«Wir suchen eine starke Persönlichkeit mit langjähriger Führungserfahrung und vertieften politischen Kenntnissen. Sie sollten belastbar sein, gerne auf Menschen zugehen und über repräsentative Qualitäten verfügen. Wir bieten: ein anständiges Salär, ein schönes Büro an zentraler Lage und ein spannendes Arbeitsumfeld.» So hätte das Stelleninserat für das Badener Stadtammann-Amt etwa lauten können. Drei Bewerbungen sind eingegangen:

Bewerber Nummer eins heisst Markus Schneider. Für den 52-Jährigen CVPler spricht, dass er im 1. Ammann-Wahlgang 1000 Stimmen mehr machte als sein direkter Kontrahent Erich Obrist. Zudem kann er auf die breite Unterstützung von CVP, FDP und SVP, GLP und EVP zählen. Schneider wird von fast allen Seiten attestiert, einen sehr guten Job als Bauvorsteher zu machen.

Auch war es Schneider, der im Nachgang zu Gerigate im Herbst 2014 die Geschicke des Stadtrats umsichtig leitete. Zwar wirkt Schneider oft etwas steif. Doch im Wahlkampf tritt er plötzlich ziemlich entspannt auf und gibt sich volksnah – ohne sich dabei zu verstellen. Und das spricht gegen den ehemaligen Turnlehrer und Städtli-Handballer: Schneider mag ein guter Bauvorsteher sein. Doch reicht das, um Baden mutig und visionär in die Zukunft zu führen?

Zweifel sind angebracht, wirkt Schneider doch eher wie ein Technokrat denn ein Visionär. Ebenfalls zum Nachteil könnte Schneider die gleichzeitig stattfindende Abstimmung über den 98,5-Millionen-Kredit für das neue Oberstufenzentrum Burghalde gereichen. Denn Schneider steht wie kein zweiter Stadtrat hinter dem Projekt. Gut möglich, dass Stimmbürger, die den Kredit ablehnen – und das werden nicht wenige sein –, auch Schneider als «Verantwortlichem» die Stimme verweigern.

Bewerber Nummer zwei heisst Erich Obrist. Der 57-Jährige ritt vor zwei Jahren als Parteiloser auf einer regelrechten Erfolgswelle in den Stadtrat. Doch in der Zwischenzeit hat Obrist der harte Alltag der Politik eingeholt. Die Leichtigkeit und auch die nach aussen getragene Freude an der Politik haben – auch im Wahlkampf – etwas an Farbe eingebüsst.

Das spricht dafür, dass er die rund 1000 Stimmen auf Schneider noch aufholen kann: Der ehemalige SPler geniesst nach wie vor weit ins bürgerliche Lager Sympathien. Nicht zufällig erzielte er im 1. Wahlgang das beste Stadtratsresultat aller Kandidaten. Auch darf er mit einem Grossteil von Geri Müllers 1600 Stimmen aus dem 1. Wahlgang liebäugeln, nachdem sich dieser für Obrist als seinen Nachfolger ausgesprochen hat.

Grosser Pluspunkt für Obrist: Anders als der eher hölzerne Schneider kommt er welt- und staatsmännischer daher. Ihm als bekennendem Befürworter einer grossen Regionalstadt ist eher zuzutrauen, die blockierte Situation auch im Austausch mit den Nachbarsgemeinden zu lösen.

Gegen Obrist spricht derweil, dass man nicht so genau weiss, wo er politisch steht. So ist augenfällig, wie sehr Obrist in den letzten zwei Jahren bis weit über die Mitte nach rechts gerutscht ist. Darauf angesprochen, sagt Obrist, er könne sich nun ohne SP-Mäntelchen eine eigene, unabhängigere Meinung bilden. Will Obrist gewählt werden, ist er aber auf möglichst viele Stimmen von SP (und Grünen) angewiesen. Doch viele SPler tragen Obrist bis heute seinen Parteiaustritt vor zwei Jahren nach.

Als Bewerberin Nummer drei steigt Sandra Kohler ins Rennen. Sie hat als Parteilose am 24. September überraschend den Sprung in die Exekutive geschafft – und dabei zwei etablierte SP- und FDP-Einwohnerrätinnen hinter sich gelassen. Am Anfang noch von vielen belächelt, hat die 36-jährige Kommunikationsfachfrau mit einem frischen Wahlkampf auch auf Social-Media-Kanälen offenbar den Nerv vieler Wählerinnen und Wähler getroffen.

Zwar landete sie im Ammann-Rennen im 1. Wahlgang mit gerade einmal 600 Stimmen auf dem 4. und letzten Rang. Gleichwohl glaubt sie – wohl beflügelt von ihrem Stadtrats-Coup – an ihre Chance. Für Kohler spricht, dass sie eine Frau ist, die nicht aus dem «politischen Chlüngel» kommt, wie sie selber sagt. Wer sich in Baden nichts sehnlicher wünscht als den kompletten Neuanfang, wählt Kohler, die im Laufe des Wahlkampfs merklich an Profil zugelegt hat.

Gegen Kohler spricht, dass sie keinen politischen Rucksack mitbringt und mit der Wahl in den Stadtrat (vorerst) wohl das für sie Realistische erreicht hat. Es darf bezweifelt werden, dass die Badenerinnen und Badener gerade jetzt, wo auf die Stadt grosse Herausforderungen zukommen, das Steuer der politisch unerfahrenen Kohler übergeben wollen.

An Herausforderungen mangelt es in der Tat nicht – wichtigstes Thema sind die knappen Finanzen. Für welchen der drei Kandidaten sich die Wähler entscheiden, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie die Kandidaten diese Situation bewältigen wollen. Sprich das Wünschbare vom Möglichen zu unterscheiden, zu sparen oder eben doch die Steuern zu erhöhen.

Wer Letzteres kritisch beurteilt, dürfte mit keinem der Kandidaten wirklich warm werden – alle sprechen sich für eine Steuerfusserhöhung aus. Man darf gespannt sein, wer am 26. November die Job-Zusage bekommt und ab dem 1. Januar 2018 als neuer Stadtammann im Stadtbüro einstempelt.