Wahlen 2015
Geri Müller über Verzicht auf Nationalrat: «Habe keinen Druck verspürt»

Geri Müller verlässt den Nationalrat Ende 2015 und will sich auf sein Amt als Badener Stadtammann konzentrieren. Im Interview sagt er, was den Ausschlag für seinen Entscheid gegeben hat – und dass er damit ein Versprechen einlöse.

Nadja Rohner
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Geri Müller (Mitte) wird sich Ende der laufenden Legislatur von seinen Nationalratskollegen verabschieden. Lukas Lehmann/Keystone

Geri Müller (Mitte) wird sich Ende der laufenden Legislatur von seinen Nationalratskollegen verabschieden. Lukas Lehmann/Keystone

KEYSTONE

Seit Freitag überschlagen sich die Ereignisse rund um den Badener Stadtammann und Grünen-Nationalrat Geri Müller. Erst teilte der Stadtrat mit, dass die nach der Nacktselfie-Affäre begonnene ratsinterne Mediation abgeschlossen sei und man Geri Müller zwei seiner drei Dossiers wieder zurückgebe. Bei der Pressekonferenz am Freitag liess Müller noch offen, ob er im Herbst 2015 wieder für den Nationalrat kandidieren will, dem er seit 2003 angehört.

Über das Wochenende haben sich die Grünen Aargau zu einem Strategieseminar zurückgezogen. Am Sonntagabend verkündeten sie: Geri Müller werde im Oktober 2015 nicht mehr für das Parlament kandidieren. Er sei für vier Jahre als Nationalrat gewählt worden und nehme «den Auftrag der Wählerinnen und Wähler wahr».

Danach wolle er sich voll auf sein Amt als Stadtammann konzentrieren. Parteiintern habe Müller schon vor den Nationalratswahlen 2011 gesagt, er gedenke, nur noch eine Legislatur zu bestreiten. «Inzwischen haben sich einige jüngere Exponentinnen und Exponenten herauskristallisiert, welche gut aufgestellt sind, das Amt zu übernehmen.»

Die grössten Ambitionen auf Müllers Nachfolge haben laut der Medienmitteilung die beiden Grossrätinnen Kathrin Fricker und Irène Kälin sowie der Kantonalparteipräsident Jonas Fricker.

Das sind die drei möglichen Nachfolger von Geri Müller für die Grünen im Nationalrat:

Grossrätin Irène Kälin (geb. 1987), Lenzburg
3 Bilder
Parteipräsident Jonas Fricker (geb. 1977), Baden.
Grossrätin Kathrin Fricker (geb. 1979), Baden.

Grossrätin Irène Kälin (geb. 1987), Lenzburg

Chris Iseli/ AZ

In Baden haben sich noch lange nicht alle Akteure mit Geri Müllers Verbleib im Stadtammann-Amt abgefunden – besonders nicht die Bürgerlichen und das Gewerbe. Bei der Stadtcasino Baden AG überlegt man sich, Müller dessen Verwaltungsratsmandat zu entziehen. Nun stellt Müller in Aussicht, 2017 erneut als Stadtammann kandidieren zu wollen.

Herr Müller, am Freitag sagten Sie noch, Sie würden sich «sehr sorgfältig» überlegen, ob Sie im Nationalrat bleiben. Was hat nun den Ausschlag gegeben?

Geri Müller: Es gab keinen bestimmten Ausschlag. Ich habe das schon vor dieser Legislatur angekündigt. An den genauen Zeitpunkt der Entscheidung kann ich mich nicht mehr erinnern.

Wieso erfahren wir das erst jetzt?

Das ist ein üblicher Prozess. Am Strategieseminar sammeln wir, wer kandidieren will, und bei Jahresanfang wird dann entschieden, wer auf die Liste kommt. Wir haben erneut gute Kandidaten und Kandidatinnen für die Nachfolge, und das freut mich sehr.

In Baden weht Ihnen ein rauer Wind entgegen. Wäre es nicht einfacher gewesen, das Stadtammann-Amt niederzulegen und im Nationalrat zu bleiben?

Es geht nicht darum, eine einfache Lösung zu wählen, sondern um Abmachungen und Versprechen, die es einzuhalten gilt. Die Arbeit in Baden macht mir grosse Freude und ich kann mich für die anstehenden Projekte noch mehr einsetzen.

Welche Abmachungen meinen Sie?

Mein Versprechen vor vier Jahren, und dass ein guter Generationenwechsel vollzogen werden soll. Das wurde im Kollektiv entschieden – so, wie wir das immer machen.

Wie gross war der parteiinterne Druck auf Sie, das Doppelmandat zu beenden?

Ich habe überhaupt keinen Druck verspürt. Man hat mich nicht gezwungen, zurückzutreten. Ich habe meinen Entscheid am Strategieseminar kommuniziert, und man hat ihn einig entgegengenommen.

Sie wurden von der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Baden als Präsident abgewählt. Beim Stadtcasino überlegt man sich offenbar, Ihnen das Verwaltungsratsmandat zu entziehen. Was, wenn Sie nach und nach ihre Mandate verlieren?

Dazu möchte ich mich nicht äussern.

Woher nehmen Sie eigentlich die Kraft, die Situation auszuhalten?

Ich habe da ein Geheimrezept, das ich nicht verraten möchte.

Mit Jonas Fricker, Kathrin Fricker und Irène Kälin stehen nun drei Junge in den Startlöchern für die Nationalrats-Kandidatur. Wer soll es werden?

Einen Wunschkandidaten habe ich nicht. Die Situation ist völlig offen. Nun müssen Gespräche geführt werden, und Anfang 2015 wird entschieden, wer kandidieren wird – und in welcher Reihenfolge.