Aus der Bevölkerung wird Kritik an Gemeindeammann Robert Müller (SVP) laut: Er verfolge beim Freienwiler Jahrhundertprojekt, der Neugestaltung des Freienwiler Dorfzentrums, eigene Interessen. Zur Erinnerung: Das durch die Kantonsstrasse zweigeteilte Freienwil soll dank des Projekts Mitte wieder zu einer Einheit werden (az vom 22. Januar). In erster Linie soll dies durch verdichtetes Bauen erreicht werden, wobei drei Ortskern-Parzellen vor einer Umgestaltung stehen. Eine davon steht kurz vor dem Verkauf.

Der Interessent: Gemeindeammann Robert Müller. Es handelt sich um die Fläche, auf der das ehemalige Restaurant Eintracht steht. Vorgesehen ist neben der Renovation des Gebäudes zusätzlich der Bau eines Dorfladens auf der Nachbarparzelle. An einer Informationsveranstaltung für die Bevölkerung war der Vorwurf zu hören, Müller verfolge als Gemeindeammann und Eigentümer eigene Interessen, berichtet die «Botschaft». Kritisiert wurde zudem die vorgesehene Sondernutzungsordnung, die für das Zentrum unter anderem höhere Gebäude als im restlichen Gemeindegebiet erlaube – Dinge, für die manche Dorfbewohner vergeblich gekämpft hatten, und die nun ausgerechnet dem Gemeindeammann zugutekommen könnten.

Dorfladen soll Platz finden

Robert Müller reagiert auf Anfrage gelassen auf die Vorwürfe. Erstens trete er im Gemeinderat bei Beschlussfassungen über den Gestaltungsplan immer in Ausstand. Zweitens, und das sei viel wichtiger, wolle er die «Eintracht» vor allem aus einem Grund kaufen: Um zu ermöglichen, dass im Zentrum endlich verdichtet gebaut werden könne. «Die bisherigen Besitzer haben sich gegen das sogenannte Grenzbaurecht gewehrt. Das heisst, es war bisher nicht möglich, direkt neben der Eintracht ein weiteres Gebäude zu erstellen. Ich würde dieses Grenzbaurecht genehmigen, wovon die Dorfladen-Genossenschaft profitiert.» Der Dorfladen – derzeit in einem Provisorium untergebracht – könnte also auf dem bisher nicht überbauten Parzellenteil zu stehen kommen. Von Eigeninteressen könne nicht die Rede sein, im Gegenteil: «Ich wünsche mir, dass unser Dorfzentrum ein neues, modernes Gesicht erhalten kann, und dass wir weiterhin einen Dorfladen haben werden.»

Müller erklärt ausserdem, dass der «Eintracht»-Anbau, in dem der Dorfladen untergebracht werden könnte, «sicher gleich hoch wird wie das bestehende Gebäude und nicht höher, wie es in einer früheren Projektskizze angedacht war». Er stehe hierfür ein. So entkräfte er die Vorwürfe, er profitiere vom Sondernutzungsplan, der auch höhere Bauten erlaube. Müller: «Ich kann wirklich mit reinem Gewissen in den Spiegel schauen. Und ich hoffe sehr, dass das Projekt Mitte zustande kommt.» Für einen SVP-Politiker habe er eine sehr soziale Ader, sagt Müller. «Ich stehe ein für unser Dorf.»