«Ich habe, sobald ich durfte, an allen Abstimmungen und Wahlen mitgemacht, denn ich wollte wissen, was mit meinem Steuergeld passiert», erinnert sich Erika Schibli.

Heute weiss sie nicht nur bestens was mit ihrem Steuergeld passiert, sondern sie sogar zuständig für die Gemeindefinanzen und somit für die Steuergelder aller Wohlenschwilerinnen und Wohlenschwiler.

Seit bald 16 Jahren ist sie Gemeindeammann im Reusstaldorf. Eine Aufgabe, die sie mit vollem Engagement erfüllt: «Ich habe die Gemeinde Wohlenschwil sehr gerne.» Politik heisst für die Finanzspezialistin Erika Schibli nicht in erster Linie Finanzpolitik, sondern Gesellschaftspolitik: «Wir müssen eine Gemeinschaft bilden, dann profitieren alle.»

Ungewollte Wahl zum Ammann

«Vor 28 Jahren hat mir Gemeindeschreiber Markus Jost gesagt, sie suchten noch jemanden für die Finanzkommission.» Sie liess sich wählen und kam so in die Politik. «Buchhaltung ist zwar mein Fachgebiet, aber eine Gemeindebuchhaltung wird völlig anders dargestellt und ist mit einer wirtschaftlichen Rechnungslegung nicht zu vergleichen.»

Die Arbeit in der Finanzkommission liess sie zur Spezialistin für Gemeindefinanzen werden. Mit dem ab 1. Januar geltenden Harmonisierten Rechnungsmodell 2 (HRM 2) wird die Differenz zwischen Wirtschafts- und Gemeindebuchhaltung geringer: «Künftig ist eine Gemeindebilanz etwas, das den Namen Bilanz verdient.»

Vier Jahre war sie Mitglied der Finanzkommission, weitere vier Jahre hat sie diese präsidiert. «Dann wurden im Gemeinderat zwei Sitze frei und ich bewarb mich um einen.» Sie wurde gewählt.

Vier Jahre später kandidierte sie als Vizeammann. Die Wohlenschwiler wählten sie gleichzeitig zum Vizeammann und zum Gemeindeammann. Weil sich die beiden Funktionen ausschliessen, entschied sie sich für den Gemeindeammann.

Am 22. September steht die nächste Wahl an. In Wohlenschwil treten alle fünf Gemeinderatsmitglieder wieder an, trotzdem erneuert sich die Exekutive: «Wir hatten in dieser Amtsperiode drei Wechsel.»

Jährlich zwei schöne Erlebnisse

«Jedes Mal, wenn eine Gemeindeversammlung vorbei ist und die Stimmberechtigten unsere Vorschläge angenommen haben, ist das ein sehr schönes Erlebnis.» Nur einmal in den 12 Jahren ist die Versammlung ihr nicht gefolgt: «Wir wollten das Elektrizitätswerk verkaufen, um die Finanzen zu verbessern.»

Die Versammlung war nicht dagegen, sie hat aber das Geschäft dem Gemeinderat zurück gegeben mit der Aufforderung: Überlegt das nochmals. «Wir haben es uns nochmals überlegt. Wegen zum Teil hoher Investitionen haben wir immer noch eine angespannte Finanzlage, aber das Elektrizitätswerk gehört uns noch», sagt Schibli zufrieden.

Es gibt eine grosse Enttäuschung in ihrem politischen Leben, und die liegt noch nicht lange zurück. «Der Kanton hat uns, entgegen seinem Versprechen nicht in die Planung der Umfahrung Mellingen mit einbezogen.

Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.» Es müsse doch jedem klar sein, dass die Wohlenschwiler und die Mellinger dazu unterschiedlicher Ansicht seien. «Die oft persönlichen Attacken im Zusammenhang mit der Umfahrung haben mich getroffen.»

Denn mit der gemeinsamen Schule, der gemeinsamen Feuerwehr, dem gemeinsamen Zivilschutz oder der gemeinsamen Spitex beweisen Mellinger und Wohlenschwiler, dass sie sehr gut miteinander können.

Obwohl die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden grosse Priorität hat, steht eine Fusion nicht zuoberst auf ihrer politischen Traktandenliste: «In einer kleinen Gemeinschaft engagieren sich die Leute viel erfolgreicher.»

Kritischer Blick auf den Grossen Rat

Acht Jahre war sie Mitglied des Grossen Rates. Dort hat sie die mangelnde Trennung zwischen sachlichen und persönlichen Interessen oft gestört. «Im Grossen Rat wurde manch gute Idee gebodigt, nur weil sie aus dem anderen politischen Lager kam, das finde sehr schade.»

Sachlichkeit sei die Voraussetzung für eine erfolgreiche Politik. «Wir müssen zusammen stehen und uns gegenseitig helfen, weil wir uns sonst vieles nicht leisten können.» So ist der Ortsteil Büblikon dank privater Initiative zu einem öffentlichen Spielplatz gekommen.

Auch die Schulanlage wurde dank Privatpersonen mit dem Projekt Schule und Natur aufgewertet: «Auf diese Leute geht das Wohlischwiler Bier zurück.» Es wird in Restaurants und im Volg verkauft. «Von jedem Bier gehen einige Rappen in einen Fonds, mit dem die Initianten das Projekt Schulhausplatz finanzieren.»

Nach Gründung der Ortspartei ist sie der FDP beigetreten. «Ich engagiere mich auch bei den FDP Frauen.» In deren Vorstand ist ihre Tochter Nadja aktiv. Tochter Nicole hat bereits einmal für den Grossen Rat kandidiert.