High-Speed-Netz
Aargauer Gemeinden müssen auf Glasfasernetz warten: Wieso Baden schon heute schnelles Internet hat

Wegen eines Gerichtsurteils drohen beim Glasfaser-Ausbau der Swisscom jahrelange Verzögerungen. Betroffen ist auch Baden. Dank Baden4net kann in der Bäderstadt dennoch schnell gesurft werden. Angeschlossen werden demnächst auch Ober-und Untersiggenthal.

Zara Zatti
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Der Ausbau des Glasfasernetzes der Swisscom könnte sich deutlich verzögern.

Der Ausbau des Glasfasernetzes der Swisscom könnte sich deutlich verzögern.

Severin Bigler

Das Bundesverwaltungsgericht fällte letzte Woche ein Urteil, das den Glasfaserausbau in der Schweiz und damit den Zugang zu schnellem Internet nachhaltig beeinflussen wird. Mit dem Entscheid wird der Swisscom der Glasfaser-Ausbau mit ihrer gewählten Methode untersagt, weil die Gefahr von marktmissbräuchlichem Verhalten bestehe.

Was theoretisch klingt, hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Internetnutzer. In vielen Gemeinden in der Schweiz besteht noch kein Anschluss an das Glasfasernetz. Das wollte die Swisscom ändern – und noch in diesem Jahr an mehreren Orten den Zugang zu schnellem Internet ausbauen. «Der Netzausbau droht im schlimmsten Fall um Jahre verzögert zu werden», liess die Swisscom nach dem Urteil verlauten.

Die Firma Baden4net baute schon im Jahr 2018 ein Glasfasernetz

In 20 Gemeinen wollte die Swisscom 2021 ein Glasfasernetz anlegen. Wie CH Media herausfand auch in den Gemeinden Baden, Aarau, Wettingen und Wohlen. In diesen Gemeinden können Swisscom-Kunden derzeit nur Internetgeschwindigkeiten von 500 Mbit/s nutzen.

Die Bewohner von Baden dürften sich jetzt wundern: Denn in Baden gibt es doch schon längst superschnelles Internet. Der Grund ist folgender: Schon im Jahr 2018 stattete die Firma Baden4net, eine Tochtergesellschaft der Swiss4net Holding AG, alle interessierten Haushalte mit einem Glasfaseranschluss aus. Über 90 Prozent aller Haushalte haben davon Gebrauch gemacht; 13'000 Haushalts- und Geschäftsanschlüsse wurden erstellt.

Anders als die Swisscom bietet Baden4net selbst keine Telekommunikations- oder Multimediadienste an. Das heisst, sie kümmern sich lediglich um den Bau, Unterhalt und den Betrieb des FTTH-Netzes. FTTH bedeutet vereinfach gesagt, eine direkte Verbindung vom Wohnzimmer zur Datenzentrale, wo die Daten der Provider hereinkommen. Dass der Swiss4net selbst kein Provider ist, hat den Vorteil, dass er nicht in Konkurrenz steht mit anderen Telekommunikationsanbietern. Laut Gerichtsurteil sei davon auszugehen, dass die Swisscom mit ihrer Glasfasertechnologie andere Telekom-Anbieter behindert.

Die Swisscom könnte sich in das bestehende Netz einmieten

Telekommunikationsanbieter können sich bei Baden4net einmieten, um die Glasfaserverbindung zu nutzen. Davon Gebrauch machen bisher acht Provider, darunter Sunrise und Salt. Ihre Kunden können also schon heute von schnellem Internet profitieren, nicht so aber Swisscom- oder UPC-Kunden.

2018 sagte Roger Heggli, Verwaltungsrat und Geschäftsleiter der Swiss4net Holding AG, es sei nicht ausgeschlossen, dass auch Swisscom dereinst ihre Dienste über das FTTH-Netz anbieten werde. Ob die Swisscom wegen der Verzögerungen bei ihrem eigenen Netz von diesem Angebot Gebrauch machen wird, ist im Moment noch offen. Aber Roger Heggli erwähnte in Interviews mehrmals explizit, «das Netz von Swiss4net steht allen interessierten Telekomanbietern offen».

Baden4net baut in der Region weiter aus

Aktuell baut oder betreibt die Swiss4net Holding AG rund 50'000 Glasfaseranschlüsse in der Schweiz. Das Ziel liege bei mehreren 100'000 Anschlüssen, sagte Roger Heggli kürzlich im «Swiss IT Magazine». Einen weiteren Schritt in Richtung schnelles High-Speed-Internet wird demnächst in Ober-und Untersiggenthal vollzogen. Dort finanziert die Swiss4net den Bau des FTTH-Netzes.

Um die Glasfasern einzuziehen, nutzt die Firma die vorhandenen Rohranlagen der Elektrizitäts-Genossenschaft Siggenthal (EGS). Im Juni begann die Planungsphase inklusive einer Machbarkeitsstudie. Diese soll in den nächsten Wochen abgeschlossen werden: Danach beginnen die Bauarbeiten. Dauern werden diese voraussichtlich zwei bis drei Jahre.

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