Geldsegen für das «Rütli» der Schweizer Juden

Der Verein Doppeltür im Surbtal erhält aus dem Swisslos-Fonds 4,65 Millionen Franken zur Umsetzung seines Vermittlungsprojekts.

Daniel Weissenbrunner
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Im Doppeltürhaus (im Vordergrund) entsteht im Zentrum von Lengnau mit dem Besucherzentrum das Herzstück des Projekts. Dahinter die Synagoge.

Im Doppeltürhaus (im Vordergrund) entsteht im Zentrum von Lengnau mit dem Besucherzentrum das Herzstück des Projekts. Dahinter die Synagoge.

Bild: Claudio Thoma

Die frohe Nachricht erfuhr Lukas Keller gestern aus einer Medienmitteilung. Der Regierungsrat unterstützt das Projekt Doppeltür mit 4,65 Millionen Franken aus dem Swisslos-­Fonds. «Der Kanton zeigt mit dem grossen Betrag eindrücklich auf, dass es sich nicht um irgendein x-beliebiges Vorhaben handelt, sondern hier ein Projekt von nationaler Bedeutung entsteht», sagt Lukas Keller, der Präsident der Doppeltür. Der Verein Doppeltür wurde vor drei Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Geschichte der Aargauer Juden in den Dörfern Lengnau und Endingen sowie das Zusammenleben mit den Christen zu erzählen. Bis vor rund 150 Jahren hatten Juden in der Schweiz nur im Surbtal Wohnrecht. Roy Oppenheim, Publizist und Initiant des Projekts, bezeichnet es symbol- und geschichtsträchtig als das «Rütli der Schweizer Juden».

Der Betrag sei das Ergebnis einer langen inhaltlichen- und architektonischen Grundlagenarbeit, sagt Lukas Keller. Sie beruht auf der Basis der Eingabe des Vorprojekts. «Wir haben zwar gehofft, dass es eine Summe in dieser Grössenordnung werden könnte. Aber wir konnten nicht damit rechnen», sagt der frühere Endinger Gemeindeammann. 4 Millionen Franken sind für die Projektumsetzung vorgesehen, die restlichen 650000 Franken für den späteren Betrieb während der ersten fünf Jahre. «Die Unterstützung dient für uns jetzt als Basis, um die kommenden Schritte in Angriff zu nehmen», erklärt Keller. Der Betrag würde den Prozess nicht beschleunigen, sondern festigen.

Mit der Vergabe der 4,65Millionen Franken nimmt das ambitionierte Projekt, dessen Umsetzung rund 11 Mil- lionen kostet, eine wichtige Hürde. Herzstück ist das Besucherzentrum im Ortskern von Lengnau, das 2023 eingeweiht werden soll. Der Verein hatte das historische Gebäude vor zwei Jahren für 1,6 Millionen Franken gekauft, das nur wenige Schritte von der grossen Synagoge beim Dorfplatz entfernt liegt. Es handelt sich um ein Doppeltürhaus. Die Ver- antwortlichen erwarten dereinst jährlich 30000 Besucher. Damit der zeitliche Fahrplan eingehalten werden kann, ist der Verein mittels Fund- raising nach wie vor daran, die notwendigen Gelder zu beschaffen.

Noch offene Fragen beim Mobilitätskonzept

Als Nächstes startet im Januar der Wettbewerb für die szenografische Umsetzung im Besucherzentrum. «Bis Mitte Jahr sollten wir Klarheit haben, wie die Inhalte darin aussehen werden», sagt Lukas Keller. Darüber hinaus wird der architektonische Teil des Gebäudes vorangetrieben. Fragzeichen gäbe es noch betreffend der Eingliederung ins Dorfbild, oder beim Mobilitätskonzept, sowie beim Ausbau im Untergeschoss, so Keller.

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