Bezirksgericht Baden
Streit mit dem Ex um Alimente und Kinder-Turnschuhe: Hat die 47-Jährige sein Auto demoliert?

Wegen der Turnschuhe des gemeinsamen Sohnes gerät ein Ex-Pärchen in Streit. Er behauptet, sie habe daraufhin sein Auto getreten. Glaubt ihr das Bezirksgericht Baden?

David Rutschmann
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Ein Beziehungsstreit endete vor dem Bezirksgericht Baden.

Ein Beziehungsstreit endete vor dem Bezirksgericht Baden.

Chris Iseli

Karla (alle Namen geändert) wirkt müde, als sie im Verhandlungszimmer des Badener Bezirksgerichts Platz nehmen muss. Einzelrichterin Angela Eckert soll darüber entscheiden, ob die 47-Jährige in einem Streit aus Wut das Auto ihres Ex-Partners so heftig getreten hat, dass ein Schaden von mehr als 3000 Franken entstanden ist.

Das zumindest ist die Version ihres Ex-Partners René, der Fotos von zwei Dellen an seinem Volvo vorlegen kann. Er will Schadensersatz und dass Karla wegen Sachbeschädigung verurteilt wird - eine bedingte Geldstrafe von 2400 Franken steht im Raum.

«Für Sie ist das eine Bagatelle. Aber für mich geht es darum, ob ich ohne Beweise und nur, weil ich anscheinend ein Motiv gehabt haben soll, verurteilt werde», sagt Karla zur Richterin. Denn dass die Dellen im Auto wirklich auf sie zurückzuführen sind, steht nicht fest.

René behauptet, dass Karla sein Auto im Dezember 2019 getreten habe. Auslöser sei einer der vielen Streits gewesen, den die beiden seit der Trennung 2015 führen. Oftmals geht es dabei um den gemeinsamen Sohn und die Rechte und Pflichten von René als Vater. Es hört sich so an, als könnten sich die beiden nicht begegnen, ohne miteinander streiten zu müssen.

An jenem Abend 2019 waren die Turnschuhe des Sohns der Auslöser des Streits, die bei der Übergabe ins Papa-Wochenende nicht parat waren. Schnell sei es dann nicht mehr um die Turnschuhe, sondern um die Alimente gegangen, man habe rumgeschrien. Dabei sei Karla so wütend geworden, dass sie zweimal Renés Auto trat.

Schaden auf dieser Höhe wäre nur mit Anlauf möglich

Zeugen gab es keine, Aussage steht gegen Aussage. Doch Karlas Anwältin führt noch weiter aus, dass der von René geschilderte Vorfall unwahrscheinlich ist. Denn die Dellen befinden sich über dem Radkasten, zum Teil auf einem Meter Höhe.

«Wir haben das in der Kanzlei getestet. Selbst ein 1 Meter 80 grosser Mitarbeiter schafft so einen Tritt nur mit Anlauf», sagt sie. Entsprechend glaubt sie kaum, dass ihre Mandantin - rund 20 Zentimeter kleiner und zugegeben schmächtig - zweimal zu einer solchen Verrenkung mit Anlauf fähig wäre. Notabene während ihr Sohn in besagtem Auto sitzt.

Warum dann aber die Anzeige? Karla führt aus, dass René dies als Druckmittel gegen sie verwende. Er habe schon einmal die Polizei angerufen, um sein Besuchsrecht einzufordern. Und er wisse, dass eine Verurteilung sie so finanziell belasten würde, dass er leichter Druck auf sie ausüben könne.

Richterin Eckert sieht ein, dass keine stichhaltigen Beweise für eine Verurteilung vorliegen - René hatte sich nicht einmal bemüht, die Argumentation der Anwältin zu widerlegen. Eckert entschied also gemäss in dubio pro reo, Karla von der Anklage freizusprechen. Der Streit mit René wird sie wohl trotzdem weiterhin beschäftigen.