Wie viele Gemeinden in der Umgebung, beispielsweise Turgi oder Obersiggenthal, kämpft auch Gebenstorf mit knapper werdenden Finanzen. «Die finanzielle Lage wird sich zunehmend verschärfen», heisst es in der Vorlage zur Gemeindeversammlung, die morgen Donnerstag stattfindet (19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Brühl). Ursache für die drohende Baisse: Die Kosten im Gesundheits- und Sozialwesen steigen, und es stehen grosse Investitionen in den Schulraum und den Strassenbau bevor.

Damit der Finanzhaushalt mittel- und langfristig nicht in Schieflage gerät, schlägt der Gemeinderat nun vor, Land zu verkaufen. Ammann Rolf Senn (CVP) – er wird letztmals eine Gemeindeversammlung leiten – appelliert an die Stimmbürger: «Wir bitten Sie, unsere Anträge im Interesse eines langfristig gesunden Finanzhaushaltes zu unterstützen.» Doch gegen die Verkaufspläne des Gemeinderates hat sich Widerstand formiert.

540 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die sich gegen den Landverkauf zweier Parzellen mit einer Fläche von 4236 Quadratmetern im Gebiet Hinterhof-Zentrum richtet. Ihr Verkauf würde netto 3,77 Millionen Franken in die Gemeindekasse spülen. Keine gute Idee, finden die Petitionäre. Der Gemeinderat habe einst versprochen, dieses Land für Alterswohnungen zu nutzen. Deswegen müsse zuerst ein klares Konzept bezüglich Bau, Standort und Finanzierung von Alterswohnraum erstellt werden. Erst dann sei zu prüfen, ob, und zu welchen Bedingungen, wertvolles Land abgegeben werden könnte. Weitere Kritikpunkte der Petitionäre: Es handle sich um das letzte unverbaute Land im Dorfkern. «Land kann nur einmal verkauft werden, es ist eine Reserve für schlechte Zeiten.» Von Tafelsilber, das der Gemeinderat verscherbeln wolle, sprechen Gegner der Vorlage.

«Zwingende Desinvestitionen»

Der Gemeinderat nennt diverse Gründe, die für einen Verkauf sprechen: Dieser ermögliche eine architektonisch und qualitativ hochwertige Wohnüberbauung, und das dadurch entstehende Bevölkerungswachstum generiere zusätzliche Steuereinnahmen; der grosse Kapitalbedarf für Infrastrukturbauten in den nächsten Jahren müsse zwingend durch Desinvestitionen finanziert werden; das Grundstück habe für die Gemeinde eine untergeordnete Bedeutung, und zudem verfüge die Gemeinde über ausreichende Landreserven an allen strategisch wichtigen Standorten im Dorf. Es gehe nicht darum, «Familiensilber» zu verscherbeln, teilt der Gemeinderat in der Vorlage mit.

12,5 Mio. Franken für Schulhaus?

Keinen Widerstand gab es bisher gegen den Antrag, die Parzelle zu verkaufen, auf der einst die alte Turnhalle Landstrasse stand. Der Gemeinderat rechnet mit einem Erlös von rund 3,5 Millionen Franken. Im Vorfeld der Abstimmung sorgt aber ein weiterer Gemeinderats-Antrag für Gesprächsstoff: der Kredit von 12,5 Millionen Franken für die Projektierung und den Neubau des Schulhauses Brühl. Während die Elterngruppe Gebenstorf für ein Ja plädiert – die Annahme dieses Baukredits sei wichtig, um den bereits jetzt knappen und in den nächsten Jahren nicht mehr ausreichenden Schulraum bereitzustellen – waren in den letzten Wochen auch kritische Leserbriefe zu lesen. Bemängelt wird unter anderem, dass der Projektierungs- und der Baukredit gleichzeitig beantragt werden.

So viel steht fest: Der Ende Jahr abtretende Gemeindeammann Rolf Senn wird noch einmal viel Überzeugungskraft brauchen, um die Anträge durchzubringen – und seine Gemeinderatskollegen ebenso.