Vor einem Jahr deutete viel auf eine baldige Hochzeit von Ennetbaden und Baden hin. Im Juni stimmte die Ennetbadener Gemeindeversammlung dafür, noch in der laufenden Legislatur eine Fusion mit Baden und allenfalls weiteren Gemeinden zu prüfen.

Euphorie war nach diesem Entscheid spürbar: Stadtammann Geri Müller beispielsweise kündigte an, Baden (18 523 Einwohner) auf 2018 hin nicht nur mit Ennetbaden (3272), sondern auch mit Neuenhof zu einer Stadt mit rund 30 000 Bewohnern fusionieren zu wollen. Ennetbadens Gemeindeammann Pius Graf (SP) ging noch weiter: Für den Fall einer Fusion müsste man über Baden/Ennetbaden/Neuenhof hinausdenken.

Auch Wettingen und die beiden Siggenthal müssten einbezogen werden. Von einer Grossstadt mit rund 70 000 Einwohnern war die Rede; damit stiesse Baden in die Top 10 der grössten Schweizer Städte vor. Auch bei der Bevölkerung kam die Braut gut an: 81,3 Prozent der Badener antworteten in einer repräsentativen Umfrage mit Ja auf die Frage, ob sie einer Fusion mit Ennetbaden zustimmen würden (siehe Grafik).

Repräsentative Umfrage von letztem Herbst: 4 von 5 Badenern wollten die Fusion.

Repräsentative Umfrage von letztem Herbst: 4 von 5 Badenern wollten die Fusion.

Und jetzt der für viele grosse Dämpfer: Ennetbaden, die begehrte Braut, erteilt Baden einen Korb. An der Gemeindeversammlung kommt es am 11. Juni zwar zu einer Abstimmung zum Thema Fusion. Doch abgestimmt wird nicht wie im Fahrplan vorgesehen über einen Projektierungskredit – im Gegenteil: Der Ennetbadener Gemeinderat stellt den Antrag, das Zusammenschluss-Thema zu sistieren. Dieser Entscheid sei anlässlich einer Klausurtagung und nach einem Treffen mit dem Stadtrat Baden gefallen.

Die Führungsrolle für Zusammenschlüsse müsste eine der beiden grossen Gemeinden Baden oder Wettingen übernehmen, heisst es sinngemäss in einer Medienmitteilung. Die bisherigen Abklärungen bei den umliegenden Gemeinden hätten ergeben, dass die Diskussion eines Zusammenschlusses kurz- und mittelfristig kein Thema sei.

Einzig die Stadt Baden hat sich offen gezeigt und Zusammenschlüsse in die Legislaturziele aufgenommen. Nach Ansicht des Gemeinderates bildet die aktuelle politische Situation in Baden derzeit aber keine erfolgversprechende Basis, um ein zukünftiges Regionenmodell zu starten.» Ein blosser Zusammenschluss der Stadt Baden und der Gemeinde Ennetbaden sei nicht dringlich und führe nicht zur angestrebten Stärkung der Region.

Das derzeit angewandte Kooperationsmodell mit den umliegenden Gemeinden und insbesondere mit Baden würden sehr gut funktionieren. Zudem seien dringliche siedlungspolitische Themen wie Verkehrsmanagement und verdichtetes Wohnen in den Zentren bereits in Arbeit.

Fusions-Krise deutete sich an

Badens Regierung nimmt den Sistierungs-Wunsch mit Bedauern zur Kenntnis. Badens Stadtammann Geri Müller (Team/Grüne) weilt im Ausland, sein kurzer Kommentar: «Natürlich bedauern wir den Entscheid des Ennetbadener Gemeinderates. Wir sind trotzdem nach wie vor offen für Zusammenschlüsse mit anderen Gemeinden, denn wir sind überzeugt, dass Gemeindefusionen Sinn machen würden. Nur ist momentan dafür offenbar nicht der richtige Zeitpunkt.»

Badens Vizeammann Markus Schneider (CVP) sagt: «Die Begründung des Ennetbadener Gemeinderates kann ich nachvollziehen.» Baden wäre nach wie vor sehr gerne bereit gewesen, die Argumente für einen Zusammenschluss mit Ennetbaden gemeinsam zu erarbeiten. «Wir haben in verschiedenen Gesprächen mögliche Wege mit Vertretern des Ennetbadener Gemeinderates erläutert.» Er bedauere den Entscheid, sagt Schneider.

Vorzeichen, dass die angedachte Hochzeit abgeblasen werden könnte, gab es bereits letzten Juli. Ennetbadens Ammann Pius Graf (SP) forderte eine aktivere Rolle des Badener Stadtrats und stichelte: «Baden sollte etwas tun gegen Arroganz und Grössenwahn, muss eine Charmeoffensive starten, wenn Fusionen wirklich zustande kommen sollen.» Die Anzeichen einer Fusions-Krise verdichteten sich im September, als der Ennetbadener Gemeinderat auf die in Aussicht gestellte Kreditabstimmung verzichtete – mit der Begründung, man wolle die Klärung der Situation im Stadtrat abwarten.

Ennetbadens Ammann Pius Graf war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aus den Worten von Vizeammann Jürg Braga (FDP) war grosse Enttäuschung hörbar: «Ich bin ein Verfechter von Zusammenschlüssen und dachte, wir wären auf einem guten Weg. Leider sind die umliegenden Gemeinden dafür noch nicht bereit.» Und für eine Fusion mit Baden sei der Zeitpunkt momentan leider nicht der richtige. Er hege dennoch leise Hoffnung, dass eine Regionalstadt dereinst zustande komme: «Ich werde alles daransetzen, die Gespräche weiterzuführen.»