Gebenstorf

Gemeindeschreiber seit 25 Jahren: «Panzerglas brauchen wir aber keines»

Stefan Gloor – im Gemeindehaus, vor einem Bild von Armin Strittmatter.

Stefan Gloor – im Gemeindehaus, vor einem Bild von Armin Strittmatter.

In 25 Jahren als Gemeindeschreiber von Gebenstorf hat Stefan Gloor die Entwicklung der Gemeinde mitgeprägt. Trotz seiner Stellung und der vielen Dienstjahre fühlt er sich keineswegs als Dorfkönig. Er habe auch schon zurückgepfiffen werden müssen.

Ordnung, Strukturen und Entscheidungsfreude sind Dinge, die man mit Stefan Gloor verbindet. Er wählte vor über 25 Jahren nicht den Weg in die Privatwirtschaft, sondern in den Dienst der Öffentlichkeit – heute ist er Gemeindeschreiber von Gebenstorf. «Etwas zu bewegen und an Lösungen beteiligt zu sein, die ein Dorf prägen, bedeutete für mich die grössere Herausforderung», sagt er rückblickend.

Seine Kanzler-Sporen verdiente er in Wallbach im Fricktal ab, wo er nebenbei noch den Gemeindeschreiberlehrgang absolvierte. Wer aber in Gloor den Vorzeige-Beamten vermuten würde, liegt falsch. «Man muss auch in einer Gemeinde unternehmerisch denken und handeln, wo es immer möglich ist. Nur setzt einem das Gesetz, so auch im Finanzwesen, manchmal enge Grenzen», erklärt Gloor. Beamtentum ist aber nicht sein Ding.

Verwaltung à jour gehalten

«Wir sind zurzeit wieder damit beschäftigt, die internen Abläufe zu optimieren, nach dem neuen IKS-Leitfaden (internes Kontrollsystem) des Kantons. Teilweise haben wir das Projektmanagement eingeführt», erzählt er und will damit sagen, dass sich in den Räumen der Gemeindeverwaltung Gebenstorf kein Staub ansetzt. Stefan Gloor hat in von Gebenstorf das New Public Management eingeführt, die moderne Verwaltungsführung nach privatwirtschaftlichem Muster.

Überhaupt versucht er stets, die Verwaltung à jour zu halten. Auch zur Erweiterung des Gemeindehauses trug er wesentlich bei. Als Präsident der Gemeindeschreibervereinigung des Bezirks Baden hatte er sich für die einheitliche Internetlösung der Gemeinden eingesetzt. «Dieser haben sich bis heute viele Gemeinden angeschlossen.» Die Bevölkerung müsse darüber informiert sein, was in einer Gemeinde passiert, ist Gloor überzeugt. Trotz Website und Formularen, die man herunterladen könne, sei aber die Zahl der Schalterbesuche nicht etwa gesunken. Mit der neuen, zweimal jährlich erscheinenden Gemeindebroschüre «Inforum» hoffe man, das Informationsbedürfnis noch besser abzudecken.

Bislang nur Verbal-Attacken

Es gebe auch in Gebenstorf manchmal heikle Fälle, sagt Gloor. Polizeischutz wie jüngst in Fislisbach habe man jedoch noch nie beansprucht. Wenn auch die Bedrohungen noch nicht so massiv ausgefallen seien und es bei verbalen Attacken blieb, so sei ihm der Schutz der Mitarbeitenden an der Front wichtig. Vom Büro des Sozialamtes lässt sich über Knopfdruck sofort Alarm auslösen. In die Büros gibt es nur Zutritt, wenn die Tür von innen geöffnet wird. «Panzerglas am Schalter brauchen wir aber keines», sagt Gloor.

Trotz seiner Stellung und der vielen Dienstjahre sieht sich Gloor nicht als Dorfkönig, wie es den Gemeindeschreibern früher oftmals nachgesagt wurde. «Das eine ist Macht haben, das andere ist, damit umgehen zu können», sagt Gloor. Klar, er habe einen gewissen Einfluss und könne seine Meinung kundtun. Oft werde dies auch explizit gewünscht. «Es ist aber auch schon vorgekommen, dass man mich zurückpfeifen musste», gesteht Gemeindeschreiber Gloor und schmunzelt dabei.

Er hat schon unter den drei Gemeindeammännern Forster, Lauper und Haudenschild gedient und erlebt mit Rolf Senn nun den vierten Ammann.

Ein Denkmal habe er sich in der Gemeinde bis jetzt noch nicht gesetzt, und er benötige dies nicht, sagt Gloor und schmunzelt erneut – auch wenn er die Entwicklung der Gemeinde verschiedenenorts habe mitprägen dürfen. Das gebe ihm genügend Befriedigung. Er habe zwar nicht jede Entwicklung begrüsst, fügt er an und weist auf die riesigen Parkplatzflächen im Geelig hin, wo die Gemeinde vom Wachstum überrollt worden sei. «Aber das kann sich auch wieder zum Besseren wenden», spricht Gloor den teilweise missglückten Umgang mit Bauland an.

In Kontakt mit der Bevölkerung

In einer Gemeinde wie Gebenstorf mit mehreren Ortsteilen sei der Zusammenhalt wichtig, sagt Gloor. Er selber fühle sich von der Bevölkerung getragen. «Zu ihr pflege ich einen guten Kontakt, auch zu den Kommissionen, den Behörden und den Parteien», sagt Gloor. Letztere seien wichtig, wenn die Gemeinde all ihre Posten besetzen möchte. Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass er seit vielen Jahren Mitglied der SVP ist. «In der Verwaltung wie im Gemeinderat steht ohnehin die Sache und nicht die Parteifarbe im Vordergrund», erklärt Gloor dazu.

«Gebenstorf funktioniert gut», sagt Gloor. Darum sieht er auch keinen Fusionsbedarf. «Intensivere Zusammenarbeit entspricht eher meiner Grundhaltung als Zusammenschlüsse», kommentiert Gloor dieses Thema. Der Bürger müsse einen Nutzen daraus ziehen können, ist seine Meinung.

Kooperationen mit Turgi und neu mit der Stadtpolizei Baden erachtet er als sinnvoll. An der Eigenständigkeit Gebenstorfs lässt er aber nicht rütteln. Vor allem jetzt, wo die Gebenstorfer im Geelig sogar ihr eigenes Einkaufszentrum hätten.

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