Am 21. Februar kommt es an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in Turgi zum Showdown: Abgestimmt wird über die neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) – und damit auch über die Frage, ob die beiden Turgemer Kirchen unter kommunalen Schutz gestellt werden sollen. Der Vorschlag des Gemeinderates kommt bei den Präsidenten sowohl der katholischen als auch der reformierten Kirchenpflege alles andere als gut an. Sie wollen verhindern, dass die beiden Kirchen künftig baulich nicht mehr verändert werden dürfen. Beide unterstützen einen Rückweisungsantrag, der die Unterschutzstellung verhindern soll.

Vor allem über die Zukunft der reformierten Kirche wird in Turgi seit Jahren emotional diskutiert. Die Kirchenpflege wollte sie 2013 abreissen und neu bauen lassen, mit der Begründung, eine Sanierung lohne sich aus finanziellen Gründen nicht. Die Pläne für eine neue Kirche lagen bereits vor, als es Widerstand aus Teilen der Bevölkerung gab und der Gemeinderat das Abbruchgesuch 2015 auf Eis legte. Die grosse Überraschung folgte zwei Jahre später: Der Gemeinderat erklärte, dass er nicht nur die reformierte, sondern auch die katholische Kirche unter Schutz stellen wolle.

Obwohl sich die reformierte Kirchenpflege bereits beim Mitwirkungsverfahren zur neuen BNO kritisch äusserte und letzten Sommer eine Einsprache machte, hält der Gemeinderat an seiner Idee der Unterschutzstellung fest. Gemeindeammann Adrian Schoop von der bürgerlichen Vereinigung Turgi (BVT) begründet den Entscheid unter anderem mit zwei unabhängigen Gutachten: «Eines der Gutachten kommt zum Schluss, dass die reformierte Kirche in architektonisch-baukünstlerischer Hinsicht als wichtiger Zeuge mit lokaler Bedeutung zu werten sei.»

Ein weiteres Gutachten besage, dass die Kirche sich nicht in einem so schlechten Zustand befinde, dass eine Sanierung keinen Sinn machen würde und ein Abbruch zwingend wäre. Adrian Schoop: «Eine zehnköpfige, breit abgestützte Planungskommission hat sich ebenfalls für die Unterschutzstellung ausgesprochen.» Ausserdem habe der Kanton schon vor vielen Jahren empfohlen, die Kirche als Schutzobjekt zu definieren. Begründung: Der Kirchenbau mit freistehendem Glockenturm erscheine als kubisch spannungsvolle Baugruppe und bilde damit auch gestalterisch einen Gegenpol zur praktisch gleichzeitig auf der anderen Seite des Bahnhofs realisierten katholischen Pfarrkirche.

Antonio Sirera, Präsident der reformierten Kirchenpflege, lobbyiert nun für einen Rückweisungsantrag an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung. Der Antrag betreffe nicht die ganze BNO, sondern bloss die vom Gemeinderat vorgeschlagene Unterschutzstellung der beiden Kirchen. Sirera erklärt: «In erster Linie geht es uns darum, dass wir auch in Zukunft Handlungsfreiheit haben wollen. Wir möchten weiterhin die Möglichkeit haben, in baulicher Hinsicht das zu tun, was die Kirchgemeindeversammlung beschliesst. Wird unsere Kirche unter Schutz gestellt, steht sie bei baulichen Fragen unter fremdem Einfluss.»

«Sollten das Areal besser nutzen»

Sollte der Rückweisungsantrag angenommen werden, so bedeute dies nicht, dass sofort die Bagger auffahren würden und die Kirche abgerissen werde. Allerdings sei er ein Befürworter der Vision, das Areal an bester Lage direkt beim Bahnhof Turgi besser zu nutzen, sagt Antonio Sirera. «Ich bin der Ansicht, dass es in Zukunft einen adäquaten Kirchenraum brauchen wird, gleichzeitig aber eine Mantelnutzung im Sinne sowohl der Kirchgemeinde als auch der Einwohnergemeinde wäre.» Alterswohnungen zur besseren Nutzung des Areals, wie schon vor einigen Jahren angedacht, wären auch zu hundert Prozent mit den Werten der Kirche vereinbar, betont Sirera. Es gebe zweitens auch finanzielle Gründe für eine Rückweisung.

«Der Gemeinderat erhält bei einer Unterschutzstellung die Entscheidungsgewalt. Die Umsetzung allfälliger Wünsche vonseiten der Gemeinde würden allerdings zu hundert Prozent mit Kirchensteuern finanziert.» Denn der Gemeinderat habe sich gegen eine finanzielle Beteiligung der Einwohnergemeinde an allfälligen Baukosten entschieden. Diese Aussage wird vom Gemeindeammann bestätigt – alle Eigentümer von kommunal geschützten Objekten müssten gleichbehandelt werden.

In der katholischen Kirchgemeinde war die Unterschutzstellung der Kirche nie ein Traktandum. Kirchenpflegepräsident Daniel Ric aber sagt: «Ich persönlich bin klar gegen eine Unterschutzstellung. Meine Meinung werde ich auch an der Gemeindeversammlung äussern.» Bereits vor zwei Jahren sagte er: «Wir wollen zwar mittelfristig an unserer Christkönigskirche baulich nichts verändern. Aber wir sollten den kommenden Generationen möglichst alle Optionen offen halten.» Eine Unterschutzstellung der Kirche quasi bis in alle Ewigkeit – das gelte es zu verhindern.