Turgi

Gemeinde budgetiert Defizit: «Es gibt eine Handvoll Sondersettings – ein gravierender Fall kostet mehr als 100'000 Franken»

Kritisiert die von der Kesb aufgebrummten Kosten für Sondersettings: Gemeindeammann Adrian Schoop.

Kritisiert die von der Kesb aufgebrummten Kosten für Sondersettings: Gemeindeammann Adrian Schoop.

Turgi budgetiert für 2020 ein Minus von 200'000 Franken. Gemeindeammann Adrian Schoop sieht die Ursache dafür mindestens zum Teil bei aufwändigen Sondersettings. Er spricht von einer fatalen Entwicklung.

«Sondersetting» – spätestens seit dem Fall «Carlos» im Jahr 2013 ist dieses Wort der breiten Bevölkerung ein Begriff. 29'000 Franken pro Monat kosteten die Massnahmen, die einen damals 17-jährigen Straftäter auf die richtige Spur bringen sollten.

Als in einer Reportage zu sehen war, wie der junge Mann zu Therapiezwecken boxte und gelangweilt in einer staatlich finanzierten Wohnung sass, startete eine Debatte zum Umgang mit Extremfällen. Auch der Gemeindeammann von Turgi, Adrian Schoop (FDP), nimmt nun das Wort «Sondersetting» in den Mund: Dies im Zusammenhang mit dem Defizit von 200'000 Franken, das Turgi für das Jahr 2020 budgetiert hat.

„Sondersettings“ kostet Gemeinde Turgi viel Geld

«Sondersettings» kostet Gemeinde Turgi viel Geld

«Es gibt eine Handvoll Sondersettings, die das Budget belasten», sagt er. «Ein besonders gravierender Fall kostet uns mehr als 100'000 Franken pro Jahr, das entspricht rund zwei Steuerprozenten.» Nachdem Turgi im Sommer von der Kindes und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Baden mittels einer superprovisorischen Verfügung mitgeteilt wurde, dass dieses Sondersetting nötig werde, hat sich die Gemeinde mit einem Anwalt gewehrt. «Wir haben eine kostengünstigere Variante vorgeschlagen, doch unser Widerstand war leider chancenlos», sagt Adrian Schoop.

Er finde es stossend, dass die Gemeinden im Bereich der Sondersetting-Kosten keinen Einfluss hätten, sagt der Gemeindeammann. Solche Massnahmen könnten jeweils völlig zufällig eintreffen und über lange Zeit sehr viel Geld kosten. «Das kann gerade bei einer kleinen Gemeinde, wie wir es mit 3000 Einwohnern sind, den Finanzhaushalt völlig auf den Kopf stellen.»

Schoop spricht von einer fatalen Entwicklung: «Auf der einen Seite drehen wir in Turgi jeden Rappen um, weil wir sparen wollen. Auf der anderen Seite werden immer mehr Kosten im Sozialbereich auf uns abgewälzt, gegen die wir uns nicht wehren können. Teils handelt es sich um Massnahmen, die es in meinen Augen nicht brauchen würde.»

Turgi müsse zum Beispiel 30 000 Franken für eine sozialpädagogische Familienbegleitung bezahlen, weil Eltern und Kinder nicht mehr miteinander sprechen. Adrian Schoop will im Grossen Rat bald einen Vorstoss einreichen, der sich mit der Problematik der steigenden Sozialkosten sowie Sondersettings befasst.

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