Affäre Geri Müller
Geri Müller im Interview: «Habe die Vertrauensfrage niemandem gestellt»

Geri Müller bleibt Badener Stadtamman. Die Rückmeldungen aus allen politischen Lagern sei mehrheitlich so, dass er weitermachen solle. Die von ihm selbst vor den Medien aufgestellte Vertrauensfrage zum Verleib habe er aber niemandem gestellt.

Roman Huber
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Geri Müller will Stadtammann von Baden bleiben.

Geri Müller will Stadtammann von Baden bleiben.

Keystone

Herr Müller, wie geht es Ihnen gesundheitlich nach einer so bewegten Zeit?

Geri Müller: Es geht aufwärts.

Sie haben zweifellos viele Rückmeldungen erhalten.

Positive und negative, aus allen politischen Lagern. Davon möchte die Mehrheit, dass ich im Amt bleibe. Dieser Rückhalt ist für mich psychologisch wichtig.

Für eine Rückkehr ins Stadtammannamt erklärten Sie das Vertrauen als Bedingung massgebend. Wem haben Sie inzwischen die Vertrauensfrage gestellt?

Ich habe diese Frage niemandem gestellt. Es geht jetzt darum, dieses Vertrauen innerhalb des Stadtrates, in der Verwaltung, in den verschiedenen Gremien, auch in der Bevölkerung zu erspüren.

Chatpartnerin meldet sich

Wenige Stunden, nachdem Geri Müller bekannt gab, dass er am kommenden Montag sein Amt wieder aufnehmen werde, schreibt die Chatpartnerin der Aargauer Zeitung ein Mail. Sie habe soeben erfahren, dass er an seinen Ämtern festhalten wolle. «Ich habe grosse Bedenken, ob das gut kommt, wenn er unbedingt seine Ämter behalten will. Denn Geri Müller hat an seiner Pressekonferenz nicht die Wahrheit gesagt. Ich habe keine Rufschädigungsabsichten, auch ist/war es nie mein Ziel, ihn aus seinen Ämtern zu vertreiben. Schlussendlich muss Geri Müller selber wissen, was er tut», so die Chatpartnerin.

Der Stadtrat bedauert ihren Entscheid, im Amt zu bleiben. Glauben Sie Angesichts dieser öffentlichen Äusserung noch an eine erspriessliche?

Es ist eine Frage der Zeit und wird einen Prozess benötigen. Mir ist durchaus bewusst, dass dieses Vertrauensverhältnis erst wieder wachsen und reifen muss.

Erwägen Sie rechtliche Schritte, wenn die Kollegialbehörde Ihnen Ihre Aufgaben wegnehmen würde?

Ich habe die Hoffnung, dass es nicht soweit kommt. Vielmehr hoffe ich, dass bei diesem Wirbelsturm, der hier ausgelöst wurde, Licht ins Dunkle gebracht wird.

Es scheint sich aber ein Bruch zwischen dem Stadtrat und Ihnen abzuzeichnen.

Darüber müssen wir an der Montagssitzung reden. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam einen Weg finden werden.

Die Kritik gegenüber Ihrer Person ist in Baden unüberhörbar. Die Stimmung für Sie schlecht. Die bürgerlichen Parteien fordern geschlossen Ihren Rücktritt.

Seit 15 Monaten werden immer wieder von gewissen Kreisen Wirbel um meine Person gemacht. In meiner Amtszeit bin ich stets aktiv auf die Leute zugegangen, und die Stimmung gegenüber mir als Person hat sich meistens geändert. Ich habe gelernt, damit zu leben.

Wenn es sich erweist, dass eine Zusammenarbeit mit Ihnen nicht mehr denkbar ist, würden Sie dann die Konsequenzen ziehen?

Wenn es sich zeigen würde, dass die Gräben unüberwindbar sind, dann muss ich über die Bücher gehen.

Dann würden Sie allenfalls zurücktreten?

Diesen Schritt müsste ich mir sehr gut überlegen. Die Vorstellung ist einfach schrecklich, dass man mit Denunziantentum jemandem aus dem Amt befördern kann, der während seiner Amtszeit mit guter Arbeit einiges bewirken konnte. Das ist leider in der ganzen Diskussion um meine Person bislang untergegangen. Damit würde man ein Exempel gegen den Persönlichkeitsschutz statuieren.

Oder ist Ihr Verbleib eine Trotzreaktion?

Nein, und es geht mir weder um meinen Lohn noch um meine Ehrenrettung. Es geht darum, dass man mir keinen politischen Fehler unterstellen kann. Was passiert ist, das betrifft meinen ganz privaten Bereich. Und dafür bitte ich, mich zu entschuldigen.

Werden Sie auch im Nationalrat bleiben?

Ich habe keinerlei Signale erhalten, dass ich das nicht tun sollte.

Haben Sie weitere rechtliche Schritte unternommen, zum Beispiel gegen die „Schweiz am Sonntag“?

Darüber kann ich im Augenblick keine Aussagen machen.