Die Spielgruppe in Gebenstorf hat schon länger mit fehlenden Räumlichkeiten zu kämpfen. Als der Elternkreis Turgi/Gebenstorf die Spielgruppe 2012 übernahm, war diese noch im Kindergarten Geelig beherbergt. 2016 musste sie aber in den Kindergarten Vogelsang umziehen – die Gemeinde benötigte den Schulraum. Aus dem gleichen Grund musste die Spielgruppe vor einem Jahr dann auch die Räumlichkeiten in Vogelsang wieder verlassen.

Aktuell sind die Kinder im Gewerbehaus Geelig untergebracht – eine Notlösung: «Auch nach Anfragen bei verschiedenen Gebenstorfer Unternehmen blieb das die einzige Möglichkeit», erklärt Vizeammann Cécile Anner (SVP). Sie hätte lieber andere Räumlichkeiten bevorzugt, denn das Gebäude gehört der Familie Anner im Stockwerkeigentum. «Doch ohne das Gewerbehaus wäre die Spielgruppe auf der Strasse gestanden.» Hier bezahlt diese auch Miete: «Nicht ganz so viel wie ein normaler Mieter, aber doch eine marktgerechte», so Anner. Aber diese Kosten sind auf Dauer zu hoch für die Spielgruppe.

Deshalb wurde bei der Gemeinde ein Antrag um finanzielle Unterstützung von jährlich 12'000 Franken eingereicht. Diesen hat der Gemeinderat aber vor kurzem abgelehnt. In erster Linie darum: «Wir wollten kein Präjudiz schaffen, indem wir eine private Institution finanziell unterstützen», erklärt Gemeindeammann Fabian Keller (CVP). Ansonsten würden sich andere Institutionen benachteiligt fühlen und ebenfalls Geld fordern.

Verpasste Chance?

Mit diesem Argument geht Gemeinderätin Anner, die beim Entscheid in den Ausstand getreten war, nicht einig. Auch die Verantwortlichen der Spielgruppe verstehen es nicht: «Wir bedauern sehr, dass uns der Gemeinderat nicht mit einem jährlichen Beitrag unterstützen will», schreibt Barbara Wipfli, Präsidentin des Elternkreis Turgi/Gebenstorf, in einem Brief, der in den Haushalten von Gebenstorf, aber auch an mögliche Sponsoren verteilt wurde. Mit diesem Brief erhofft sich der Elternkreis private finanzielle Unterstützung oder dass jemand günstigere Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Im Brief wird zudem betont, wie wichtig Spielgruppen für eine Gemeinde seien, wie sie mit ihrer frühkindlichen Bildung die Schulen entlasten und die Integration fördern: «Ohne Früherkennung können Entwicklungsrückstände nicht aufgefangen werden.» Viele Kinder seien vorher noch nie mit Deutsch in Berührung gekommen.

Auch die Gemeinde wisse um die Wichtigkeit von Spielgruppen, sagt Keller. Doch die Gemeinden sind nicht dazu verpflichtet, ein solches Angebot mitzufinanzieren — anders als beim 2016 angenommenen Kinderbetreuungsgesetz, das Gemeinden vorschreibt, Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Familien und Beruf zu schaffen. Beim Thema Spielgruppen kann der Kanton nicht viel mehr als Empfehlungen abgeben. So schlägt er vor, dass Gemeinden Spielgruppen mit einem finanziellen Beitrag oder mit Räumlichkeiten unterstützen. Letzterem Vorschlag wird in den Gemeinden am ehesten entsprochen.

So wurde es auch in Gebenstorf gehalten: «Wir möchten diese Institutionen unterstützen, aber nicht finanziell», sagt Keller. Der Spielgruppe seien auch weitere Räumlichkeiten angeboten worden: «Unser Vorschlag war, die Räumlichkeiten bei den Tagesstrukturen beim ‹Cherne› mitzubenutzen».

Das ist aber laut Elternkreis-Präsidentin Barbara Wipfli nicht machbar. Die Gründe erläutert sie im Brief: «Die Einrichtung ist nicht für die frühe Förderung geeignet. Es fehlt an altersgerechter Möblierung, Spielgeräten, Bastelmaterial und Büchern.» Die Tagesstrukturen seien zudem zu Zeiten besetzt, die nur einen beschränkten zeitlichen Rahmen erlauben, und zudem die Arbeitszeiten der Betreuerinnen verlängern, da sie alles täglich ein- und dann wieder ausräumen müssten. «Diese Kosten für die zusätzlichen Arbeitsstunden ‹Raumbereitstellung› können wir nicht finanzieren», heisst es im Brief weiter.

Andere Räumlichkeiten könne die Gemeinde aber momentan nicht anbieten, sagt Keller: «Wegen unseres starken Wachstums brauchen wir allen Schulraum für die Schule. Das Angebot mit der Nutzung der Tagesstrukturen wäre auf anderthalb bis zwei Jahre beschränkt gewesen.» Wenn das Schulhaus Brühl 3 gebaut sei, wäre es wahrscheinlich möglich, wieder anderen Raum anbieten zu können, so der Gemeindeammann.

«Sehr einseitig dargestellt»

Ihn befremdet der Brief, der kurz nach der Ablehnung der finanziellen Unterstützung in Gebenstorf die Runde machte – ohne dass dieser vorgängig mit der Gemeinde abgestimmt oder darin zumindest auf die Gründe der Ablehnung eingegangen worden wäre. Keller findet, dass «im Brief alles sehr einseitig dargestellt ist.» Mit einem Gespräch vor dem Unterstützungsantrag hätte es vielleicht eher eine Übergangslösung gegeben, doch ein solches hätte der Elternkreis gar nicht erst gesucht.

Wenn sich auch mit dem Brief keine Gönner und Sponsoren finden lassen, so muss die Spielgruppe im schlimmsten Fall die Preise anheben, erklärt Anner. Doch: «Wenn die Preise für die Eltern teurer werden, dann sind es vor allem sozial schwache Eltern, die ihre Kinder nicht mehr schicken.» Und das wären genau die, die ein Angebot wie die Spielgruppe am dringendesten bräuchten.