«Mehr Platz für die Natur»

«Mehr Platz für die Natur»

Mellingen macht mit beim Aargauer Projekt «Natur findet Stadt». Gemeinderat Roger Fessler sagt, warum und wie.

Nach Aarau, Baden und Wohlen beteiligt sich nun auch Mellingen am kantonalen Projekt «Natur findet Stadt». Die Idee dahinter: Die Gemeinde wertet ökologische Flächen auf und motiviert Privatpersonen, ihre Gärten und Balkone ebenfalls naturnah zu gestalten.

Das Reussstädtchen ist bereits mit einem guten Beispiel vorangegangen: Als Anstoss für das zweijährige Projekt hat der Gemeinderat mit dem Natur- und Vogelschutzverein Mellingen (NVM) am Höhenweg eine Eidechsenwand eingeweiht. Sie bietet künftig Rückzugsräume für Reptilien wie Mauer- und Zauneidechsen. «Indem wir gemeinsam mit der Bevölkerung mehr Platz für die Natur schaffen, möchten wir die Attraktivität und Lebensqualität in Mellingen steigern», sagt Gemeinderat und Ressortvorsteher Naturschutz, Roger Fessler (SVP).

«Natur findet Stadt» wurde 2014 initiiert: Damals gewann die Stadtökologie Baden mit ihrem Konzept zur Förderung der biologischen Vielfalt den 1. Platz beim Ideen- und Projektpool des Kantons. Seither wurden in der Bäderstadt und in Ennetbaden rund 50 öffentliche Grünräume, darunter Parkanlagen und Verkehrsinseln, naturnah gestaltet. Zudem haben über 40 Gartenbesitzer die Natur vor der eigenen Haustüre aufgewertet. Nach einer erfolgreichen Pilotphase hat der Kanton 2017 das Projekt übernommen, wobei die Stiftung Naturama Aargau für die Ausführung zuständig ist. Das Ziel sei es, dass sich jedes Jahr rund zwei bis drei Gemeinden beteiligen, sagt Kathrin Ruprecht, Projektleiterin Naturförderung. «Das Projekt soll zum Mitmachen animieren und ein Selbstläufer werden.»

Beratung durch Gärtnermeister

«Es freut uns sehr, dass sich Mellingen am Projekt beteiligt», sagt Thomas Lang, Präsident des NVM. Nun sei es wichtig, dass möglichst viele Private mitziehen und ihre Gärten sowie Balkone naturnah gestalten. Denn: «Die Gemeinde hat nicht viele Flächen, auf denen Projekte zur ökologischen Aufwertung realisiert werden können.» Und so funktionierts: Wer als Privatperson mitmachen möchte, wählt aus einem Katalog eine oder mehrere Aufwertungsmassnahmen aus. Das können Kleintierhotels, Trockensteinmauern, Wildblumenwiesen oder begrünte Zäune sein. Gärtnermeister Andy Jenni prüft im Anschluss, ob und wie die gewählten Massnahmen umgesetzt werden können. Ist diese einmal realisiert, unterstützt die Gemeinde die Privatperson mit einem Garten-Apéro. An diesem wird das Projekt Freunden, Nachbarn und Bekannten vorgestellt.

12 Teilnehmende pro Jahr

Insgesamt wählt die Natur- und Umweltkommission Mellingen pro Jahr 12 Teilnehmende aus, die in den Genuss einer Fachberatung durch Jenni kommen. 6500 Franken hat die Gemeinde dafür budgetiert. Im Budget enthalten sind unter anderem die Gartenberatung und der Apéro-Korb. Für die Umsetzung der Massnahmen müssen die Teilnehmenden selber aufkommen.

Die Gemeinde Mellingen hat neben der Eidechsenwand weitere ökologische Massnahmen vorgesehen: Im März 2019 wird beim Friedhof eine grosse Hecke durch Schulkinder aufgewertet, im Mai ein Wildblumenstand vor dem Coop aufgestellt. «Wir sind gespannt, wie das Projekt bei der Bevölkerung ankommt und hoffen, dass es auf grosses Interesse stösst», sagt Gemeinderat Roger Fessler.