Affäre Geri Müller
Geri Müller pokert hoch – kommt das auf Dauer gut mit seinen Amtskollegen?

Geri Müller will trotz der Nackt-Selfie-Affäre im Amt als Badener Stadtammann bleiben. Dem Stadtrat steht ein Zermürbungskampf bevor: Er verdient 260'000 Franken pro Jahr, aber hat kaum noch mehr als Repräsentationsaufgaben.

Christian Dorer
Merken
Drucken
Teilen
Geri Müller will das Amt des Badener Stadtammann trotz Nacktselfie-Affäre nicht abgeben (Archivbild).

Geri Müller will das Amt des Badener Stadtammann trotz Nacktselfie-Affäre nicht abgeben (Archivbild).

Christian Dorer

Christian Dorer

Nordwestschweiz

Geri Müller findet, er habe sein Amt nicht missbraucht, sondern einen privaten Fehler begangen, für den er sich entschuldigt hat. Natürlich kann man in der Frage der Nackt-Selfies zu unterschiedlichen Schlüssen kommen: Ist es privat, wenn ein Stadtammann in seinem Amtsbüro Nacktbilder schiesst, diese verschickt und dabei schlüpfrige Sprüche über seine Sekretärin macht? Oder hat Müller damit das Private mit dem Amtlichen vermischt, seine Autorität völlig untergraben?

Wie dem auch sei – jetzt lautet die zentrale Frage: Was ist für Baden das Beste? Schliesslich darf man von einem Ammann auch erwarten, dass er erkennt, wenn er seiner Stadt mehr schadet als nützt. Müller jedoch scheint das egal zu sein, sei es aus echter Überzeugung, aus Trotz oder aus Existenzangst, schliesslich geht es beim Amt auch um sehr viel Geld.

Vor zwei Wochen sagte Geri Müller, er werde zurücktreten, falls er kein Vertrauen mehr spüre. Inzwischen haben ihm viele das Vertrauen entzogen (der Stadtrat, die bürgerlichen Parteien, das Gewerbe), andere schweigen (seine eigene Partei). Trotzdem kehrt er zurück. Wenn er nur nicht zu hoch pokert und am Ende alles verliert: auch sein Nationalratsamt, für das er sich nächstes Jahr der Wiederwahl stellen muss.