Lautstark rufen die Fünftklässler in der Untersiggenthaler Turnhalle durcheinander, hechten und rennen. Sie geben vollen Einsatz, um zu verhindern, dass der Ballon den Boden berührt. «Achtung, ich brauch’ das Knie», ruft einer der Schüler, bevor er den Ballon in die Luft kickt. Christian Huber überwacht das Ganze. Er ist Leiter der Gewaltprävention von «DO bewegt» in Baden und führt während zweier Stunden durch den Unterricht.

Er unterbricht das Spiel und wendet sich an einen der Schüler: «Dir ging es hauptsächlich darum, Ronaldinho zu spielen. Dabei hast du den Ballon immer wieder ins Abseits gespielt – deine Gruppe hatte keine Chance mehr, den Ballon zu erwischen.»

Huber blickt in die Runde: «Es geht heute nicht um euren persönlichen Spass; es geht darum, in der Gruppe etwas zu erreichen.» Beim nächsten Versuch klappt es besser: «Super, diesmal haben alle ihr Ego etwas zurückgenommen und sich für die Gruppe eingesetzt», lobt er.

Huber leitet die dritte und letzte Doppellektion in der Klasse 5c. Die Themen sind Teamarbeit und Disziplin. «Ich möchte die Klasse als Team stärken und das Vertrauen untereinander fördern. So können die Schüler Konflikte untereinander besser lösen», erklärt er.

In den beiden anderen Lektionen ging es um Respekt und die persönlichen Grenzen. Huber versucht, diese Botschaften spielerisch zu vermitteln, über das körperliche Erlebnis. «Die Kinder sprechen nicht nur über Respekt, Grenzen oder Teamarbeit, sondern erleben es.»

Gewaltpräventionskurse der DO GmbH

Der Bereich Bewegung gehört zur Stärke der DO GmbH, die seit zehn Jahren neben dem Karateunterricht Gewaltpräventionskurse oder Interventionen an Schulen oder in einzelnen Klassen durchführt.

Huber erklärt das nächste Spiel: Man stelle sich zwei Inseln vor, dazwischen Wasser, in dem es von Haien wimmelt. Die Schüler befinden sich auf der einen Insel, müssen sich aber auf die andere retten. Linien auf dem Boden der Turnhalle markieren die Inseln. Und losgehts: Ein Schüler rennt wie der Blitz los, schnappt sich eine Sportmatte auf der anderen Seite der Halle, die als Boot dient, und zieht einen Schüler nach dem anderen von der einen Seite der Halle auf die andere.

«Hopp hopp!», feuern ihn seine Mitschüler an. Wer auf der anderen Seite ankommt, kann seinerseits eine Matte schnappen und die Gspändli retten, bis alle auf der anderen Seite der Halle sind.

Erst wenn alle Schüler hinter der Linie sind, welche die rettende Insel markiert, drückt Huber auf die Stoppuhr und wendet sich an die Schüler: «Am Schluss mühten sich zwei Schüler alleine ab, während die anderen zuschauten. Es geht aber viel schneller, wenn alle gemeinsam anpacken.» Also das Ganze nochmals von vorne: Diesmal helfen alle Schüler bis zum Schluss mit und ziehen zum Teil zu dritt eine Matte. «Super Einsatz», lobt Huber. «Ihr habt euch stark verbessert gegenüber dem ersten Durchgang.»

Während beiden Lektionen hat Klassenlehrer Michael Hegnauer die Aufgabe, alles, was ihm positiv auffällt, zu notieren. «Meistens muss ich mich auf das Negative konzentrieren. Heute ist es für einmal umgekehrt – das ist herrlich», sagt Hegnauer. Und Huber ergänzt: «Das ist nicht nur für den Lehrer eine Abwechslung, sondern auch für die Schüler.» Am Schluss setzt sich die Klasse im Kreis hin. «Streiten gehört in jedem Team dazu, Gewalt aber nicht», sagt Huber. «Ich hoffe, ihr habt heute gesehen, dass ihr gut zusammenarbeiten könnt, auch wenn ihr nicht alle die besten Freunde seid.»

Was Ballone mit Gewaltprävention zu tun haben

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