Franziska Grab (SVP, 48) hat diese Woche überraschend ihren Rücktritt aus dem Gemeinderat bekannt gegeben. «Der Entscheid zum Rücktritt fiel mir alles andere als leicht», sagt Grab, die dem Gemeinderat acht Jahre angehörte, die vergangenen vier als Vizeammann.

Sie wolle die Zeit im Gemeinderat auf keinen Fall missen, sie habe viele spannende Kontakte knüpfen und interessante Projekte begleiten dürfen. Sie habe sich aus privaten und beruflichen Gründen zum Rücktritt entschlossen. Sie macht gleichzeitig kein Geheimnis daraus, dass die Stimmung im Gremium zuletzt nicht gut war.

«Es gibt leider Mitglieder im Gemeinderat, die ihre Aufgabe nicht seriös genug wahrnehmen, die schlecht auf Sitzungen vorbereitet sind, und die ihre Ressorts ungenügend betreuen», spricht sie Klartext. «Das wirkt sich natürlich nicht positiv auf die Zusammenarbeit aus.

Daran hätten auch die Gesamterneuerungswahlen im Herbst nichts verändert: «Vier von fünf Gemeinderäten sind ja noch dieselben wie in den vergangenen Jahren.» Einzige Veränderung: Aline Schaich (SP) folgte auf Parteikollegin Marie-Louise Nussbaumer.

Franziska Grab würde sich für Obersiggenthal wünschen, dass endlich ein Weg aus der finanziellen Krise gefunden werden könne. «Dabei muss der Blick endlich nach vorne gerichtet werden. Immer wieder in der Vergangenheit zu wühlen, hilft definitiv nicht weiter. Die Gemeinde braucht dringend eine klare, mutige Strategie, um aus dem finanziellen Tief zu finden. Bisher fehlt leider ein Fahrplan.»

Der Regierungsrat hat Grabs Rücktrittsbegehren Mitte Woche gutgeheissen, allerdings darf sie nicht wie gewünscht bereits per Ende Juni zurücktreten, da dann keine nationale Abstimmung stattfindet. Entweder werde die Ersatzwahl am 23. September angesetzt, womöglich lasse sich mit der Gemeinde auch noch ein Termin im August finden, sagt Grab.

SVP in der Bredouille

Mit ihrem Rücktritt nach nur vier Monaten in der neuen Legislatur hat Grab ihre eigene Partei überrascht, wie Fraktionspräsident Eugen Paul Frunz sagt. «Wir müssen in den nächsten Wochen an einer Vorstandssitzung unsere weitere Strategie besprechen. Ich zweifle daran, dass wir jemanden finden, der sich für die Nachfolge zur Verfügung stellen wird, beziehungsweise der es sich antun will, in diesem zerstrittenen Gremium zu arbeiten», sagt er.

Letzten Herbst noch, bei den Gesamterneuerungswahlen, wollte die SVP einen zweiten Sitz im Gemeinderat erobern – nun besteht die Möglichkeit, dass die Partei im Gemeinderat bald nicht mehr vertreten sein wird.

«Wir sind keinesfalls auf dem absteigenden Ast, sind im Einwohnerrat zweitstärkste Kraft. Wir hatten aber schon in der Vergangenheit immer wieder Probleme, alle Sitze zu besetzen, die wir eroberten. Wir haben viele Wähler, aber nur wenige, die ein Amt übernehmen wollen», erklärt Eugen Paul Frunz.