Badens Ammann im Interview
Geri Müller: «Ich werde jetzt so weiter machen wie bisher»

Im Talk Täglich von Tele M1 macht der Stadtammann von Baden am Dienstag zwei Dinge klar: Die Nacktselfie-Affäre soll der Vergangenheit angehören. Und: Er will sein Amt als Stadtammann bis zu den nächsten Wahlen im 2017 behalten.

Sarah Serafini
Merken
Drucken
Teilen

Richtig gut sieht er aus, der Geri Müller. Gesund rote Wangen, einen wachen Blick, legeres Lächeln auf den Lippen. Auf die erste Frage von Moderator Stefan Schmid antwortet Müller dann auch: «Danke, mir geht es sehr gut.»

Zwar sei es momentan streng, da er nicht nur das Amt des Stadtammanns besetzen müsse, sondern auch noch ad interim als Verwaltungsleiter tätig sei. «Aber ich habe Kraft und Mut weiterzumachen.» Es ist das erste Mal, dass sich Geri Müller nach der Nacktselfie-Affäre im «Talk Täglich» von Tele M1 einem breiten Fernsehpublikum präsentiert.

Bis im Herbst 2017 sitzt Geri Müller fest im Sattel

Auch wenn sich eine Mehrheit der Badener gemäss einer repräsentativen Umfrage vorgezogene Wahlen wünscht, muss sie sich noch zweieinhalb Jahre gedulden. Denn erst im Herbst 2017 finden die Gesamterneuerungswahlen statt. Stadtammann Geri Müller wurden zwar nach Auffliegen der Nacktfotos-Affäre kurzfristig seine Ressorts entzogen. Doch nach Abschluss des Mediationsprozesses Anfang November erhielt Müller bis auf das Standortmarketing alle Ressorts zurück.

Auch ausserhalb der Stadtregierung sah sich Müller heftigem Gegenwind ausgesetzt. So wurde er ebenfalls Anfang November als Präsident der Gemeindeammänner-Vereinigung des Bezirks Baden abgewählt. Und Mitte November wurde bekannt, dass er – wohl nicht ganz freiwillig – das Mandat als Delegierter des Stadtrats im Verwaltungsrat der Stadtcasino AG abgegeben hatte. Als Ende November das erweiterte Kongress- und Businesszentrum Trafo eröffnet wurde, wurde er von den Verantwortlichen ausgeladen. Beim Neujahrsapéro räumte Müller ein, im 2014 nicht immer alles im Griff gehabt zu haben. (mru)

Kraft und Mut, um über die Nacktselfie-Affäre zu sprechen, hat Müller aber nicht. Nur schon das Wort «Nacktselfie» muss in der Sendung Tabu bleiben. Das macht Müller vor der Sendung deutlich. Er sagt, das Thema sei für ihn abgeschlossen. Er wolle dazu keine Fragen mehr beantworten. «Ich bin heute als Stadtammann von Baden hier und nicht als Geri Müller», schärft er dem Moderator kurz vor Sendebeginn ein.

Als Schmid ihn in der Sendung fragt, welche Spuren die Geschehnisse im 2014 bei ihm hinterlassen haben, antwortet Müller seelenruhig: «Ja, das war ein schwerer Schlag.» Glücklicherweise habe er damit aber sehr gut umgehen können. Vor allem seit Anfang dieses Jahres sei er wieder voll bei der Sache. «Im Vergleich zu meiner politischen Leistung in den letzten 40 Jahren war das ein kleiner Ausrutscher. Ich werde jetzt so weiter machen, wie bisher.»

Vorwärts schauen

Müllers Worte sind an Enthusiasmus kaum zu überbieten. Er will durchblicken lassen, dass er die Situation voll im Griff hat. Stellt Schmid kritische Fragen zu den Ereignissen im letzten Jahr, weicht er aus. Lieber spricht er über die schwierige finanzielle Lage der Stadt Baden. Die Affäre um seine Person gehört für ihn der Vergangenheit an, jetzt will er vorwärts schauen, egal was Kritiker sagen.

Nur einmal fällt er ein wenig aus dem Konzept, als Schmid fragt, ob noch genügend Vertrauen vorhanden sei, um konstruktive Politik zu betreiben. Heftiger – aber nicht, ohne das Lächeln zu verlieren – antwortet Geri Müller: «Schauen Sie, Herr Schmid, ich habe mit Ihnen abgemacht, dass wir über die Zukunft sprechen und Sie stellen mir ständig Fragen zur Vergangenheit. Lassen Sie doch diese Geschichte endlich sein.»

Ob er auf der Strasse noch häufig auf die vergangenen Ereignisse angesprochen werde, will der Moderator wissen. «Das gibt es immer wieder», sagt Müller. Solche Gespräche seien gut, damit sich die Leute eine Einschätzung machen können, was wirklich passiert sei. Aber angesprochen worden sei er immer schon. Gerade weil er auch als Nationalrat immer Politik machte, die nicht jedem passe.

Kein Rücktritt

Schmid erinnerte Müller, dass er nach der Affäre sagte, er werde im Amt als Stadtammann bleiben, wenn ihm das Vertrauen weiterhin entgegengebracht werde. Auf die Frage, ob er frühzeitig aus seinem Amt treten müsse, antwortet Müller in einer kühlen Gelassenheit: «Ich wüsste nicht, warum.»

Geri Müller zelebrierte in der Sendung am Mittwochabend Normalität und konnte am Schluss des Gesprächs wieder über das reden, wo er sich am wohlsten fühlt: Weltpolitik. So verurteilte er das Attentat in Paris, warnte gleichzeitig davor, die Tat auf die Religion zu reduzieren.

Nach dem «nicht ganz einfachen Talk», wie die TV-Macher selber sagen, wird Geri Müller ein letztes Mal darauf angesprochen, ob er es langsam leid sei, Fragen zur Affäre zu beantworten. Der Stadtammann von Baden steht zwei Sekunden still im Licht der Kamera stehen. Dann winkt er ab und geht.

Schauen Sie sich hier die ganze Sendung an: