Wettingen
Gemeinderat unterstützt Initiative für umfassende Kinderbetreuung

Vom Schuljahr 2013/2014 an wird die Gemeinde Wettingen das familienergänzende Betreuungsangebot beträchtlich ausbauen. Voraussetzung ist jedoch, dass Einwohnerrat und allenfalls auch die Stimmberechtigten sich dafür aussprechen.

Dieter Minder
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Die Nachfrage nach Kinderbetreuung wächst. (Symbolbild, Hanspeter Bärtschi)

Die Nachfrage nach Kinderbetreuung wächst. (Symbolbild, Hanspeter Bärtschi)

Hanspeter Bärtschi

Vom Schuljahr 2013/2014 an wird die Gemeinde Wettingen das familienergänzende Betreuungsangebot beträchtlich ausbauen. An den Schultagen und während 8 Ferienwochen soll die Dienstleistung angeboten werden. «Wir beabsichtigen mit zirka 60 Plätzen während der Schulzeit und 20 Plätzen während den Ferien zu starten», sagt Gemeinderätin Yvonne Feri. Voraussetzung ist jedoch, dass der Einwohnerrat dem Antrag des Gemeinderates zustimmt und dass allenfalls auch die Stimmberechtigten sich dafür aussprechen. «Angesichts der Tragweite der Initiative soll diese in einer Urnenabstimmung dem Volk unterbreitet werden», schreibt der Gemeinderat in der Vorlage.

Einzig der in der Initiative geforderte Starttermin für das Betreuungsangebot kann nicht eingehalten werden. «Die Frist bis zum Beginn des Schuljahres 2012/2013 ist zu kurz», sagt Feri.

Mehrkosten von 126000 Franken

Heute kostet die schulergänzende Betreuung die Gemeinde rund 200000 Franken im Jahr. Neu dürften es, so die Berechnung des Gemeinderates, rund 326000 Franken sein. Darin ist die Betreuung während den 8 Ferienwochen bereits eingerechnet. Die Ganztagsbetreuung kostet während der Schulzeit voraussichtlich 74.20 Franken pro Tag und während den Schulferien 94.20 Franken pro Tag.

Diese Beträge enthalten Personal-, Betriebs- und Raum, Administrations- sowie Steuerungs- und Controllingkosten. Das Auslastungsziel liegt bei 70 Prozent während der Schulzeit und 80 Prozent während der Ferienzeit. Vom Kanton erwartet die Gemeinde aufgrund des Sozialhilfe- und Präventionsgesetzes einen Beitrag von 5 Prozent. Der Kostendeckungsgrad dürfte, basierend auf dem geltenden Elternbeitragsreglement der Gemeinde, bei 45 Prozent liegen.

Die Gemeinden Baden, Ennetbaden, Obersiggenthal und Wettingen bilden zusammen den Krippenpool. Momentan sind sie daran, das Elternbeitragsreglement zu überarbeiten. Die Resultate dürften, so der Gemeinderat, Ende Jahr vorliegen.

Familienpolitik: «Das Wohl der Kinder»

Seit Anfang Jahr wurden in Wettingen drei Vorstösse zur Familienpolitik lanciert. Es sind dies die Initiative «Für ein freiwillig nutzbares umfassendes Betreuungsangebot für unsere Kinder» sowie die Postulate für «zielgerichtete Fremdbetreuungsformen» und die «Gleichbehandlung der Familienformen». Im Gespräch kamen die Vertreterinnen und Vertreter der CVP-Postulaten sowie der Initianten zu Schluss, dass die Vorstösse weitgehend gleichen Ziele haben. Sie streben deshalb eine gemeinsame Familienpolitik an. Diese stellen sie unter die drei folgenden Grundsätze: «Das Wohl der Wettinger Kinder soll im Zentrum stehen», «Einkommensschwachen Familien soll der Zugang zu Unterstützungs-, Bildungs- und kinderspezifischen Vereinsangeboten mit Gutscheinen ermöglicht werden» und dies alles «unabhängig von der Familienform». Vom Gemeinderat wird erwartet, dass er eine Familienpolitik entwickelt, die allen Wettinger Familien eine echte Unterstützung und eine echte Wahlmöglichkeit zwischen den Familienformen bietet. (dm)

Raumproblem wird Knacknuss

Neben den Betriebskosten wird das Projekt auch einmalige Kosten mit sich bringen. In der Initiative werden dafür 600000 Franken gefordert. «Die Raumfrage wird die grosse Herausforderung sein. Die Gemeinde besitzt kein leeres Haus», sagt Feri. «Soweit möglich werden wir die Räume der Mittagstische nutzen.» Das wird aber nicht für die Nachmittagsbetreuung reichen. «Eine Arbeitsgruppe wird sich mit der Raumfrage befassen.» Eine räumliche Trennung vom Schulbetrieb ist insbesondere während den Schulferien von Vorteil.

Die Initiative ist mit 1550 gültigen Unterschriften eingereicht. «Das schnelle Zustandekommen der Initiative deutet darauf hin, dass gut ausgebaute schulergänzende Kinderbetreuungsangebote gewünscht und erwartet werden», schreibt der Gemeinderat. Der Einwohnerrat wird sie an seiner ausserordentlichen Sitzung am 23. April behandeln. Er hat zwei Möglichkeiten: Heisst er sie gut, ist der Weg für die Betreuung frei. Lehnt er sie ab, kommt es zwingend zu einer Volksabstimmung. Der Gemeinderat möchte auf jeden Fall eine Volksabstimmung durchführen. Er stellt deshalb den Antrag, der Initiative zuzustimmen und sie gleichwohl dem Stimmvolk zu unterbreiten.

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