Herr Müller, als Sie am Sonntag kurz nach 14 Uhr mit den anderen Kandidaten den Tagsatzungssaal betraten wussten Sie bereits, dass Sie der neue Stadtammann sind. Trotzdem wirkten Sie äusserlich sehr gelassen. Alles nur gespielt?

Geri Müller (lacht): Nein, die Gelassenheit war nicht gespielt. Ich könnte das auch gar nicht, ich bin ein schlechter Schauspieler. Ich war in der Tat gelassen, weil ich wusste, dass das Leben weitergeht, ganz egal, wie die Wahl ausfällt.

Gelassenheit in Ehren. Als das Resultat dann bekannt gegeben wurde, zeigten Sie dann aber Emotionen.

Ja, der Moment war für mich sehr emotional, all die Glückwünsche und die Blumen haben mich sehr berührt.

Gleich nach der Pressekonferenz stieg die grosse Wahlfeier in der «Unvermeidbar». Wie haben Sie die Feier erlebt?

Wir hatten alle Mitwirkenden eingeladen, aber diese Anzahl ist laufend gewachsen und wir waren vom Aufmarsch doch sehr überrascht. Die Party fand ja dann - auch dank der Sonne, die sich seit Langem wieder mal zeigte - vor allem draussen vor der «Unvermeidbar» statt.

Was bleibt Ihnen rückblickend von den Feierlichkeiten besonders in Erinnerung?

Besonders berührt hat mich, dass fast von jeder umliegenden Gemeinde ein Vertreter nach Baden fand, um mir zur Wahl zu gratulieren. Sehr bewegend waren auch all Begegnungen mit Wählern, die mir gratulierten, obwohl sie selber nicht links-grün stehen. Und nicht zuletzt habe ich mich sehr über die Glückwünsche von Badener Juden gefreut, die sich gleichzeitig in aller Deutlichkeit von den Attacken gegen mich distanzierten.

Geri Müller wurde ausspioniert

Der Grüne Badener Stadtammann Geri Müller wurde ausspioniert

Auch die Geste von Roger Huber dürfte Sie gefreut haben?

Absolut, er brachte mir eine Kiste Müller Extra Nachtaktiv. Das war wirklich eine faire Geste und ist Ausdruck des Badener Geistes.

Sie besuchten am Abend ja auch kurz die FDP-Versammlung. Wie war das für Sie?

Ich wurde nett empfangen. Gleichzeitig konnte ich die FDP-Exponenten davon überzeugen, dass mit mir als Stadtammann die Welt nicht untergeht (lacht).

Heute Morgen hatte der Badener Stadtrat bereits seine erste Sitzung. Wie war die Stimmung unter den Kollegen?

Gut. Vielleicht hat auch der Champagner dazu beigetragen, den ich zur Sitzung mitgebracht habe.

Wurde der Wahlkampf im Gremium nochmals thematisiert?

Nicht gross. Stephan Attiger gratulierte mir nochmals zur Wahl, dann schritten wir zur Tagesordnung über.

Werden Sie das Ressort Finanzen und Personal von ihrem Vorgänger übernehmen?

Das kann ich jetzt noch sagen, das werden wir an einer konstituierenden Sitzung entscheiden. Mein Ziel ist es, dass sich das neue Team möglichst schnell formieren kann. Es stehen in naher Zukunft happige Brocken an; es braucht - trotz einer sehr guten Verwaltung - auch einen gut funktionierenden Stadtrat.