Es war nur ein kurzer Satz. Eingestreut von Stephan Anliker an einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Bei der es darum gegangen war, den abrupten Abgang von Sportchef Axel Thoma zu erklären. Fünf Worte, die genügten, um die Neugierde zu wecken. «Unterschätzt mir den Huber nicht!»

Seit der Präsident der Grasshoppers den Journalisten vor acht Tagen im Stadionrestaurant des FC Aarau diese Botschaft mit auf den Weg gegeben hat, fragt sich manch einer: Huber? Wer zum Teufel ist dieser Huber?

27 Jahre jung und beim Schweizer Rekordmeister doch schon die Nummer 1 im operativen Bereich? Vor einem Jahr Geschäftsführer der Neuen Grasshopper Fussball AG geworden und nun auch noch interimistisch mit den Aufgaben des Sportchefs betraut – kann das gut gehen für GC?

Am Auffahrtsmorgen sitzt dieser Manuel Huber im Sitzungszimmer auf dem GC-Campus in Niederhasli und erzählt aus seinem Leben. Man kann sich gut vorstellen, was in ihm vorgeht, wenn er durchs Fenster auf den Trainingsplatz hinunterschaut und sieht, wie sich die erste Mannschaft auf das Spiel gegen den FC St. Gallen vorbereitet: Wäre alles gut gelaufen, würde auch ich jetzt da unten stehen und nach Bällen hechten.

Manuel Huber, 27-jährig, aufgewachsen in Fislisbach, wohnhaft in Oberrohrdorf, ist Geschäftsführer der Grasshoppers.

Manuel Huber, 27-jährig, aufgewachsen in Fislisbach, wohnhaft in Oberrohrdorf, ist Geschäftsführer der Grasshoppers.

Frühes Karriereende

Huber, aufgewachsen im aargauischen Fislisbach und vom FC Baden mit knapp 15 Jahren zu GC gekommen, war ein Talent gewesen. 25 Länderspiele für die Schweizer Nachwuchsauswahlen belegen dies. Manchmal hatte er dabei sogar im Duell mit Yann Sommer die Nase vorn. Huber hatte alle Stufen des GC-Nachwuchses durchlaufen und parallel dazu bei der Credit Suisse eine Banklehre und die Berufsmatur absolviert. Er hatte eine Schulteroperation überstanden und bei GC einen Profivertrag über fünf Jahre unterschrieben.

Er hatte in der 1. Liga das Tor von GC II gehütet und war unter Trainer Krassimir Balakov im Kader der ersten Mannschaft gestanden. In der Sportler-RS hatte er ein schweres Virus eingefangen und dabei elf Kilogramm abgenommen. Er hatte vorübergehend beim FC Wohlen trainiert und auf dessen Kunstrasen Hüftschmerzen bekommen.

Und als auch das Schlucken von Pillen nicht mehr geholfen hatte, vom Arzt die Diagnose erhalten, dass Hüftkopf und Hüftpfanne nicht zusammenpassen würden. Ob er noch einen anderen Beruf habe, sei er vom Arzt gefragt worden, erzählt Huber. In diesem Moment sei für ihn klar gewesen: Die Torhüterkarriere ist zu Ende. Dann sei er ins Büro von U21-Trainer Carlos Bernegger gegangen, habe ihm gesagt, dass Schluss sei, und beide hätten geweint.

Manuel Huber, 27-jährig, aufgewachsen in Fislisbach, wohnhaft in Oberrohrdorf, ist Geschäftsführer der Grasshoppers.

Manuel Huber, 27-jährig, aufgewachsen in Fislisbach, wohnhaft in Oberrohrdorf, ist Geschäftsführer der Grasshoppers.

Im Büro geschlafen

«Danach aber schaute ich sofort in die Zukunft», erzählt Huber. Im Frühjahr 2008 ging der 20-Jährige für drei Monate nach Montreal, um sein Französisch und Englisch aufzufrischen. Danach studierte er an der Fachhochschule Brugg-Windisch Betriebsökonomie. Daneben trainierte er die Mitglieder einer Goalieschule, deren Teilinhaber er wurde. Er verkaufte Torwartartikel und trainierte die Torhüterinnen der Frauenequipe des FC Baden. Nach einem Jahr setzte Huber sein Studium für zwei Semester in Mexiko fort. Als er es 2011 abschloss, musste er sich entscheiden: Zurück in eine Bank oder im Sport einen Job suchen?

