In der anonymen Mail steht zusammengefasst und sinngemäss: Geri Müller habe in Aussicht gestellt, dass er jetzt die Vertauensfrage stellen muss – das habe er nicht getan, vielmehr ignoriere er sämtliche klaren Misstrauensvoten.

«Das akzeptieren wir nicht. Wir fordern ihn auf, unverzüglich aus der Badener Exekutive zurückzutreten», heisst es weiter.

Mit der Mail, die auch auf der az-Redaktion gelandet ist, wird der Empfänger aufgefordert, die Mail an möglichst viele Personen weiterzuleiten, damit diese mit ihrem Namen die Rücktrittsforderung bekräftigen können. Von wem die Mail stammt, ist unklar: «Wir wollen anonym bleiben, weil wir uns nicht mit Drohungen irgendwelcher Art konfrontiert sehen wollen.»

So reagieren Passanten auf Geri Müllers Entscheid, Badens Stadtammann bleiben zu wollen

So reagieren Passanten auf Geri Müllers Entscheid, Badens Stadtammann bleiben zu wollen

Auf schriftliche Nachfrage präzisieren die Absender: «Die Anonymität ist keine gute Sache und widerstrebt eigentlich auch unserem Empfinden eines offenen Dialogs in Baden.» Es habe an in jüngerer Zeit in der Affäre Müller Drohungen gegen Personen gegeben.

«Sollten diese Drohungen wahr sein, wollen wir verhindern, dass durch weitere Drohungen die Initiative erschwert wird und damit die freie Meinungsäusserung der Stimmbürger erneut nicht stattfindet.»

Die Bürgerinitiative störe sich daran, dass sich Geri Müller alleine die Deutungshoheit über das Vertrauen in ihn gebe. «Er alleine interpretiert, wie er die Stimmung wahrnimmt, und macht daraus die Wahrheit.» Das sei zutiefst undemokratisch. «Müller kämpft mit geschlossenem Visier, und wir sehen es deshalb ausnahmsweise als gerechtfertigt, dies auch zu tun.»

Welche Kreise stecken hinter der Gruppierung? «Support kommt gegenwärtig aus ganz unterschiedlichen Kreisen.» Die Gruppierung werde aber sofort offenlegen, wer hinter der Initiative steht, sobald Müller spätestens an der Stadtratssitzung vom kommenden Montag den Weg freimacht für Neuwahlen in Baden. «Spätestens diesen Freitag werden wir über den Rücklauf unserer Mails informieren.»

Reto Huber: «Habe keine Ahnung»

Bereits vor zwei Wochen wurde bekannt, dass in Badener Wirtschafts- und Gesellschaftskreisen Unterschriften für ein Inserat gesammelt wurden, mit dem Müller zum Rücktritt als Stadtammann aufgefordert werden sollte. «Das war eine andere Aktion», hält der anonyme Absender fest.

Tatsächlich: CVP-Fraktionspräsident Reto Huber, der sich nun als treibende Kraft der Unterschriftensammlungsidee outet, sagt: «Ich habe absolut keine Ahnung, wer hinter dieser Bürgerinitiative steht.» Übrigens, so Huber, sei die Idee dann aber gestorben, «weil wir unseren Standpunkt mit der Rücktrittserklärung ja genügend kundgetan hatten».

Könnte die Bürgerinitiative wie ihr Name suggeriert, mit einer Initiative gar eine Volkswahl erzwingen? Michael Frank, Mitarbeiter Rechtsdienst bei der Gemeindeabteilung des Kantons Aargau, verneint: «Mit Initiativen auf kommunaler Ebene kann man nur Sachgegenstände zur Abstimmung bringen. Eine Exekutivwahl kann also durch eine Initiative nicht erzwungen werden.»