Baldeggtunnel
Geri Müller will kein Road-Pricing, sondern weniger Autos auf Strassen

Eine Strassengebühr ist für den Badener Stadtammann keine Alternative zum gestoppten Umfahrungsprojekt Baldeggtunnel. Für den Ammann von Brugg auch nicht – aber Moser hat andere Ideen als Müller.

Aline Wüst
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Geri Müller, Badener Ammann

Geri Müller, Badener Ammann

Alex Spichale

Das Projekt Baldeggtunnel ist vom Tisch. Eine Milliarde hätte der Tunnel gekostet. Sein Aufgabe: Das Zurzibiet besser an die Nationalstrassen anschliessen und Baden und Brugg vom Durchgangsverkehr entlasten.

Der Badener Stadtpräsident Geri Müller (Team Baden) findet es sinnvoll, dass der Baldeggtunnel nicht realisiert wird. «Er hätte nichts gebracht.» Jede Strasse, die gebaut werde, sei innert kürzester Zeit wieder mit Autos gefüllt. Neue Strassen zu bauen, sei deshalb der falsche Weg, um Verkehrsprobleme zu lösen.

Daniel Moser, Stadtammann Brugg (Archiv)

Daniel Moser, Stadtammann Brugg (Archiv)

Emanuel Freudiger

Brugger Ammann: Zurück an den Kanton

Ganz anders sieht es Müllers Kollege Daniel Moser (FDP), Stadtammann von Brugg: «Nun muss mit Hochdruck an einer anderen Lösung gearbeitet werden. Sonst versinken wir im Verkehr.» Moser vertraut darauf, dass man beim Kanton rasch nochmals über die Bücher geht. Gleichzeitig will er sich für eine gute Lösung einsetzen. Er denke dabei regional. «Lokalopportunismus ist beim Verkehr keine Lösung», sagt Moser.

Road Pricing keine Lösung

Um den Verkehr einzudämmen, kommt auch immer wieder die Idee vom Road-Pricing auf. Solche Modelle werden in Grossstädten wie London oder Stockholm eingesetzt. Die Idee: Wer die Strasse benutzt, muss dafür bezahlen. Der Badener Geri Müller findet Road-Pricing eine gute Variante für Megastädte. Für Kleinstädte wie Baden sei die technische Infrastruktur allerdings sehr teuer.

Der Brugger Stadtammann findet, ein solches System müsste wenn überhaupt in der ganzen Schweiz eingeführt werden. «Sonst sind wir wieder im Mittelalter, wo jeder für sein Strässchen einen Obolus verlangt.»

Müller will weniger Autos

Geri Müller fordert, anstatt immer mehr Strassen zu bauen, Ansätze, damit immer weniger Autos auf den bestehenden Strassen fahren. Zum Beispiel so: In den Stosszeiten sollen mehr Busse fahren und die sollen immer freie Fahrt haben. «So werden die Massenverkehrsmittel nicht mehr durch den Individualverkehr blockiert und damit attraktiver.»

Gleichzeitig hätten auch Handwerker und Gewerbe freie Fahrt. Ein weiterer Punkt: Statt schnelle Anbindungen der Regionen an die Städte zu bauen, sollten die Siedlungsgebiete gestärkt werden. Wachsen Gemeinden, müssten sie das zusätzliche Steuergeld auch für Infrastruktur ausgeben. Die Veränderung müsse im Kopf stattfinden, sagt Müller. «Jeder muss sich überlegen, ob es Sinn macht Tag für Tag allein ins Zentrum zu fahren.»