Am Freitag diskutierte der Badener Stadtammann Geri Müller in der SRF-Politsendung «Arena» über ein mögliches schweizweites Burkaverbot. «Solch eine Regulierung schränkt die persönliche Freiheit ein», sagte der grüne Nationalrat.

Auslöser der Diskussion war die Annahme des Burkaverbotes im Tessin. In Baden sind die Meinungen geteilt: Die einen sprechen sich für ein Burkaverbot aus, die anderen sind klar dagegen.

Keinen religiösen Hintergrund

Müller ist aufgrund der damit verbundenen Einschränkung der persönlichen Freiheit gegen ein solches Verbot. Auf Anfrage erklärt er, dass diese Bekleidungen keinen religiösen Hintergrund hätten: «Die Burka oder der Niqab ist ursprünglich kein religiöses Symbol gewesen.»

Der Niqab sei eigentlich die Edelversion der nomadischen Wüstenvölker, um sich vor dem Sand zu schützen. In Afghanistan hätten die Taliban diese Kleidung zum Teil als Glaubensbekenntnis missbraucht.

Für Yvonne Feri, Nationalrätin und Präsidentin der SP-Frauen Schweiz, steht fest: «Ein Burkaverbot kommt nicht infrage.» Von den 120 Frauen in der Schweiz, die von einem Verbot betroffen wären, seien viele konvertiert und tragen die Burka freiwillig.

«Sobald aber ein Zwang besteht, muss gehandelt werden.» Dies sei der Grund, weshalb die SP-Frauen Schweiz eine Initiative planen würden für eine Änderung des Strafgesetzbuches. Demnach sollen die Personen bestraft werden, die andere dazu zwingen, bestimmte Kleidungsstücke zu tragen.

Derweil ist die Badener Einwohnerrätin Stefanie Heimgartner (SVP) für ein Burkaverbot: «Wir leben in einem christlichen Staat und ich bin der Meinung, dass sich jeder in der Schweiz anpassen soll.» In muslimischen Ländern müsse man auch die jeweiligen Gepflogenheiten beachten.

Bevölkerung reagiert ablehnend

Dass eine Burka- oder Niqabträgerin in Baden einen schweren Stand hätte, zeigte eine «Blick»-Journalistin letzte Woche auf: Sie verhüllte sich für ein Experiment einen Tag lang mit einem Niqab. Nach eigenen Aussagen musste sie in Baden zahlreiche Beschimpfungen über sich ergehen lassen aufgrund ihrer Kleidung.

Über diese Reaktionen sei Feri erschrocken: «Vermutlich hat dies mit der Angst zu tun vor dem Fremden.» Baden sei aber nicht besonders islamfeindlich im Vergleich zur restlichen Deutschschweiz.

Geri Müller bezeichnet dieses Experiment als Kabarett: «Es war offensichtlich inszeniert.» Er kenne Baden als tolerante Stadt und könne sich deshalb nicht vorstellen, dass sich dies auch tatsächlich so zugetragen habe.

Heimgartner habe die Journalistin gesehen: «Ich muss ehrlich zugestehen, dass auch ich komisch geschaut und mich nicht wohlgefühlt habe.» Sie würde gerne das Gesicht sehen und wissen, wer vor ihr stehe.

Anfeindungen gegenüber verschleierten Personen seien aber nicht korrekt. «Baden hat zum Glück noch kein Problem mit Burkaträgerinnen.» Damit sich dies in Zukunft auch nicht ändere, sei sie für das Burkaverbot.

Konsequenzen für Tourismus

«Was ein nationales Burkaverbot für den Tourismus in Baden bedeuten würde, ist schwierig abzuschätzen», sagt Nicole Wanner, Projektleiterin Marketing. Baden sei eine weltoffene Stadt – Einzelmeldungen zur emotional geführten Diskussion würden nicht die Haltung der gesamten Stadt repräsentieren.