Baden
Geschenk fürs Museum: Künstlerin sorgt für einen Lichtblick im schwierigen Jahr der Langmatt

Die Textinstallationen der Badener Künstlerin Sandra Senn zollen der Einmaligkeit des Museums Tribut. Nun hat sie die Hälfte der Textinstallationen dem Museum geschenkt.

Ursula Burgherr
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Senns Sprüche nehmen witzig Bezug auf die Umgebung, wie mit dieser Teetasse. Sandra Senn.

Senns Sprüche nehmen witzig Bezug auf die Umgebung, wie mit dieser Teetasse. Sandra Senn.

zvg Bild: zvg

«Schon als ich 20 war, zog mich die Einmaligkeit des Museums Langmatt magisch an. Ich befand mich darin wie in einer Zeitkapsel. Stundenlang sass ich vor den impressionistischen Bildern und zeichnete sie ab», erinnert sich die heute 47-jährige Badenerin Sandra Senn.

Dass sie einmal selbst eine Ausstellung bespielen würde, hätte sie sich damals noch nicht träumen lassen. Mittlerweile stellte die Künstlerin und Autorin, die sich ihre Fähigkeiten vorwiegend autodidaktisch angeeignet hat, in den Kunsthäusern Zürich und Aarau und an vielen anderen namhaften Orten in Europa aus. Ihre Arbeiten wurden mit diversen Stipendien, Werkbeiträgen und Preisen ausgezeichnet.

Künstlerin Sandra Senn liess sich für ihre Textinstallationen monatelang von der Villa Langmatt inspirieren (Bild zVg)

Künstlerin Sandra Senn liess sich für ihre Textinstallationen monatelang von der Villa Langmatt inspirieren (Bild zVg)

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«Als mich Langmatt-Direktor Markus Stegmann anfragte, ob ich zum 30-Jahr-Jubiläum das Haus mit meinen Textinstallationen zum Sprechen bringen möchte, war das für mich eine extrem spannende Herausforderung», erzählt die Kunstschaffende. «Bei der Recherchearbeit bin ich oft von der Stimmung des Hauses ausgegangen. Hier wurde gefühlt, gestaltet und vor allem für die Kunst gelebt. Dieses Elixier strömt für mich noch immer durch die Räume und haftet an den Wänden.»

Auf einer von Senns Texten beim Cheminée ist zu lesen: «Gefährliche Liebschaften wärmen sich an sprunghaften Versprechen.» Und die Betrachterin fragt sich, wer wohl hier alles romantische Stunden verbracht hat. Eine alte Schreibmaschine inspirierte die Künstlerin zu «Die Wahrheit hat sich in der Welt vertippt». In der Bibliothek mit den glänzenden Bücherrücken steht: «Zwischen schweigenden Zeilen leuchtet das Unsagbare.» Und auf einem Teebeutel: «Ungewissheit lässt sich auch in vorgewärmten Tassen nicht austrinken.»

Im ganzen Haus und im Park gelingt es Senn, die besondere Stimmung des Ortes einzufangen und gleichzeitig Fenster zu einer neuen Sichtweise der Wirklichkeit zu öffnen. «Ich möchte das Publikum mit meinen Sprachbildern zu einer vielschichtigen und subtilen Entdeckungsreise durch die Langmatt einladen», sagt sie. Das ist ihr gelungen. Viele Besucher waren sogar schon mehrmals da. «Ich erlebte mit jedem Ausstellungstag mehr, dass die Texte sich anfangen zu verweben und verwachsen in der Langmatt», sagt Senn. So entschied sie sich spontan, die Hälfte ihrer 38 Textinstallationen dem Museum zu schenken.

Für Langmatt-Direktor Markus Stegmann ist das ein Lichtblick in einem schwierigen Jahr. «Wir haben unsere Jubiläumsausstellung mehrfach verlängert. Die letzten Monate waren wild und unberechenbar mit Absagen von Veranstaltungen, finanziellen Einbussen und einem hohen Planungsaufwand.» Sein Fazit ist aber trotzdem: «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Auch dank der Unterstützung des Kantons.»

Am 6. Dezember geht die Saison zu Ende. Ab 28. Februar präsentiert das Museum Langmatt dann die erste Einzelausstellung von Rose Wylie in der Schweiz, die mit ihren surrealen Popmalereien zurzeit zu den bedeutendsten britischen Künstlerinnen zählt. Neu seit diesem Jahr ist auch der Rundgang «Die verschwundene Langmatt». Mittels einer Gratis-App mit historischen Fotos können die Besucher erkunden, wie sich die Umgebung verändert hat und was in der Zwischenzeit alles verschwunden ist.

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