Gericht
Ausserorts mit fast 150 km/h geblitzt: Deshalb musste ein Raser vom Lastwagen auf E-Scooter umsatteln

Ein 28-Jähriger stand in Baden vor Gericht: Seinen Führerausweis bekommt er wohl erst im April 2023 wieder zurück – als Lastwagenfahrer ist diese Strafe einschneidend.

Sarah Kunz
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Ein 28-jähriger Lastwagenfahrer musste sich im abgekürzten Verfahren wegen Rasens vor dem Bezirksgericht in Baden verantworten.

Ein 28-jähriger Lastwagenfahrer musste sich im abgekürzten Verfahren wegen Rasens vor dem Bezirksgericht in Baden verantworten.

Bild: Chris Iseli

Vor dem Gerichtssaal sitzt ein junger Mann: Knallgelbe Sportschuhe, kurze Hosen, die verspiegelte Sonnenbrille auf das schwarze Cap gesteckt. Neben ihm liegt ein zusammengelegter E-Scooter, aber kein Helm. «Den braucht man nicht, der E-Scooter ist mit höchstens 20 km/h ja langsamer als ein E-Bike», klärt der Besitzer freundlich auf. Er wartet auf seine Anwältin. Drinnen im Saal steht Dominik (Name geändert) eine Verhandlung im abgekürzten Verfahren bevor.

Dominik ist 28-jährig und von Beruf Lastwagenchauffeur. Auf zwei Rädern und mit höchstens 20 km/h ist er nun aber nicht aus reinem Plausch unterwegs, sondern weil er seit vier Monaten den Führerausweis los ist. Das wird auch noch viele weitere Monate so bleiben. Denn Dominik hat sich einer «qualifizierten Verletzung der Verkehrsregeln» schuldig gemacht oder – kurz gesagt – er steht als Raser vor Gericht.

Zu sehr aufs Gaspedal gedrückt hatte er am Steuer eines Skoda Oktavia RS, den er im Oktober 2020 geleast hatte. Am 27. März dieses Jahres war er auf der Furttalstrasse in Würenlos, Fahrtrichtung Otelfingen, um 11 Uhr ausserorts mit 149 km/h geblitzt worden. Es war Samstag und Dominik unterwegs zu einem Verwandtenbesuch. Nein, er habe es nicht pressant gehabt, antwortet er auf die entsprechende Frage von Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr. Als er das letzte Mal auf den Tacho geschaut hat, habe er 140 km/h drauf gehabt, hat er damals gegenüber der Polizei geäussert. «Ich war am Überholen und die Situation war so, dass abbremsen sehr gefährlich gewesen wäre», erklärt Dominik nun vor Gericht.

Raser akzeptiert Schuld und Strafe vorbehaltlos

Noch steht der 28-Jährige im Sold der Firma, für die er am Steuer von Brummis aus vorwiegend durch den Kanton Zürich rollte. Zurzeit wird er dort als Beifahrer weiterbeschäftigt. Wie lange wisse er nicht, hält er seufzend fest. Der Skoda sei wieder bei der Leasingfirma, die 5000 Franken an Ausständen seien bezahlt. Dass er den Führerausweis wohl erst im April 2023 zurückbekommen wird, ist ihm ebenso klar wie die Tatsache, dass das Gesetz für Raser kein Pardon kennt. So hat er denn nicht nur seine Schuld, sondern auch die vom Staatsanwalt geforderte Strafe – 14 Monate Freiheitsstrafe bedingt auf zwei Jahre und 2000 Franken Busse – vorbehaltlos akzeptiert.

Das Gericht unter Vorsitz von Gabriella Fehr erkannte nach kurzer Beratung, dass sämtliche Voraussetzungen für ein abgekürztes Verfahren erfüllt waren und erhob die Anträge des Staatsanwaltes zum Urteil. Überdies wurden die Verfahrens- und Anwaltskosten dem Verurteilten auferlegt. «Die Strafe und der lange Entzug der Fahrbewilligung sind, besonders für sie als Berufschauffeur, einschneidend. Aber sie können froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist», gab die Gerichtspräsidentin Dominik mit auf den Weg, den er motorisiert noch lange auf nur zwei Rädern mit höchstens 20 km/h zurücklegen muss.

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