Vor drei Jahren sprachen sich die Aargauer für die Umfahrung Mellingen aus, doch noch ist das Projekt juristisch blockiert. «Ich bin enttäuscht, dass das Verwaltungsgericht eineinhalb Jahre benötigt hat, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass es nun doch ein Gutachten von der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission braucht», sagt der Mellinger Gemeindeammann Bruno Gretener.

Eineinhalb Jahre, um die sich die Realisierung der Umfahrung Mellingen weiter verzögert (az 7.10.). Streitpunkt ist die geplante Reussbrücke, die den Umweltverbänden ein Dorn im Auge ist. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) muss nun einen Fachbericht zum Projekt ausarbeiten.

Für Gretener ist klar: «Ohne Brücke keine Umfahrung.» Und solange die Umfahrung nicht gebaut ist, werden die Bewohner des Städtchens weiterhin unter dem starken Durchgangsverkehr leiden. Die Idee der Verbände, die Reuss zu untertunneln, bezeichnet Gretener als absolut unrealistisch. «Die Umfahrung muss an dieser Stelle die Reuss überqueren, und das geht nicht ohne Eingriffe in das Reussuferschutzdekret.» Denn an einem anderen Ort könne die Umfahrung nicht realisiert werden.

Am 15. Mai 2011 hatten die Aargauer Stimmberechtigten der Umfahrung Mellingen mit über 60 Prozent zugestimmt. Im Rahmen des Baugesuchsverfahrens waren insgesamt 53 Einwendungen eingegangen. Unter anderem verlangten die Umweltverbände WWF und Pro Natura, dass die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission einen Bericht zur Umfahrung verfasse. Sie sind der Ansicht, dass die geplante Reussbrücke die Uferlandschaft der Reuss zu stark beeinträchtige. Der Regierungsrat entschied gegen einen solchen Bericht, worauf die Umweltverbände beim Verwaltungsgericht Beschwerde erhoben. Dieses hat nun entschieden, dass die Kommission einen Bericht erstellen muss.

Erst wenn der Kommissionsbericht vorliegt, kann das Verwaltungsgericht über die Beschwerden entscheiden. Erst danach kann das Ausführungsprojekt ausgearbeitet und das Land für die Umfahrung gekauft werden.