Waffen-Boom
Gesuche sprunghaft angestiegen: In Niederweningen wollen immer mehr Leute eine Waffe

Gemeinderat reagiert auf grosse Waffen-Nachfrage: Neu muss bei der Behörde vorsprechen, wer ein Gesuch für Waffenerwerbsschein stellt. Vorher war es ein «reiner Papierakt».

Pirmin Kramer
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In Niederweningen steigt die Nachfrage nach Schusswaffen. (Symbolbild)

In Niederweningen steigt die Nachfrage nach Schusswaffen. (Symbolbild)

BRUNO KISSLING

Wer eine Pistole oder Waffe besitzen will, benötigt einen Waffenerwerbsschein. Im Gegensatz zum Aargau, wo die Zuständigkeit bei der Kantonspolizei liegt, sind es im Kanton Zürich die Gemeinderäte, welche die Gesuche für die Waffenerwerbsscheine behandeln.

In der ans Zurzibiet und den Bezirk Baden angrenzenden Gemeinde Niederweningen war die Vergabe der Gesuche bis diesen Frühling ein «reiner Papierakt», wie Gemeinderätin und Sicherheitsvorsteherin Sibylle Hauser sagt. Doch seit April gilt nun: Wer einen Waffenerwerbsschein erhalten will, muss zum Gespräch mit dem Gemeinderat antraben.

Grund für die Änderung bei der Vergabe-Praxis: Seit Anfang dieses Jahres ist in Niederweningen die Anzahl der Gesuche für einen Waffenerwerbsschein sprunghaft angestiegen. Sibylle Hauser nennt Zahlen: Gab es im gesamten vergangenen Jahr sieben Gesuche, gingen allein in den Monaten Januar bis März zwölf Gesuche ein.

Bis heute ist ein weiteres halbes Dutzend Gesuche eingegangen. Über die Gründe können die Behörden nur spekulieren. Im Wehntal habe der Schiesssport zwar Tradition, doch seien es keinesfalls nur Sportschützen gewesen, welche neue Waffenscheine beantragten. Möglicherweise wollten sich manche Leute eine Waffe anschaffen, um das Sicherheitsbedürfnis zu erhöhen, lautete eine Vermutung.

Der Trend zu mehr Gesuchen für den Waffenerwerb war schweizweit bereits vergangenes Jahr zu beobachten – auch im Aargau, wo allerdings keine Zahlen für Gemeinden oder Bezirke veröffentlicht werden. Die Zunahme wird von Experten oftmals mit dem erhöhten Bedürfnis nach Selbstschutz erklärt, das aufgrund grösserer Angst vor Einbrechern und einem generellen Klima der Beunruhigung entstanden ist, etwa wegen Terrorismus.

Behörde: «Wollen uns ein Bild verschaffen»

Ganz wohl war dem Gemeinderat von Niederweningen nicht, als er die steigende Gesuchs-Anzahl bemerkte. Der Anstieg irritiere sie, sagte Gemeindepräsidentin Andrea Weber zum «Wochenspiegel». Darum will die Behörde seit April nun ganz genau wissen, wer wieso eine Schusswaffe erwerben will. Die Gesuchsteller werden zu einem rund 15-minütigen Gespräch ins Gemeindehaus geladen – selbst dann, wenn die Waffe für Sport oder Jagd benötigt wird.

«Wir fragen die Leute beim Gespräch, warum sie einen Waffenerwerbsschein beantragen und versuchen, uns ein Bild von ihnen zu verschaffen», sagt Sibylle Hauser. Es sei genügend erwiesen, dass dort, wo es mehr Waffen habe, auch mehr Unfälle, Zwischenfälle und Todesfälle mit Waffen vorkämen. «Darum hat der Gemeinderat auf die Zunahme der Gesuche reagiert. Wir nehmen die Verantwortung bei der Bewilligung von Waffenerwerbsscheinen nun mehr als bisher wahr.»

Wie reagieren die Gesuchsteller auf das Gespräch? «Gerade Sportschützen haben zu Beginn Kritik geäussert. Doch diese hat sich gelegt. Denn bisher konnten wir jedes Gesuch bewilligen.» Erfreulich sei, dass sich die meisten Gesuchsteller sehr gut mit den Gesetzen und Waffen auskennen. «Wir stellen fest, dass gerade in den Vereinen und Trainingscentern auf einen sorgfältigen Umgang mit Waffen geachtet wird.»

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