Wer nachts nach 1 Uhr vom Kappelerhof über die Limmat nach Obersiggenthal blickt, der sieht Obersiggenthal neuerdings gar nicht: Seit rund einer Woche werden dort die Strassenlampen abgeschaltet.

Anders als in Baden, wo man sich das Abschalten der Lichter in einzelnen Quartieren überlegt, leuchtet in Obersiggenthal neu keine einzige Lampe, auch nicht entlang der Kantonsstrassen. Nach einem Beschluss des Gemeinderats werden von 1 bis 5 Uhr morgens alle rund 1000 Strassenleuchten der Gemeinde ausgeschaltet.

Nachts sieht Obersiggenthal nun aus wie von der Landkarte gelöscht. Beim Nachhauseweg von Baden nach Nussbaumen, etwa nach dem Ausgang, glaubt man zuerst an einen Stromausfall, bis die angeschaltete Leuchtreklame der Argovia-Tankstelle diese These widerlegt. Auch die Leuchtschriften der Blue Bird Bar oder des Schuhgeschäfts Albiez beim Dorfeingang helfen den Fussgängern und Velofahrern etwas auf ihrem Weg durchs Dunkle. Ein Velolicht hilft da nicht weit. Dass nun mehr Sterne am Himmel zu sehen sind, spendet bei der Dunkelheit nur wenig Trost.

In der Gemeinde gibt es aber durchaus positive Stimmen zu den abgeschalteten Strassenlampen. Gemäss Gemeinderätin Marie-Louise Nussbaumer Marty steht es punkto Rückmeldungen bisher 6 zu 3 zugunsten der Befürworter. Umwelt – die Reduzierung von Lichtsmog – und Finanzen würden dabei als positive Aspekte genannt.

In den knapp acht Monaten bis Ende Jahr rechnet die Gemeinde mit einer Einsparung an Stromkosten von immerhin 18 000 Franken. Solche Werte gerecht zu vergleichen, ist zwar schwierig, im Verhältnis zu anderen Ausgaben scheint diese Einsparung auf den ersten Blick aber eher bescheiden.

Diesen Donnerstag stimmt der Einwohnerrat zum Beispiel über 186 300 Franken für eine Wintersauna beim Schwimmbad ab. Gemäss Nussbaumer sei das Lichterlöschen Teil der Sparmassnahmen, die Obersiggenthal derzeit vornimmt.

Doch warum schaltet die Gemeinde alle Lampen ab, auch diejenigen entlang der beiden Kantonsstrassen, die das Dorf durchschneiden? «Der Gemeinderat fand dies vertretbar, auch im Hinblick auf die Sicherheit», sagt Nussbaumer.

Es sei zwar diskutiert worden, die Lampen entlang der Kantonsstrassen sowie dem Kirchweg und der Schulstrasse anzulassen.

Doch dann entschied man sich, aufs Ganze zu gehen. Das hänge damit zusammen, dass die meisten Lampen derzeit nicht gezielt steuerbar seien. Bis 2018 will die Gemeinde alle Leuchten durch moderne LED-Lampen ersetzen. Dann werde das Anbelassen oder Dimmen einzelner Lichter oder Strassenabschnitte möglich sein.

Je nachdem wie die weiteren Rückmeldungen ausfallen, werde die Gemeinde noch Anpassungen vornehmen, sagt Nussbaumer. «Der Gemeinderat wird sich alle Reaktionen anschauen und muss dann eventuell nochmals über die Bücher. Vorgesehen war dies aber nicht.» Punkto Wochenende habe der Gemeinderat überlegt, die Lampen später abzuschalten.

«Am Schluss hat man aber entschieden, sich nur auf den Busfahrplan zu stützen», sagt Nussbaumer. Der letzte reguläre Bus von Baden her fährt gemäss Fahrplan um 0.43 Uhr beim Markthof ein, in Kirchdorf fünf Minuten später. Am Wochenende fahren die Nachtbusse eine respektive zwei Stunden später ins bereits dunkle Dorf.

«Lampen verhindern keine Delikte»

Einen Zusammenhang zwischen dunklen Strassen und Delikten wie Einbrüche oder Überfälle sieht die Kantonspolizei nicht. «Einbrüche in Wohnhäuser geschehen meistens am Tag oder in den frühen Abendstunden», sagt Polizeisprecher Bernhard Graser.

Gewerbezonen, die eher nachts von Einbrechern heimgesucht werden, seien in der Regel beleuchtet – und auch dies hindere Einbrecher nicht. Auf Übergriffe oder Vergewaltigungen hätten beleuchtete Strassen ebenfalls keinen Einfluss. «Aus unserer Erfahrung ist die Strassenbeleuchtung dafür nicht relevant.»