Freienwil
Gemeinde nennt sich «Energiestadt» – verbietet aber Solarzellen auf Dächern

Ein Freienwiler nahm bereits zweimal vergeblich einen Anlauf, um Sonnenkollektoren auf seinem Dach anbringen zu dürfen. Das Baugesuch wurde vom Gemeinderat jeweils abgelehnt. Pikant: Freienwil schmückt sich mit dem «Energiestadt»-Label, erlaubt aber im Zentrum keine Solaranlagen.

Pirmin Kramer
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Der Gemeinderat Freienwil bewilligt Solaranlagen auf Dächern in der Dorfzone «grundsätzlich nicht». Sandra Ardizzone

Der Gemeinderat Freienwil bewilligt Solaranlagen auf Dächern in der Dorfzone «grundsätzlich nicht». Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Der Freienwiler Sandro Moser würde auf dem Dach seines Hauses seit Jahren gerne Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung anbringen. Im März hat der Gemeinderat aber zum zweiten Mal seit 2012 ein entsprechendes Baugesuch abgelehnt.

«Die Baukommission und der Gemeinderat sind grundsätzlich der Meinung, dass Solaranlagen auf den Dächern in der Dorfzone nicht bewilligungsfähig sind», heisst es in der Ablehnung des Baugesuches. «Solaranlagen wirken auf Dächern wie grosse Dachflächenfenster. Deshalb ist die sehr restriktive Bestimmung zu den Dachflächenfenstern auch bei den Solaranlagen anzuwenden», argumentiert der Gemeinderat. Er stützt sich auf die Sondernutzungsvorschriften zum generellen Gestaltungsplan über die Ortsbildschutzzone.

Für Moser ist der Entscheid gleich in doppelter Hinsicht unverständlich. Erstens im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050, die der Bundesrat umsetzen will und über die am 21. Mai abgestimmt wird. Sie dient dazu, den Energieverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und die erneuerbaren Energien zu fördern. «Wie sollen die Ziele der Strategie erreicht werden, wenn man nicht mal die Enthusiasten mitspielen lässt?», fragt er sich.

Zweitens stört ihn, dass sich die Gemeinde mit dem Energiestadt-Label schmücke. «Wie kann es sein, dass eine Gemeinde die Solarenergie konkret verhindert, sich aber mit diesem Label auszeichnen kann?»

«Trägerverein Energiestadt» verteidigt Gemeinde

Die Auszeichnung wird durch die unabhängige Kommission des «Trägervereins Energiestadt» verliehen. Dass der Freienwiler Gemeinderat das Baugesuch für eine Solaranlage ablehnte, stehe nicht im Widerspruch zum Label, erklärt «Energiestadt»-Berater Herbert Mösch. «Wir führen einen langen Massnahmenkatalog zur Verbesserung der Energie-, Verkehrs- und Umweltpolitik, die von Energiestädten umgesetzt werden sollen.»

Einer der möglichen Massnahmepunkte lautet zwar tatsächlich: «Der Spielraum bei Baubewilligungs- und Baukontrollverfahren wird optimal genutzt, um eine möglichst energieeffiziente Bauweise sicherzustellen.»

Doch Mösch erklärt: «Damit eine Gemeinde das Label erhält, muss sie 50 Prozent der Massnahmepunkte erfüllen, wobei ihr offen steht, welche davon sie umsetzen will.» Er würde sich aber selbstverständlich wünschen, dass der Spielraum, der bei der Beurteilung von Solaranlagen-Bewilligungen besteht, zugunsten der nachhaltigen Umweltpolitik ausgenützt wird.

Der Gemeindeamman schweigt

Freienwils Gemeindeammann Robert Müller (SVP) will sich nicht zum «laufenden Verfahren» äussern. «Was das Energiestadt-Label anbelangt, haben wir mit der Wärmeverbundanlage und der vollständig umgerüsteten Strassenbeleuchtung auf LED bereits einen guten Stand erreicht.»

Gut möglich, dass es in Freienwils Dorfzone künftig einfacher wird, eine Bewilligung für eine Solaranlage zu erhalten. Der Gemeinderat will die kommunale Bau- und Nutzungsordnung revidieren, den entsprechenden Kredit für die Ausarbeitung legt er der Gemeindeversammlung voraussichtlich noch dieses Jahr vor, heisst es in einem Auszug des Sitzungsprotokolls vom 22. Februar 2017. «Im Rahmen der Revision der BNO wird sich der Gemeinderat mit der Thematik von Solaranlagen in der Ortsbildschutzzone auseinandersetzen müssen.»

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