«Es tut uns im Herzen weh, mir als langjährigem Sportlehrer ganz besonders», sagt Obersiggenthals Gesamtschulleiter Bruno Glettig. Weil die Gemeinde finanziell unter Druck steht, ist auch das Budget für die Schule knapper geworden. Schulleitung und Schulpflege haben dem Gemeinderat nun eine Sparidee unterbreitet: Das freiwillige Schneesportlager der Abschlussklassen soll ab dem Jahr 2020 nicht mehr durchgeführt werden.

Die Einsparungen belaufen sich auf rund 10'000 bis 15'000 Franken jährlich. Der Gemeinderat hat den Sparvorschlag aufgegriffen und unterbreitet ihn dem Einwohnerrat an der Sitzung am 17. Januar zur Abstimmung.

Bruno Glettig sagt: «Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, müssen sparen, haben aber kaum Spielraum, denn 95 Prozent der Ausgaben wie Löhne, Infrastruktur oder Lehrmittelbeschaffung sind fix.» In den vergangenen Jahren habe die Schule Obersiggenthal den Gürtel bereits enger schnallen müssen. «Wir sind nun zum Schluss gekommen, dass der Verzicht auf eines der fünf Schneesportlager für alle Beteiligten am ehesten zu verkraften wäre.»

Denn es handle sich nicht um ein obligatorisches Lager und somit nicht um einen Kernauftrag der Schule. «Wir wollen auf keinen Fall auf Zusatzangebote während der Unterrichtszeit wie Exkursionen oder Ausflüge verzichten.»

Schneesportlager sind bei Obersiggenthaler Schülerinnen und Schülern beliebt – im Winter 2018 verzeichnete die Schule mit 242 Anmeldungen einen Teilnahmerekord. Reaktionen in der Gemeinde folgten prompt: Einwohnerrat Urs Müller (Grüne) ist vom Vorschlag alles andere als begeistert. Für ihn hat die Durchführung der Skilager in Obersiggenthal Tradition. Auch die Einwohnerrätin Nadine Meier (FDP) sieht in den Schneesportlagern eine Bereicherung für Kinder und Jugendliche, wie «Radio Argovia» berichtete.

In die Debatte um das Schneesportlager hat sich nun auch eine Olympiasiegerin eingeschaltet: Snowboarderin Tanja Frieden, Gold-Gewinnerin im Boardercross 2006 in Turin, präsidiert den Verein Schneesportinitiative Schweiz (Go-snow.ch), eine öffentlich-private Non-Profit-Organisation zur Förderung des Schneesports. Tanja Frieden hat der Schule Obersiggenthal einen Brief geschrieben: «Schneesport ist ein Schweizer Kulturgut.

Ein Schneesportlager hat nicht nur eine sportliche Komponente, sondern unterstützt und fördert den sozio-kulturellen Austausch und die Integration.» Der Verein hat der Schule Obersiggenthal seine Hilfe angeboten: «Wir vermitteln Schulen und Lehrpersonen fix-fertig organisierte Schneesportlager zu attraktiven Preisen», heisst es im Brief.

Rund 300 Franken pro Person koste ein von «Gosnow.ch» organisiertes Lager, sagt Geschäftsführer Ole Rauch. Darin enthalten sind neben Unterkunft mit Halbpension, Skiausrüstung und Bergbahn-Tickets auch Hin- und Rückfahrt sowie ein Abendevent.

Luxuslager in Zermatt

In Obersiggenthal beträgt bei Schneesportlagern alleine der Elternbeitrag 375 Franken bei einem Kind, beziehungsweise je 355 Franken bei mehreren Kindern. «Mit einem solchen Elternbeitrag könnten wir für die Schule Obersiggenthal ein Luxuslager in Zermatt mit Vollpension organisieren», sagt Ole Rauch. «Wir hoffen, dass die Gemeinde am Schneesportlager für Abschlussklassen festhält. Mit unserer Unterstützung könnte das Lager weiterhin durchgeführt werden, die Kosten für alle Beteiligten, Schule und Eltern aber gesenkt werden.»

Kostendruck besteht für die Gemeinden insbesondere bei den obligatorischen Schullagern: Gemäss Bundesgerichtsentscheid von Ende 2017 dürfen die Elternbeiträge nicht mehr als 16 Franken pro Tag und Kind betragen. Dies, weil die Volksschule grundsätzlich unentgeltlich sein muss und nur jene Verpflegungskosten in Rechnung gestellt werden dürfen, die durch die Abwesenheit der Kinder eingespart werden.