Der Lohn des Badener Stadtammanns ist Anfang Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil bürgerliche Politiker angesichts der finanziell angespannten Situation der Stadt einen Lohndeckel fordern. «No comment», lautete in den vergangenen Wochen Geri Müllers Kommentar bei Medienanfragen zu seinem Lohn.

Gegenüber der «SonntagsZeitung» liess er nun verlauten: «Es ist okay, ihn zu hinterfragen. Er muss gerechtfertigt sein, gerade auch im Vergleich mit anderen Gemeinden.» In der Tat stimme das Gleichgewicht bei den Präsidentenlöhnen angesichts der teilweise beträchtlichen Unterschiede wohl nicht in jedem Fall.

Eine Umfrage der Zeitung bei den 133 Schweizer Städten und Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern zeigt: Die Löhne der Ammänner gehen weit auseinander. Am meisten verdient Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (294 834 Franken), wobei das Verwaltungsratsmandat bei der Flughafen Zürich AG miteinberechnet ist, das ihr 30 000 Franken einbringt. Auf den weiteren Spitzenplätzen landen Lausanne (275 976 Franken), St. Gallen (272 841 Franken) und Genf (272 423 Franken), gefolgt von Baden auf Platz 5 (270 116 Franken). Gemessen an der Einwohnerzahl verdient der Badener Ammann schweizweit am meisten.

In die Top 10 der bestbezahlten Gemeindeammänner schafft es auch der Wettinger Markus Dieth (Platz 9, 259 400 Franken). Er sei oft von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends im Büro und arbeite auch an den Wochenenden. Ohnehin sei der Lohn nicht der entscheidende Antrieb, um ein solches politisches Amt zu bekleiden. Als Anwalt mit eigener Kanzlei habe er nicht wegen des Verdienstes in die Politik gewechselt, hält er fest.

Dass die Gemeindeammänner im Kanton Aargau in der Lohnrangliste weit vorne vertreten sind, hängt laut «SonntagsZeitung» auch damit zusammen, dass sie beispielsweise anders als ihre Kollegen im Kanton Zürich auch für die Führung der Gemeindeverwaltung zuständig sind. «Mein Job ist mit dem des Chefs eines mittelgrossen Unternehmens mit 250 Angestellten vergleichbar», sagt Dieth.

Am unteren Ende des Rankings befinden sich auffällig viele Zürcher Gemeinden. In Regensdorf (17 500 Einwohner) verdient der Gemeindepräsident Max Walter mit einem 70-Prozent-Pensum nur 52 000 Franken im Jahr. Die Diskussion über seinen Lohn werde wohl bald geführt, sagt er. Das Gehalt sollte eine faire Entschädigung, aber nicht der Anreiz sein: «Ansonsten könnte es die falschen Leute anziehen.» Denn für das Amt des Gemeindepräsidenten brauche es eine gute Portion Idealismus.

Die deutlichen Lohnunterschiede unter anderem zwischen Ammännern in Aargauer und Zürcher Gemeinden liessen sich nicht alleine durch das unterschiedliche Pflichtenheft erklären, sagt Gemeindeforscher Reto Steiner von der Universität Bern. Teilweise seien sie schlicht historisch bedingt. So seien etwa viele Gemeinden rund um Zürich in den letzten Jahren stark gewachsen und als Agglomerationsstädte deutlich komplexer zu führen geworden, ohne dass der Lohn der Ammänner angepasst worden wäre.

Die weiteren Plätze von Aargauer Gemeinden in der schweizweiten Ammannlohn-Rangliste, teilweise hochgerechnet auf ein Vollzeitpensum: Aarau (Platz 22, 237 256 Franken), Brugg (Platz 38, 220 000 Franken), Rheinfelden (Platz 50, 210 000 Franken), Möhlin (Platz 51, 207 143 Franken), Zofingen (Platz 60, 200 000 Franken), Wohlen (Platz 73, 193 770 Franken), Spreitenbach (Platz 79, 189 000 Franken) und Oftringen (Platz 87, 184 108 Franken).