Den typischen Richter stellt man sich als älteren, eher rundlichen Herrn mit Bart vor, der streng, aber mit einer Prise Väterlichkeit seine Urteile verkündet. Diesem Bild entspricht der 37-jährige Gerichtspräsident-Kandidat Christian Fischbacher aus Baden nicht – immerhin der Bart sitzt. Die Frage sei erlaubt: Bringt er genug Lebens- und auch Berufserfahrung mit, um dieses verantwortungsvolle Amt des Gerichtspräsidenten am Badener Bezirksgericht zu bekleiden? Als ob Fischbacher die Frage geahnt hätte, antwortet er überzeugt und selbstsicher: «Ich denke schon. Seit zehn Jahren konnte ich Gerichtspraxis sammeln und neben der Arbeit habe ich mich immer weitergebildet. Zudem bin ich mit 27 Jahren bereits Vater geworden und habe heute zwei Töchter im Alter von vier und neun Jahren – doch, ich bringe einiges an Lebenserfahrung mit.»

Die Juristerei habe ihn früh fasziniert. Nach der Kanti absolvierte er das Rechtsstudium an der Uni Zürich, 2009 erlangte er – bereits Vater einer kleinen Tochter – das Anwaltspatent. «Natürlich war das eine grosse Herausforderung. Gleichzeitig hat mir die Situation auch geholfen. Erstens wusste ich genau, wie wichtig es war, die Prüfung im ersten Anlauf zu bestehen. Zweitens hatte ich am Abend, wenn ich vom Lernen nach Hause kam, immer eine perfekte Ablenkung.»

Nachdem er in seiner Justizlaufbahn einige Stationen durchlaufen hat (siehe unten) möchte er nun Gerichtspräsident in Baden werden. «Weil es eine sinnvolle und wertvolle Aufgabe ist und eine starke Justiz das Rückgrat einer Gesellschaft bildet.» Und natürlich wäre es auch schön, in der Stadt zu arbeiten, wo er mit seiner Familie lebe. Dass er für die SP antritt – Stichwort Kuscheljustiz – erachtet er nicht als Nachteil. «Das Bild des SP-Kuschelrichters ist komplett falsch.» Politisch stehe er der SP in vielen, aber nicht in allen Ansichten nahe. «Aber ich unterscheide zu 100 Prozent zwischen meiner Richtertätigkeit und meiner politischen Gesinnung.» Er kenne weit über 100 Richter, bei denen er anhand der Urteile nicht auf deren Parteizugehörigkeit schliessen könnte. «Wir haben den Willen des Gesetzgebers, also des Volkes, umzusetzen und dabei einen relativ engen Ermessensspielraum.»

Klare Worte bei Urteilsverkündung

Als seine grosse Stärke bezeichnet Fischbacher «meine ungezwungene Art, wodurch es mir leichter fällt, Zugang zu den Menschen zu finden». Als guter Richter müsse man merken, wo den Menschen der Schuh drückt und auf die Menschen eingehen können. Aus diesem Grund sei ihm auch schon während des Studiums klar gewesen, dass er dereinst als Richter und nicht etwa als Wirtschaftsanwalt oder auf einer Verwaltung arbeiten wollte. «Die Richtertätigkeit ist extrem abwechslungsreich und man hat viel direkten Kontakt mit den Menschen.»

Seit fünf Jahren arbeitet Fischbacher schon als Richter und sieht sich dabei immer wieder mit menschlichen Abgründen konfrontiert. «Ich sehe mich in erster Linie als Dienstleister der Gesellschaft, der das umsetzt, was das Volk will.» Natürlich habe er es immer wieder mit schwierigen Menschen zu tun, die Schlimmes getan hätten. «Andererseits ist es immer auch eine grosse Genugtuung, wenn ich als Richter für die Opfer – zum Beispiel Kinder – das Beste herausholen kann.» Das hört sich alles wahnsinnig abgeklärt und sachlich an. «Auch Richter sind Menschen und haben Emotionen. Doch die müssen wir unter Kontrolle haben.» Das bedeute aber nicht, dass man das Urteil einfach wie ein Roboter runterleiert. «Es kommt immer wieder vor, dass ich bei der Urteilsverkündung sehr klare Worte wähle und dem Verurteilen klar zu verstehen gebe, was ich von seiner Tat halte. Das fährt oft mehr ein, als das eigentliche Urteil.» Aber man müsse auch in solchen Fällen den Respekt wahren und dürfe keine beleidigenden Worte wählen.

Oft hört man im Volksmund «Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit». Wie steht Fischbacher dazu? «Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit. Das Recht beziehungsweise die Gesetze sind der Versuch, all diese Vorstellungen von Gerechtigkeit zusammenzufassen.» Als Richter müsse er die gesetzlichen Bestimmungen und den gesetzgeberischen Willen umsetzen, auch wenn diese unter Umständen nicht seiner eigenen Vorstellung von Gerechtigkeit entsprechen würden.

Öffentliche Meinung spielt mit

Und wie geht Fischbacher mit der öffentlichen Erwartungshaltung um? «Als Richter darf ich mich bei der Bearbeitung eines Falles nicht durch die vorgefasste Meinung in der Öffentlichkeit zu diesem konkreten Fall beeinflussen lassen. Diese stützt sich oft auf unvollständige Informationen.» Auf lange Zeit hinaus betrachtet, habe die öffentliche Meinung aber durchaus einen berechtigten Einfluss. «Nehmen wir das Beispiel Raser: In den vergangenen Jahren sind die Urteile immer schärfer geworden. Da hat die öffentliche Meinung sicher wesentlich mitgespielt.»

Letzte Frage, wie schaltet Fischbacher nach getaner, teils aufreibender Arbeit ab? «Ganz einfach, ich habe zwei Kinder. Wenn ich am Abend nach Hause komme, dann bleibt gar nicht viel Platz für Gedanken an den Gerichtssaal. Und zum Ausgleich meiner überwiegend geistigen Arbeit koche ich regelmässig und versuche mich im Schreinern von kleinen Möbelstücken.» Zudem halte er sich durch regelmässiges Jogging und Hochgebirgstrekking mit Freunden fit. Wer Fischbacher noch besser kennen lernen will, der kann sich mit dem Kandidaten an den kommenden Sonntagen auf eine Wanderung durch den Bezirk begeben. «Ich interessiere mich für Menschen und freue mich auf anregende Gespräche.»