordet aufgefunden, aber für Heinz Binder gehalten wird, nimmt die Geschichte unübersichtliche Ausmasse an.

Der angebliche Tote erfindet Schwestern und Brüder am Laufmeter, um die Sache zu klären, doch damit verwirrt er nicht nur seinen Freund Rolf. «Do goht mer nur schnell use und scho lauft wieder en andere Film!», klagt er.

Schon bei der Probe vermögen die Wettinger Schauspielerinnen und Schauspieler zu überzeugen. Mit ihrem Einsatz lassen sie auf der Bühne ein rasantes Stück ablaufen, das einen Blick ins zwar überzeichnete und vielleicht doch etwas reale Leben zeigt. Dass zuletzt für die ganze Gesellschaft doch noch alles lukrativ herauskommt, liegt wohl daran, dass Geld halt doch den besten Charakter verderben kann.

Premiere: Freitag, 14. Januar, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen: 15./21./22. Ja-
nuar je 20 Uhr, reformiertes Kirchgemeindehaus, Etzelstrasse 22. Reservationen: Bruno Hauenstein, 056 406 49 51.

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