Baden
Generation Y: Eine Tür geht auf, Hunderte gehen zu

Theater zeigt die heutige Generation Y, die sich nicht einmal für eine Joghurtsorte entscheiden kann. Nach zwei ausverkauften Aufführungen in Zürich war das Stück am Donnerstagabend im Merkker zu Gast.

Andrea Ebneter
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Die Schauspieler stellen fest, dass es das perfekte Leben nicht gibt.

Die Schauspieler stellen fest, dass es das perfekte Leben nicht gibt.

Andrea Ebneter

Ein schwarzes Sofa steht auf der Merkker-Bühne. Davor stehen ein CD-Player, eine Dose Bier und viele Döschen mit Seifenblasenflüssigkeit.

Das Stück, zu dem diese Kulisse gehört, heisst «Maybe. Ein Trashtheater» und beginnt damit, dass sich eine junge Frau und ein junger Mann auf das Sofa setzten und sich intensiv den Seifenblasen hingeben.

«Ich will so sein, wie diese Seifenblase, die immer weiter nach oben steigt», sagt er. Eine Frau und ein Mann treten auf die Bühne. Sie fragt ihn: «Darf ich dich küssen?»

Er überlegt kurz und erwidert: «Nein, nicht so. Jetzt ist der Moment vorbei» Sie fragt: «Wie fange ich so etwas an? Wie entscheide ich mich für eine Beziehung?»

Von den Möglichkeiten überfordert

Entscheidungen – darum dreht sich alles im Stück. Es geht um die heutige Generation Y, die so viele Möglichkeiten hat und damit so überfordert ist, dass sie sich weder für einen Beruf, noch für ein Studium oder eine Lebensweise entscheiden kann – denn: «Was ist, wenn ich mich falsch entscheide?»

«Eine Tür geht auf – Hunderte gehen zu»: Dieser Satz tauchte während des knapp einstündigen Stücks immer wieder auf.

Das Theater ist die Abschlussinszenierung von Sarah Verny für den Bachelor in Theaterpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste.

Die vier Schauspieler Alexa Deck, Kamil Kostka, Rada Leu und Daniel Vizentini, alle selbst in den 90ern aufgewachsen und somit Teil der Generation Y, bringen diese ernste Thematik in witziger und unterhaltsamer Weise auf die Bühne.

Nach zwei ausverkauften Aufführungen in Zürich war das Stück am Donnerstagabend im Merkker zu Gast.

Das perfekte Leben gibt es nicht

Die vier Darsteller erzählten von ihren Vorstellungen vom perfekten Leben mit perfektem Partner, schönem Haus und tollem Job. Doch immer wieder wurde einem der Vier klar: «Das perfekte Leben gibt es nicht!»

Schliesslich verzweifelten die Schauspieler immer mehr und fragten sich laut: «Warum muss ich mich entscheiden? Kann ich mich gegen das Entscheiden entscheiden?

Wie soll ich wichtige Entscheidungen treffen können, wenn ich mich nicht einmal zwischen verschiedenen Sorten Himbeerjoghurt entscheiden kann?» Kurz vor Schluss verschwand eine der Vier hinter der Bühne und setzte mit den Worten «Shots für alle!» dem Szenario ein Ende.

Es lässt sich also immer ein Weg finden, sich von wichtigen Entscheidungen abzulenken, sich davor zu drücken und sie zu vertagen.

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