900 Stellen will der neue Eigentümer der Alstom Schweiz, General Electric, abbauen. Dies gab der US-Industriekonzern gestern bekannt. Das sind zwar 400 «potenzielle Entlassungen» weniger als noch im Januar angekündigt, dennoch wird unter den rund 5500 Mitarbeitern jeder sechste Arbeitsplatz verloren gehen. Gemäss Personalvertretungen sollen die ersten Kündigungen ab Juli erfolgen, die Restrukturierung soll bis Dezember 2017 vollzogen sein.

«Der von GE kommunizierte Stellenabbau, der nun gegen unten korrigiert wurde, ist nach wie vor beträchtlich», sagt Stadtammann Geri Müller. Man zähle darauf, dass die Entlassungen gemeinsam mit Kanton und der Stadt so sozial verträglich wie nur möglich erfolgen und den Betroffenen mit den bestmöglichen Bedingungen entgegengekommen werde. «Dass die Betriebe von GE in der Schweiz sowie in Baden bestehen bleiben und auch weiterentwickelt werden, nimmt der Stadtrat mit Genugtuung entgegen», schreibt er in einer Mitteilung.

Aus dem Kahlschlag zieht die Exekutive auch Positives: So bezeichnet sie es als ein «starkes Signal für die Langzeitpräsenz», dass der Konzern seine globalen Hauptsitze der Sparten Wartungsgeschäft und Dampfturbinen in Baden angesiedelt hat. Auch geht der Stadtrat davon aus, «dass die Investitionstätigkeit von GE die Wirtschaftskraft der Region Baden für die Zukunft stärken wird».

Mit der Restrukturierung will GE einerseits die Wettbewerbsfähigkeit der ehemaligen Alstom-Betriebe stärken, andererseits die Geschäftsaktivitäten auf zukünftige Investitionen und Wachstum ausrichten.

20 Kündigungen ausgesprochen

Beim Stellenabbau von GE bleibt es aber nicht. Auch die in Baden ansässige Avectris AG streicht Arbeitsplätze: Die IT-Dienstleisterin, die Unternehmen aus der Energieversorgung, Industrie und Verwaltung berät, schafft 20 Stellen ab – die Kündigungen wurden vergangene Woche ausgesprochen.

Zwar ist Avectris mit rund 230 Mitarbeitern deutlich kleiner als GE, trotzdem trifft es fast jeden elften Mitarbeiter. «Aufgrund der stark sinkenden Energiepreise und dem damit verbundenen Kostendruck konsolidieren unsere Kunden mit grossem Effort Anwendungen und bauen ihrerseits teilweise Personal ab», schreibt die IT-Dienstleisterin auf Anfrage der az. Dies würde sich bei Avectris ebenfalls in reduzierten Betriebserlösen und höherem Kostendruck äussern.

Es seien aber auch technologische Entwicklungen wie die Cloud oder die zunehmende Digitalisierung, die das Unternehmen herausfordern würden. Aus diesem Grund fokussiert sich Avectris neben den klassischen Infrastruktur- und Industrieanwendungen von Energieversorgern verstärkt auf neue Angebote, etwa Applikations-Services oder Hybrid-Cloud-Lösungen. Zudem werden die Dienstleistungen in einigen Bereichen, beispielsweise im Kundendienst, künftig mit Partnern erbracht.

Neuausrichtung hatte Abbau zur Folge

Dass der IT-Dienstleisterin schwierige Zeiten bevorstehen, zeichnete sich bereits im Juni 2015 ab. Zwar ging damals die Axpo Informatik AG, eine Tochtergesellschaft des Energiedienstleistungskonzerns Axpo, in die Avectris über. Mit der strategischen Neuausrichtung sollten auch Kunden ausserhalb des Axpo-Verbundes angesprochen werden. Aber die neue Firmenstruktur hatte einen Stellenabbau zur Folge: Elf Mitarbeiter erhielten die Kündigung.

«Bei der Umsetzung der neuen Strategie versuchen wir, bisherige Mitarbeitende soweit als möglich in die neuen Fokusbereiche einzusetzen», schreibt die Firma. Für die vom aktuellen Stellenabbau Betroffenen habe man jedoch aufgrund des jeweiligen beruflichen Erfahrungshintergrunds leider kein Angebot machen können. Doch Avectris versichert: «Ein Sozialplan steht bereit.»

Geri Müller und Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing, stehen in regelmässigem Kontakt mit der GE-Führung. Doch wie sieht es bei den KMU wie Avectris aus, die vom harten wirtschaftlichen Umfeld genauso betroffen sind wie die Grossunternehmen? «Das Standortmarketing berät ansässige Firmen in Belangen zum Wirtschaftszentrum und zu Lokalitäten. Branchenbezogene Unterstützung erfolgt durch persönliche Vermittlung passender Netzwerke lokal und regional», sagt Lütolf.