Planungsleitbild 2026
Geri Müller: «Neben Weltfirmen muss Baden auch zur Identität schauen»

Stadtammann Geri Müller spricht über die Herausforderungen der Zukunft. Dem prognostizierten Wachstum steht er nicht nur positiv gegenüber. Und: Er kann sich autofreie Siedlungen vorstellen.

Roman Huber
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Die historische Altstadt von Baden und die Hochbrücke als wichtiger Verkehrsträger. Archiv/Chris Iseli

Die historische Altstadt von Baden und die Hochbrücke als wichtiger Verkehrsträger. Archiv/Chris Iseli

Chris Iseli

Das Bild der Stadt Baden im Jahr 2026 ist in einem ersten Entwurf gemalt, die Konturen definiert, die Herausforderungen erkannt und der Weg dahin aufgezeichnet.

«Wir haben ein Bild von der Stadt Baden mit dem Horizont 2026 gemalt. Das Planungsleitbild soll uns dorthin führen», erklärt Stadtammann Geri Müller. Dabei habe man die Bedürfnisse der Stadt und ihrer Gesellschaft aufgenommen und die äusseren und übergeordneten Faktoren berücksichtigt wie regionale Aufgaben, Gesetze und Verordnungen auf kantonaler und Bundesebene, Energiewende.

Planungsleitbild: «Seit 40 Jahren»

Planungsleitbilder sind in Baden seit fast 40 Jahren Wegweiser der Stadtentwicklung. Seit 2008 setzt Baden seine Entwicklungsziele ausserdem unter die Prämisse der Nachhaltigkeit. Letztmals wurde 1998 ein Planungsleitbild verabschiedet. Wegen des Zusammenschlussprojektes mit Neuenhof wurde die Neuauflage vertagt. Sie ist im 2012 gestartet worden. Das Planungsleitbild ist bei der Stadtentwicklung die Grundlage für den Stadtrat und Einwohnerrat wie auch für die Verwaltungsarbeit. Darauf basieren auch die Legislatur- und Jahresziele. (-RR-)

Das Leitbild ermöglicht es, vorausschauend zu handeln, indem man sich zuerst genau überlege, welches die langfristigen Konsequenzen sind.

Zusammengehen ist angesagt

Das heikle Thema Gemeinde-Zusammenschlüsse in der Region müsse auf neue Gleise gestellt werden, ist Müller überzeugt. Bei Baden Regio – Stufe Regionalplanung – sei diese Diskussion nicht abgebrochen. Dass das Thema Gemeindezusammenschlüsse bei den vergangenen Kommunalwahlen nicht zum Wahlkampfthema gemacht worden sei, findet Müller zwar richtig. So könne nun das Thema unverkrampft frisch aufgenommen werden.

Was bringen Fusionen?

«De facto sind wir bereits zusammengeschlossen», wirft Geri Müller ein und meint damit verschiedene Bereiche wie Verkehr, Läden und Dienstleistungen, Kooperationen wie Polizeiwesen, Zivilstandsamt, Sozialwesen, Feuerwehr. Es seien Bereiche, in denen die Gemeinden einen Teil ihrer Mitbestimmung hätten aufgeben müssen.

Dass man mit Zusammenschlüssen viele Kosten einsparen könne, von diesem Glauben müsse man wegkommen. «Vielmehr müssen sich die Gemeinden fragen, was sie durch einen Zusammenschluss gewinnen können», sagt Müller. Er verweist auf die Lasten, die für die Gemeinden stets grösser werden.

Mit Gewinn meint Müller effizientere und professionellere Dienstleistungen und die Möglichkeit, konzeptionell grossräumiger mitzudenken. «Fusionen würden es den Gemeinden ermöglichen, bei den anfallenden Entscheiden in den bestehenden Kooperationsbereichen wieder mitzubestimmen.» Aktuelles Beispiel der Baldeggtunnel: Jetzt sei es wichtig, Lösungen zu finden, die im Interesse aller liegen. Mit der heutigen Gemeindestruktur ist dies laut Müller aber sehr schwierig.

Ein Fünftel mehr bis 2035

Ein wesentlicher Faktor ist das prognostizierte Wachstum. Dieses sei per se nicht nur gut, so Müller. Der Stadtammann erachtet es jedoch als sinnvoll und darum richtig, dass sich das Wachstum auf die Zentren konzentriere, statt dass es sich über alle Gegenden des Kantons verzettle.

Die Bevölkerungsprognosen sagen der Region Baden-Wettingen bis 2035 einen Zuwachs von rund einem Fünftel voraus. Das Wachstum zu blockieren würde keinen Sinn machen, so Müller. Doch die Bautätigkeit könne nicht unkontrolliert weitergehen. Für steuerndes Eingreifen hat er gleich ein Beispiel. «Wenn ein Investor in Baden 144 Wohnungen bauen will, dann motivieren wir ihn, davon zehn Prozent als Alterswohnungen zu konzipieren. Dafür können wir im Rahmen des Gestaltungsplanes entgegenkommen», erklärt Müller.

