Die Freude bei Roland Kuster (CVP) ist gross, obschon er mit seiner Wahl zum neuen Gemeindeammann und Nachfolger des frisch gewählten Regierungsrates Markus Dieth rechnen konnte und die Wahlbeteiligung mit 28,46 Prozent sehr mager gewesen ist. 85 Prozent derjenigen, die einen Wahlzettel ausfüllten, haben Kuster gewählt. Das absolute Mehr von 1522 Stimmen übertraf er mit seinen 2590 Stimmen bei weitem.

Die CVP Wettingen hat aber erst ihren Ammannsitz im trockenen, denjenigen des zweiten Gemeinderates jedoch noch nicht. Bei der Ersatzwahl in den Gemeinderat schwang zwar Roland Michel (CVP) mit 1489 Stimmen obenaus, doch folgt ihm Martin Egloff (FDP) mit 1304 Stimmen mehr oder weniger dicht auf den Fersen. Chancenlos im Rennen um einen Gemeinderatssitz blieb Michael Merkli (BDP) mit 489 Stimmen. Weil keiner der Kandidaten das absolute Mehr von 1691 Stimmen erreichte, wird es am 12. Februar zu einem zweiten Wahlgang kommen, sofern mehr als ein Kandidat zur zweiten Runde anzutreten gewillt ist.

Nochmals Spannung

Bei den Gemeinderatswahlen könnte es darum nochmals spannend werden. «Ich bin erfreut über das Ergebnis und darf mit Zuversicht in einen zweiten Wahlgang gehen», erklärt Roland Michel. Für diesen hat ihn der Vorstand bereits am Sonntag in Stellung gebracht, konnte der CVP-Präsident an der gestrigen Wahlfeier von Roland Kuster bekannt geben.

Roland Kuster und Markus Dieth im Interview

Roland Kuster und Markus Dieth im Interview

«Das gute Resultat freut mich», sagt auch Martin Egloff (FDP), der trotz seinem Geburtstag gestern die Wahl nicht geschenkt bekam. «Jetzt werden wir schauen, wie es weitergeht», gibt er sich noch zurückhaltend. Er werde sich zusammen mit seiner Partei zuerst Mal beraten, wo zusätzliche Unterstützung herkommen könnte. Im Gegensatz zur niedrigen Wahlbeteiligung an diesem sonst ereignislosen Urnengang könne man am 12. Februar doch 40 bis 45 Prozent Wahlbeteiligung erwarten, sagt Egloff.

Michael Merkli wird zusammen mit seinen Parteikollegen erst im Laufe der Woche entscheiden, wie es weitergehen soll. «Persönlich bin ich von meiner Stimmenzahl etwas enttäuscht, zumal ich in der vergangenen Zeit aktiver gewesen bin als meine beiden Mitstreiter und verschiedene Vorstösse zur Entwicklung der Gemeinde Wettingen eingereicht habe.»

Kuster voller Tatendrang

Grund zum Feiern gab es gestern Abend dennoch im «Sternen» genug. Und nachdem es schon länger her ist, dass sich Markus Dieth über seinen Einzug in den Regierungsrat bejubeln lassen konnte, stand ganz die Freude über Roland Kusters Wahl diesmal im Vordergrund. «Dass ich eine solch grosse Abstützung erfahren darf, freut mich ausserordentlich», sagt Kuster, der kurz nach Bekanntgabe des Resultats die Gratulanten scharenweise an der Haustüre empfangen durfte. Da kein Gegenkandidat aufgestellt wurde, habe er davon ausgehen dürfen, gewählt zu werden. Doch das Resultat beweise ihm, dass er das Vertrauen der Wettinger Bevölkerung besitze. Er trete sein Amt sehr motiviert an: «Ich werde vieles, was wir in der jüngeren Vergangenheit aufgegleist haben, wie angekündigt zusammen mit meinen Ratskolleginnen und -kollegen nun realisieren können. Und darauf freue ich mich besonders», fügt Kuster an.

Auch Gemeindeammann Markus Dieth war sehr erfreut über Kusters Wahl: ««Ich bin froh, dieses Amt in die Hände von Roland legen zu können.» Er übergab seinem Nachfolger zusätzlich zu seinen guten Wünschen einen Wettinger «Notfall-Stern», die Imagebroschüre der Gemeinde, mahnte ihn daran, an die Ortsbürger zu denken, und als Bündner überreichte er Kuster für den Ammann-Kühlschrank eine Flasche Rötheli.

Die Gratulantenschar im «Sternen» war sehr illuster. Die Parteifarben schienen diesmal nicht im Vordergrund zu stehen. Auch aus verschiedenen Nachbargemeinden erwies man dem neuen Gemeindeammann der zweitgrössten Aargauer Gemeinde die Reverenz. Susanne Voser überbrachte die Glückwünsche und Gratulationen aus Neuenhof, Valentin Schmid aus Spreitenbach. Marianne Binder gratulierte namens der CVP als Kantonalpräsidentin und teilte mit, dass sie sich nun nicht mehr mit einem schlechten Gewissen plagen müsse, Markus Dieth in den Regierungsrat entführt zu haben.