Wettingen

Gesucht: Ein Nachfolger für Markus Dieth

Im Herbst wird es voraussichtlich eine Gemeindeammannwahl geben. Sehr gut möglich, dass Markus Dieth zum Regierungsrat gewählt wird und somit nicht mehr zur Verfügung steht. Ein Blick auf mögliche Kandidatinnen und Kandidaten für den Ammannsitz und in den Gemeinderat.

Ob politische oder unpolitische Auguren; alle sagen den Wettingern für diesen Herbst eine Gemeindeammannwahl voraus. Denn es müsste im Aargau schon sehr vieles schieflaufen, wenn Markus Dieth nicht zum Regierungsrat gewählt werden würde.

Also ist es für diejenigen, die sich zu höheren Weihen berufen fühlen, höchste Zeit, einen Startplatz für den sich abzeichnenden Wahlkampf zu beziehen. Währenddessen spinnen die Polit-Strategen in der Gemeinde bereits die Fäden in der Hoffnung, für ihre Kandidaten möglichst viele Stimmen zu fangen, schliesslich will man am Ende der Ausmarchung auf der Erfolgsseite stehen.

Drei mit Kompetenz

Ein Blick hinter die Kulissen mag heute schon interessant sein. Sehr aussichtsreich ist die Situation für Personen, die heute schon eine gewisse Nähe zum Büro des Gemeindeammanns pflegen. In erster Linie sind dies die Mitglieder des Gemeinderates. Sich bereits aus dem Rennen genommen hat Yvonne Feri (SP).



Die Nationalrätin hat angekündigt, auf eine erneute Kandidatur bei den kommunalen Gesamterneuerungswahlen im Herbst 2017 zu verzichten. Trotzdem, eine Frau Gemeindeammann wäre für Wettingen zwar revolutionär, würde aber der Gemeinde selber gut anstehen. Dies vor allem auch in einer Phase, in der die USA auf bestem Wege zur ersten Präsidentin sind.

Mit Antoinette Eckert (FDP) verfügt Wettingen über eine Frau Vizeammann, die Erfahrung, Kompetenz und Anerkennung mitbringt. Dass sie in der Bevölkerung über sehr grossen Rückhalt verfügt, hat sie mit der Wahl zur Frau Vizeammann bewiesen.

Seine grosse Erfahrung in Berufs- und Politleben spricht für Daniel Huser (SVP). Von ihm ist eher wenig zu hören, auch dann, wenn er wieder einmal von der eigenen Partei Prügel kassiert. Dafür geht es in seinem Verantwortungsbereich stetig im Sinne der Einwohner vorwärts. Als Unternehmer verfügt er über die notwendige Führungskompetenz.

Dasselbe gilt für Markus Maibach (SP). Auch er ist eher ein ruhiger Typ, jedoch mit schneller Auffassungsgabe und klaren Vorstellungen. Das bringt ihm zwar nicht von beiden Flügeln gleich viel Lob ein, aber seine Arbeit wird über das eigene politische Lager hinaus geschätzt.

Nochmals ein Kanzler?

Obwohl amtsjüngster Gemeinderat, wäre Philipp Rey (parteilos) für eine Überraschung gut. Gegen den Widerstand von EVP und SVP hat er den Sitz von Heiner Studer erobert.

Doch was sollen all die Überlegungen? Wahrscheinlich verläuft die Machtablösung wie es in Wettingen seit (ewiger) Zeit üblich ist: Die Ammannwahl ist Sache der CVP. Sie hat mit Roland Kuster einen Mann in die Poleposition gestellt, der das Zeug zum Ammann hat.

Er verfügt über Führungserfahrung in Industrie, Militär und Politik. Da sich die CVP schon sehr auf ihn konzentriert hat, ist nicht anzunehmen, dass sie auf ein anderes Modell zurückgreift, obwohl sie mit diesem auch schon erfolgreich war: der Gemeindeschreiber. Gegen Urs Blickenstorfer spricht einzig sein Wohnort, Otelfingen im Kanton Zürich. Ob weitere Personen aus der Verwaltung Regierungsambitionen haben, ist nicht bekannt. Doch hat es solche, die durchaus fähig wären, künftig vom Ammannzimmer aus zu agieren.

Wer rutscht in den Gemeinderat?

Für die Wahl eines neuen Gemeinderatsmitgliedes wird man zweifellos den Fächer etwas öffnen müssen. Wie seit Jahrzehnten üblich, ist es der CVP gelungen, mehrere Papabili heranzuziehen. Ihre Einwohnerratsfraktion kann als so etwas wie ein Warteraum für Gemeinderäte angesehen werden.

Die Partei geniesst das Privileg, dass sie die Jungwacht und in sehr geringerem Masse den Blauring als Kaderschmiede nutzt. Einer, der von aussen kam, aber sehr gut integriert wurde, ist Paul Koller. Mit der Wahl zum Einwohnerratspräsidenten wurde er zwar von seiner Fraktion liebevoll auf das politische Abstellgleis geschoben.

Die Chancen anderer Fraktionsmitglieder für einen Gemeinderatssitz sind intakt. Einer von ihnen ist Thomas Benz (CVP). Mit der Lägerebräu hat er bewiesen, dass er Wettingen zu Neuem verhelfen kann.

Ohne Umsturz chancenlos

Alle weiteren Kandidatinnen und Kandidaten stehen vor einer grösseren Hürde, sie müssten der CVP den zweiten Gemeinderatssitz entreissen. Falls die SVP ihren Anspruch auf einen zweiten Sitz aufrechterhält, wäre Daniel Notter ein valabler Kandidat. Er spürt die Volksseele, war er doch der Kopf der Bewegung, die die erste Tägi-Vorlage abgeschossen hat. Man kann dazu stehen, wie man will: Eine solche Mobilisierung ist ein Leistungsausweis. Noch etwas jung ist Philippe Bürgler (FDP), doch die nächste Chance kommt: 2017 sind Gesamterneuerungswahlen.

Natur und Natürlichkeit sind die Stärken von Marco Kaufmann (Forum 5430). Neue Ideen gehören zum ehemaligen Einwohnerrat. Als Mitinitiant des «Megafon», des in Baden und Wettingen lancierten Jugendpolitprojektes, hat er gute Verbindungen zur Nachbarstadt. Er teilt mit anderen, meist auch schon aus dem Gemeindeparlament ausgeschiedenen Politikern den Vorteil, dass sie von fast allen Parteien anerkannt werden. Dies gilt auch für Patrick Neuenschwander (SP). Von ihm würden, so die Erfahrung, vor allem Kinder und Jugendliche profitieren. Falls finanzielle Kompetenz gefragt ist, müssten die Wettinger Orun Palit (GLP) wählen.

Und letztlich fragt sich: Warum nicht den Dienstältesten nehmen? Leo Scherer (Wettigrüen) ist zwar für viele politisch eine Art personifiziertes Feindbild. Etwas zynisch könnte man sagen: Unter dem Motto «Alle gegen den Ammann» würde er die Parteien vor sich scharen. Er verfügt über eine gute Erfolgsquote. Viele seiner Ideen wurden abgeschmettert und später von anderen aufgenommen und verwirklicht.

Für die Wettingerinnen und Wettinger beginnt nun das lange (bange) Warten auf den Moment, in dem die Parteien ihre Karten auf den Tisch legen und ihre Kandidatinnen oder Kandidaten für den Ammannsitz und den Gemeinderat präsentieren.

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