Angesichts der hohen Wohnkosten in der Innenstadt müsse man sich Gedanken über die Angebote machen. Müller verweist auf Siedlungen mit autofreiem Wohnen. Durch den Wegfall des Garagenplatzes reduziert sich laut Müller die Monatsmiete um gegen 200 Franken. «Für eine junge Familie kann das viel Geld bedeuten.»

Vieles ist bereits im Fluss

Als Zentrumsstadt stehe Baden vor einigen Herausforderungen. Vieles sei zwar aufgegleist. Der Druck auf die Infrastruktur (Verkehrs-, Schulbauten etc.) wird mit dem Bevölkerungswachstum weiter steigen und Kosten verursachen.

Das Verschwinden von Brachen, wo Kulturleben pulsiert («Royal»), bedauert Müller. Trotz Urbanität und internationalem Touch durch Weltfirmen, trotz wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit müsse Baden auch die Identität pflegen. Dazu gehöre auch der schonungsvolle Umgang mit der Natur.

Baden soll sich als aktive und facettenreiche Stadt nach innen und aussen präsentieren. Gestern wurde der Entwurf des Planungsleitbilds 2026 der interessierten Bevölkerung vorgestellt.

Baden handelt nachhaltig Die nachhaltige Entwicklung ist seit 2008 oberstes Gebot. Nachhaltigkeit ist im Sinne einer Daueraufgabe die übergeordnete Richtlinie der Kommunalpolitik und ist in der Gemeindeordnung fixiert. Die Zielsetzungen, Strategien und Programme der Stadt sind ihr verpflichtet. Zielkonflikte werden im Spannungsfeld zwischen Mensch, Gesellschaft, Umwelt und Ökonomie angegangen.
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Baden ist Regionalstadt Mehrere Gemeinden haben sich mit Baden zusammengeschlossen. Die Region Baden-Wettingen ist mit einer Bevölkerung von über 150 000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie 70 000 Beschäftigten der grösste urbane Raum im Aargau. Die Regionsgemeinden erbringen gemeinsam eine Reihe von Dienstleistungen, unter anderem aufgrund ihrer Fähigkeiten. Baden ist als Regionalstadt Partnerin.
Baden ist Stadt in der Landschaft Die Stadt Baden ist eng mit der umliegenden Landschaft verbunden. Der Wald – innert 10 Gehminuten erreichbar – mit seinen Naturreservaten, die Ausläufer des Juras und die Limmat mit ihrer Uferlandschaft prägen das Erscheinungsbild der Stadt. Die Naturräume sind gut miteinander und auch mit den Frei- und grünräumen in den Quartieren vernetzt. Sie stützen die hohe Lebens- und Wohnqualität.
Baden ist Stadtgesellschaft Eine offene politische Kultur, Bereitschaft für das Neue und eine aktive Einwohnerschaft prägen die Stadt. Ihre Identität ist in der historischen Bädertradition, einer innovativen Wirtschaft mit internationalen Konzernen und lokalem Gewerbe sowie regem kulturellen und sozialen Leben verankert. Die Kulturszene ist ein Identitätsfaktor der Stadt. Das breite Angebot macht die Stadt zum idealen Gastgeber.
Baden ist urban Die Stadt pflegt ihre Siedlungsstruktur. Die Quartiere sind in ihrem Charakter gestärkt und idealer Raum für unterschiedliche Lebensstile, besonders für Familien und Kinder. Altstadt und Bäderquartier bilden mit den ehemaligen Industriearealen und der Vorstadt das lebendige Stadtzentrum. Die Stadt setzt auf hochstehende Baukultur und qualitativen Städtebau, ökologisch und durchgrünt.
Baden ist Wirtschaftsstandort Nebst dem Dienstleistungssektor ist die Industrie in Baden nach wie vor stark präsent. Die international tätigen Konzerne verbinden Baden mit der Weltwirtschaft, sind Träger von Innovation und stützen die lokale Wirtschaft. Die Vielfalt an Gewerbe, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten ist entscheidend für die Attraktivität. Die Belebung der Bäder stärkt den Tourismus und zur schweizweiten Ausstrahlung bei.

Baden handelt nachhaltig Die nachhaltige Entwicklung ist seit 2008 oberstes Gebot. Nachhaltigkeit ist im Sinne einer Daueraufgabe die übergeordnete Richtlinie der Kommunalpolitik und ist in der Gemeindeordnung fixiert. Die Zielsetzungen, Strategien und Programme der Stadt sind ihr verpflichtet. Zielkonflikte werden im Spannungsfeld zwischen Mensch, Gesellschaft, Umwelt und Ökonomie angegangen.

Aargauer Zeitung

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