Nacktselfie-Affäre
Geri Müller: «Geld spielte bei meinem Entscheid keine Rolle»

Am Montag nahm Geri Müller sein Amt als Badener Stadtammann wieder auf. In der heutigen «Rundschau» sagte er, finanzielle Motive seien dabei nicht entscheidend gewesen. Er kritisierte einzelne Medien und prüft Klagen wegen Persönlichkeitsverletzung.

Fabian Hägler
Drucken
Teilen
«Öffentliche Hinrichtung»: Geri Müller sieht sich als Opfer.
5 Bilder
Geri Müller behält sich Klagen gegen Medien wegen Persönlichkeitsverletzung vor, wie er Sandro Brotz sagt.
Spielten finanzielle Motive beim Nicht-Rücktritt Geri Müllers eine Rolle? «Ganz klar nicht», sagt er. Er komme aus bescheidenen Verhältnissen und könne auch mit wenig Geld leben.
Geri Müller im «Rundschau»-Studio bei Moderator Sandro Brotz. Der Badener Stadtammann sagt, er gehe «ergebnisoffen» in die Mediation mit dem Badener Stadtrat.
Geri Müller in der «Rundschau»

«Öffentliche Hinrichtung»: Geri Müller sieht sich als Opfer.

Screenshot SRF

In seinem ersten ausführlichen Interview nach der Rückkehr ins Stadthaus von Baden und in den Nationalrat hat Geri Müller erstmals die Frage beantwortet, ob er des Geldes wegen an seinem Amt als Stadtammann festhält.

Müller, der 260'000 Franken pro Jahr verdient, sagte in der «Rundschau» von SRF: «Finanzielle Motive spielten ganz klar keine Rolle.» Er komme aus bescheidenen Verhältnisse und könne auch mit wenig Geld leben, ergänzte der grüne Politiker.

Geri Müller in der «Rundschau»

Auf die Frage, ob ein Rücktritt als Stadtammann völlig ausgeschlossen sei, antwortete der 52-jährige Geri Müller ausweichend. Wie schon bei seiner Pressekonferenz vor drei Wochen, kurz nachdem die Nackt-Selfie-Affäre publik geworden war, ist für ihn das Vertrauen seines Umfelds entscheidend.

«Ist das Vertrauen noch vorhanden, kann ich es aufbauen» – das seien Fragen, die er sich stelle. Müller will sich selber Zeit geben, um das Vertrauen wieder zu erlangen. «Ich werde in den nächsten zwei Wochen prüfen, ob dies möglich ist», sagte der Badener Stadtammann weiter.

«Ergebnisoffen an diese Mediation»

Details zu den Diskussionen und zu den Chancen der bevorstehenden Mediation im Stadtrat wollte Müller nicht diskutieren. «Man muss diesen Prozess nun eingehen und schauen, was möglich ist, ich gehe ergebnisoffen an diese Mediation heran», erklärte er.

Geri Müller wiederholte seine bekannte Position, dass Privates auch privat bleiben müsse. Er sprach von einer «Kampagne von vier, fünf Leuten» gegen ihn. Ihr Ziel sei es gewesen, «neue Wahlgänge und einen Sturz zu erzwingen». Solchen Absichten müsse ein Riegel geschoben werden.

Es könne nicht sein, dass künftig ein Klima der Angst und des Misstrauens herrsche: «Dieses Denunziantentum ist gefährlich für eine Gesellschaft und diese dürfte so etwas eigentlich nicht tolerieren.» Es erinnere ihn an Zustände in Ländern, in denen man die totale Kontrolle hat.

Geri Müller nach der ersten Stadtratssitzung, als er in sein Amt als Stadtammann zurückkehrte

Nach einer langen Sitzung mit dem Badener Stadtrat geht Geri Müller so, wie er gekommen ist - mit seinem Velo.
6 Bilder
Geri Müller nach der Stadtratssitzung - die Ressorts hat er nicht zurückerhalten.
Das Badener Stadthaus am Montag.
Die anstehenden Repräsentationstermine von Stadtammann Geri Müller wurden bis Ende September auf die anderen Stadträte aufgeteilt.
Stadtammann Geri Müller verlässt am Montag auf seinem Fahrrad das Stadthaus in Baden.
Geri Müller nach der ersten Stadtratssitzung nach seiner Rückkehr als Stadtammann

Nach einer langen Sitzung mit dem Badener Stadtrat geht Geri Müller so, wie er gekommen ist - mit seinem Velo.

Keystone

«Öffentliche Hinrichtung»

Was er erlebt habe, sei «eine öffentliche Hinrichtung», sagte Geri Müller. Diese könnte nun zum Präzedenzfall für andere Menschen werden, die unter Druck geraten könnte, wenn private Dinge an die Öffentlichkeit kämen. «Es haben sich mehrere Leute bei mir gemeldet, die mir sagten, wenn man dies oder jenes von ihnen wüsste, hätten auch sie ein Problem.»

Heftig kritisierte Müller einzelne Medienvertreter: Nach der Publikation der Nackt-Selfie-Affäre habe eine Jagd der Journalisten auf ihn und seine Familie eingesetzt. «Sie gingen auf unsere Kinder in der Schule los», sagte Müller. Es habe keinerlei Respekt mehr vor der Privatsphäre geherrscht: «Das waren fast kriegsähnliche Zustände.»

Für ihn ist klar, «dass es eine schwere Verletzung der Intimsphäre gegeben hat». Man habe mit einer Kampagne eine Skandalisierung erreichen wollen. Jetzt prüft Müller konkret Klagen wegen Persönlichkeitsverletzung, die demnächst eingereicht werden könnten: «Das ist durchaus denkbar», sagte er auf eine entsprechende Frage.

Aktuelle Nachrichten