Seit 2015 stehen auf der Schulanlage Rüsler in Niederrohrdorf Schulpavillons. Sie dienen als Provisorium für die Primarschule, die aufgrund gestiegenen Schülerzahlen zu klein geworden ist. Für die sechs Schulzimmer und die drei Gruppenräume bezahlt die Gemeinde eine Miete von rund 321'900 Franken pro Jahr. Nun unterbreitet der Gemeinderat der Gmeind am 23. November einen Kredit über 1,4 Mio. Franken für den Kauf der Pavillons.

Hintergrund: Die Umsetzung des Siegerprojekts für die Erweiterung der Primarschule, «Jim Knopf», das im Oktober 2017 erkoren wurde, verzögert sich. Die Pavillons bleiben deshalb länger als geplant stehen.

«Die Kosten für den Kauf der Pavillons liegen rund 400'000 Franken tiefer, als wenn wir die bald auslaufenden Mietverträge verlängern würden», sagt Gemeinderätin und Bildungsvorsteherin Martina Egger (SVP). Konkret: Bis zum Ende der Mietdauer im Jahr 2024 müsste die Gemeinde insgesamt rund 1,8 Mio. Franken bezahlen.

«Kauf macht am meisten Sinn»

«Die Primarschule ist auf die Pavillons angewiesen. Aus finanzieller Sicht macht ein Kauf deshalb am meisten Sinn.» Weil das Oberstufenzentrum ebenfalls eine Erweiterung prüfe, könne man die Pavillons allenfalls der Kreisschule vermieten, was wiederum Einnahmen generieren würde, sagt Egger. Trotzdem: 1,4 Mio. Franken für Pavillons, die in wenigen Jahren nicht mehr gebraucht werden, ist viel Geld. Der Kreditantrag könnte so manch einem Steuerzahler sauer aufstossen. Weshalb hat die Gemeinde die Pavillons nicht bereits 2015 gekauft? «Weil wir bei der Anschaffung davon ausgegangen waren, dass sie nicht länger als vier bis fünf Jahre stehen werden», sagt Egger und fügt an: «Die Planung für die Erweiterung der Primarschule nimmt viel mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich vorgesehen – vor allem deshalb, weil die Schülerzahlen überarbeitet werden mussten und man nun zusammen mit der Schule das Raumprogramm überprüft.» Damit spricht sie die Verzögerungen an, die in den letzten Jahren entstanden sind.

Schülerzahlen überarbeitet

Rückblick: Im Sommer 2016 beantragte der Gemeinderat einen Projektierungskredit von 650'000 Franken für die Erweiterung. Damit sollte die vom Gemeinderat favorisierte Lösung einer Aufstockung des bestehenden Schulhauses weiterverfolgt werden. Die Gmeind lehnte dies ab. Stattdessen stimmte sie einem Antrag für einen um 50'000 teureren Kredit zu. Damit sollte ein Architekturwettbewerb ausgeführt werden, der die verschiedenen Lösungen einer Erweiterung nochmals prüft. Im selben Winter beantragte der Gemeinderat einen Zusatzkredit, weil das Geld für einen solchen Wettbewerb nicht ausreichte. Die Gmeind lehnte diesen ab, stimmte aber einem Antrag zu, der eine Erhöhung des im Sommer bewilligten Kredits um 50'000 Franken vorsah. Damit sollte ein günstigerer Studienauftrag durchgeführt werden.

Ein Jahr später präsentierte der Gemeinderat schliesslich das Siegerprojekt «Jim Knopf». An einer darauffolgenden Infoveranstaltung gab es Voten, die insbesondere die Dimension des Projekts kritisierten. So beschloss der Gemeinderat, die Schülerzahlen anhand der effektiv in die neuen Wohnüberbauungen zugezogene Bevölkerung zu überarbeiten.

«Dabei hat sich gezeigt, dass nicht so viele Kinder zugezogen sind, wie wir im 2016 prognostiziert haben», sagt Martina Egger. Aus diesem Grund sei man nun daran, «Jim Knopf» zu überarbeiten. «Das alles kostet Zeit, weshalb wir nun auch länger auf die Pavillons angewiesen sind.» Von einer Fehlprognose will die Gemeinderätin aber nichts wissen: «Schülerzahlen zu erheben beruht immer auf Annahmen und ist daher ein wenig wie Kristallkugel-Lesen», betont sie.