Baden
Gigantische Raketenbeiz verdrängt Quartierverein – und der verzichtet auf Badenfahrt

Badenfahrt: Die 32 Meter hohe Raketenbeiz verdrängte den Quartierverein Allmend von seiner Parzelle. Dieser zieht sich nun vom Fest zurück.

Pirmin Kramer
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Seit der Vereinsgründung vor 53 Jahren war der Quartierverein Allmend-Münzlishausen ausnahmslos an jeder Badenfahrt mit einer Beiz vertreten. Auch für dieses Jahr hatte der Verein grosse Pläne: Auf dem Schlossbergplatz vor der modernen Glasfassade des Manor sollte dessen Vorgängergebäude, das historische «Kaufhaus zum Schlossberg», als dreistöckige Beiz wieder auferstehen. Doch aus dem Projekt wird nichts, und der Vorstand hat entschieden, nicht an der Badenfahrt teilzunehmen, wie er im Quartierblatt mitteilt.

Nick Marolf, Präsident des Quartiervereins, erklärt: «Die gigantische, 32 Meter hohe Raketenbeiz der Gemeinde Ehrendingen, gebaut aus vier Turmkranen, beansprucht viel Platz. Wegen der Baustelle für das neue Cachet-Haus verschob sich ihr Standort in den vergangenen Monaten schrittweise in Richtung Stadtturm. Dadurch wurde unser Kaufhaus von der ursprünglichen Parzelle verdrängt, bis direkt vor den Manor-Eingang.» Der Quartierverein wollte aus der Not eine Tugend machen und den Durchgang zum Manor durch die «Kaufhaus»-Beiz führen. «Zu Beginn war der Manor noch angetan von dieser Idee, doch diesen Frühling überwogen die Befürchtungen einer Umsatzeinbusse, auch im Zusammenhang mit den vielen Baustellen rund um das Warenhaus.»

«Beiz wäre nicht mehr rentabel»

Um den Manor-Eingang freizuhalten, hätte der Quartierverein die Beiz in der Breite deutlich verkleinern müssen. «Eine weitere Reduktion wäre nötig geworden, weil der Durchgang zwischen unserem Kaufhaus und einem Pfeiler der Kranenbeiz nur rund 3 Meter breit gewesen wäre – zu wenig für das zu erwartende Gedränge. «Wir hätten aufgrund der Verkleinerung fast auf die Hälfte der Tische verzichten und die Beiz nicht mehr rentabel betreiben können.»

Marolf sagt, er sei enttäuscht von der Entwicklung, dass einer auswärtigen, gigantischen, subventionierten und dadurch wettbewerbsverzerrenden Beiz der Vorrang gegenüber einem Badener Quartierverein gegeben wurde. «Normale Beizen, die früher die Badenfahrt ausgemacht haben, werden zunehmend aufgerieben zwischen subventionierten Gigantenbeizen einerseits und Frühlingsrollenständen andererseits, die ohne Kosten für Beizenbau, Gestaltung und kulturellem Angebot einen tollen Umsatz machen.» Aus diesem Grund sei er skeptisch, was die Teilnahme von «normalen» Vereinen an künftigen Badenfahrten betrifft. «Warum soll sich ein Freiwilligenverein ohne massives Sponsoring und Geld aus der Gemeindekasse das in Zukunft noch antun, wenn Beizen wie die Kranenbeiz die neue Normalität definieren und vom Komitee bevorzugt werden?»

Adi Hirzel, Präsident des Badenfahrtkomitees, äussert sich zum Fall wie folgt: «Wir haben dem Quartierverein die Parzelle vor dem Manor zugeteilt, um die er sich beworben hatte. Einige Zeit später kamen Vertreter des Vereins auf uns zu und verlangten mehr Platz. Zu diesem Zeitpunkt waren die Parzellen mit entsprechendem Mass aber bereits vergeben.» Die Platzverhältnisse auf dem Schlossbergplatz seien knapp, und das Komitee hätte mit der Planung des ganzen Platzes bei null beginnen müssen, um den Wunsch des Quartiervereins erfüllen zu können.» Das Komitee habe alles versucht, um eine Einigung mit dem Quartierverein erzielen zu können, es habe lange Gespräche gegeben. Sein Rückzug sei sehr bedauerlich.

Gigantismus versus Tradition – was wird mehr gewichtet? Weder noch, sagt Hirzel. Es gebe an der Badenfahrt sowohl ambitionierte Projekte wie etwa die Rakete, als auch kleinere, kreative Beizen, sagt Hirzel. «Die Badenfahrt soll nicht zu einem Fest des Gigantismus werden, es braucht eine breite Palette von Beizen.» Ein solch prominenter Ort wie der Schlossbergplatz sei attraktiv für ambitionierte Projekte, die Konkurrenz sei dort besonders gross, gibt der Badenfahrt-Präsident zu bedenken. «Und dass sich auch Nachbargemeinden wie Ehrendingen an der Badenfahrt beteiligen, war unser expliziter Wunsch.» Grundsätzlich versuche das Komitee, nicht zu verhindern, sondern möglichst viele Vereine mitmachen zu lassen.

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