Huber schaute im Campus den Trainings zu und lernte GC-CEO Marcel Meier kennen. Er erhielt einen Vertrag als Goalietrainer beim Nachwuchs und als Bürogummi. Hüftschmerzen verhinderten die Arbeit auf dem Platz, und so trat er im Büro kräftig aufs Gaspedal. Er kümmerte sich um das Ticketing, den Spielbetrieb und ums Marketing. «Ich habe Tag und Nacht gearbeitet, manchmal sogar im Büro geschlafen», sagt Huber. Ein Jahr schuftete der Workaholic durch; aus Eigeninitiative, wie er betont.

Bis im Sommer 2012 die komplette Erschöpfung kam. Er fand in Zürich sein Auto nicht mehr. Die Vorboten eines Burnouts. Er hatte alles gegeben, von den Vorgesetzten aber keine Anerkennung erhalten. Ein Arzt schrieb ihn krank. Während eines Monats arbeitete er täglich zehn Stunden zu Hause und erhielt aus dem GC-Umfeld viel Aufmunterung. Endlich Wertschätzung – Huber kehrte auf den Campus zurück, übernahm mehr und mehr Verantwortung.

Gescheiterte Zusammenarbeit mit Thoma

Nach dem Abgang von Präsident André Dose wurde der Aargauer im Februar 2014 Geschäftsführer. Im Mai musste Sportchef Dragan Rapic gehen und es stellte sich in diesem Kontext die Frage, ob GC noch immer vom früheren Sportchef Erich Vogel beeinflusst wird. «Was mich betrifft: Ich habe Vogel in den letzten sieben Jahren ein paar Mal die Hand geschüttelt, aber kein einziges Gespräch mit ihm geführt», sagt Huber.

Im Oktober kam Rapic-Nachfolger Thoma auf den Campus. Der Konflikt zwischen Captain Veroljub Salatic und Trainer Michael Skibbe war in vollem Gang. Im Januar 2015 flüchtete Skibbe in die Türkei und Thoma holte Pierluigi Tami. Im Februar lösten Huber und Thoma den Fall Salatic und verkauften den Spieler nach Sion.

Im Klubmagazin «GC Inside» hatte Huber noch Anfang des Jahres gesagt: «Die Zusammenarbeit mit Thoma ist sensationell.» Seit einer Woche ist dieser nicht mehr da. Freigestellt. «Es hat Vorfälle gegeben, die dem Verwaltungsrat keine andere Wahl liessen», sagt Huber. «Mehr will ich nicht sagen.»

«Werde nicht Sportchef bleiben»

Jetzt muss Huber nebst den Gesprächen mit der Stadt Zürich über eine Mietzinsreduktion im Letzigrund und jenen, die das geplante Stadion im Hardturm betreffen, auch noch solche mit den Spielern von GC führen. Die Arbeit des Sportchefs eben: Wie sieht das Kader 15/16 aus? Wer bleibt, wer kommt? «Ich traue mir zu, dies mithilfe von Georges Perego hinzukriegen. Ich bin ein Kämpfer und Macher», sagt Huber. Perego, ein GC-Urgestein, wird am Montag wie András Gurovits, Stav Jacobi und Hans-Peter Domanig an einer ausserordentlichen GV in den Verwaltungsrat gewählt.

Mit der Doppelbelastung werden Hubers Arbeitstage noch ein wenig länger, hat Freundin Sophie, eine angehende Sozialarbeiterin, noch ein bisschen weniger von ihm. «Das wird nicht für ewig so sein. Ich werde ja nicht Sportchef bleiben», sagt Huber, der seit vier Jahren in Oberrohrdorf wohnt. Ob er es selber glaubt? Wie hat Anliker doch gesagt? «Unterschätzt mir den Huber nicht!»