Birmenstorf
Gemeindeammann Saner: «Birmenstorf will wachsen, aber mit Mass»

Mit ihrem neuen Entwicklungsleitbild zeigt die Gemeinde Birmenstorf viel Selbstbewusstsein. Eine 10-köpfige Planungskommission hat einen groben Massnahmenkatalog aufgelistet. An einer Orientierungsversammlung wurden sie der Bevölkerung vorgestellt.

Roman Huber
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Birmenstorf (vor ca. zwei Jahren) aus der Luft: Schöne Wohnlagen, kompakter alter Dorfteil, entwicklungsfähiges Gewerbegebiet.zvg

Birmenstorf (vor ca. zwei Jahren) aus der Luft: Schöne Wohnlagen, kompakter alter Dorfteil, entwicklungsfähiges Gewerbegebiet.zvg

Birmenstorf packt seine Zukunft an. Vor zwei Jahren hat der Gemeinderat eine Gesamtrevision der Nutzungsplanung eingeleitet. Inzwischen steht das Entwicklungsleitbild, das die Richtung weisen soll, in der sich die Gemeinde entwickeln soll.

Eine Fusion sei kein Thema, bekräftigt Gemeindeammann Edith Saner. «Doch wir verschliessen uns regional keineswegs und beteiligen uns an vielen Kooperationen», so Saner. Sie nennt die Spitex als eines mehrerer aktueller Kooperationsprojekte.

Wachsen ja, aber wie weit?

Plus und Minus

Birmenstorf weist diese Vorzüge auf: Die Gemeinde verfügt über einen grossen, kompakten, alten Dorfteil. Er ist weitgehend gut erhalten und weist einen Mix publikumsorientierter Nutzungen auf. Die fünf Bushaltestellen sind vom kompakten Siedlungsgebiet innert weniger Gehminuten erreichbar.

Die Wohngebiete, mehrheitlich südexporientiert, zeichnen sich durch ihre Lagequalitäten aus, sind durchgrünt, nahe bei den Erholungsräumen. Die Massstäblichkeit der Bebauung ist der dörflichen Struktur angepasst.

Das Gewerbegebiet Lindächer befindet sich auf einer Geländeebene und tritt optisch nicht zu stark in Erscheinung. Die öffentlichen Nutzungen sind am Chileweg konzentriert. Sie bieten aufgrund der flexiblen Nutzungsmöglichkeit Synergien und lassen weiteren attraktiven Freiraum offen.

Die Gemeinde muss sich auch Abstriche gefallen lassen: Die Verkehrsbelastung entlang der Kantonsstrasse hat mit 13000 Fahrzeugen pro Tag ein belastendes Mass erreicht. Strasse und Verkehr trennen das Dorf. Der Nutzungsmix im Zentrum ist dadurch gefährdet.

Die Wohnqualität wird durch die Immissionsquellen verstärkt beeinträchtigt. Entlang der Kantonsstrasse stehen einige sanierungsbedürftige Objekte. In Wohnzonen sind sich die fehlenden Einpassungsbestimmungen gut sichtbar.

Der Terrain- und Aussenraumgestaltung wird zu wenig Beachtung geschenkt. Der Druck auf die Kulturlandflächen wächst. In Siedlungsnähe wird die Anbindung an die Naherholungsräume dadurch erschwert.(RR)

Wenn auch die Gemeinde zurzeit ein starkes Bevölkerungswachstum verzeichnet, so stelle dies der Gemeinderat keineswegs über alles, macht Frau Gemeindeammann Saner klar. Der Kanton prognostiziert der Gemeinde bis 2024 lediglich 2750 Einwohner. Da es heute bereits mehr als 2600 sind und sich einiges in Bau oder Planung befindet, rechnet der Gemeinderat in dieser Zeitspanne mit rund 3200 Einwohnern. Birmenstorf wolle wachsen, aber mit Mass und so, dass es Sinn mache, so Saner.

Ein wichtiges Thema sei das Gewerbe; nicht zuletzt habe der Gewerbeverein die Revision der Nutzungsplanung mit ausgelöst. Es würden Anfragen von Firmen vorliegen, die sich in Birmenstorf ansiedeln möchten. Nun sollen mit der Nutzungsplanung dazu bessere Möglichkeiten eröffnet werden, um auch neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Eine 10-köpfige Planungskommission hat vom Entwicklungsleitbild einen groben Massnahmenkatalog aufgelistet. An einer Orientierungsversammlung wurden sie der Bevölkerung vorgestellt.

Der alte Dorfteil soll sorgfältig entwickelt werden. Der Gemeinderat wolle situativ eingreifen können, erklärt der ressortverantwortliche Gemeinderat Roland Probst. «Wo über mehrere Parzellen hinweg projektiert wird, werden wir einen Gestaltungsplan verlangen.» So will der Gemeinderat von Fall zu Fall seinen Einfluss geltend machen.

Verträgliches Mass

Birmenstorf in Zahlen

Die Gemeinde zählte 1975 noch 1512 Einwohner, 2364 waren es 2005, Ende 2011 waren es 2656; die Zunahme seit 1994 betrug rund 22 Prozent. Der Anteil an Ausländern ist mit 18 Prozent deutlich tiefer als im Bezirk Baden (27 Prozent).

Von 780 Hektaren Gemeindegebiet sind 282 Wald, 381 Kulturland und 70 Bauzonen, wovon 5,4 unüberbaut sind. Mit der im Bau befindlichen Wohnüberbauung Schinebüel werden weitere 1,6 Hektaren bebaut. Mit der Erschliessung Höndler Ost stehe weitere 1,3 Hektaren vor der Bebauung.

Damit reduzieren sich die verfügbaren Baulandreserven auf 1,2 hektaren. Die 2,35 Personen pro Haushalt liegen über dem kantonalen Wert und demjenigen des Bezirks. Der Anteil Einfamilienhäuser am Wohnungsbestand ist mit 45 Prozent ebenfalls einiges höher als im Kanton (35 Prozent). (RR)

Für gestalterische Massnahmen, wie sie vorgesehen sind, gebe es im jetzigen Zeitpunkt noch keine definitiven Ansätze, sagt Probst. Es würden gestalterische und technische Möglichkeiten geprüft. Die Dringlichkeit würde sich dann verschärfen, wenn der Kanton aufgrund des Gesetzes (Überschreiten von Lärmgrenzwerten) selber aktiv werden müsste.

Die kontinuierliche Bevölkerungsentwicklung soll aber sichergestellt werden. Primär wird man das Potenzial zum Verdichten untersuchen, aber auch Neueinzonungen prüfen. Bei einer massvollen Ansiedlung von Firmen will man verkehrsintensive Nutzungen und Lagerflächen aber ausschliessen. Bei einer massvollen baulichen Dichte soll die revidierte Nutzungsplanung die Qualität der Grün- und Freiräume sichern.

Ziele und Massnahmen werden nun in die Planung integriert. Im Herbst 2012 erfolgt die Mitwirkung.