Baden/Elfenbeinküste
Gipfelikönig Hiestand spannt in Afrika mit Ananaskönig Dähler zusammen

Fredy Hiestand baut auf Johann Dählers Land in der Elfenbeinküste nachhaltigen Kakao an - für die Schoggigipfel, die in der Schweiz produziert werden. Angepflanzt wird ab April aber auch Mais, Kautschuk oder Bananen.

Sophie Rüesch
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Der Badener Fredy Hiestand (links) mit Johann Dähler.rue

Der Badener Fredy Hiestand (links) mit Johann Dähler.rue

Als Johann Dähler zum ersten Mal Kontakt mit Fredy Hiestand aufnahm, verlor er keine Zeit mit Nettigkeiten. «Herr Hiestand, ich brauche eine Million Franken für meine Plantage in Costa Rica», erklärte der entthronte Ananaskönig dem Badener Gipfelikönig vor rund zehn Jahren.

Hiestand, der Dähler in seiner verzweifelten Suche nach Investoren beim Durchblättern der «Bilanz»-Liste der «300 Reichsten» aufgefallen war, würde ihn verstehen. Hatte doch der Vater des Gipfeliteiglings nach seinem Abgang bei der «Hiestand AG» mit «Fredy’s» erfolgreich den Neuanfang gewagt, dachte sich der Thurgauer Bauernsohn, der an der Elfenbeinküste ein Ananasimperium aufgebaut und verloren hatte.

Der Traum von eigener Plantage

Der royale Kollege war von der direkten Anfrage wohl etwas überrumpelt, jedoch nicht abgeneigt. Und so rettete der Gipfelikönig die neue Farm des Ananaskönigs – Adel verpflichtet eben. Mit der Rettung der Plantage, die heute von seinen Söhnen geführt wird, war Dähler aber nur einen Schritt näher an seinem Ziel: der Rückkehr an die Elfenbeinküste. Damit sollte sich die Investition in den bankrotten Ananaskönig auch für Hiestand lohnen. Denn durch die Beziehung zu Dähler erfüllt sich der 71-Jährige den Traum einer eigenen, nachhaltig bewirtschafteten Plantage.

Die Geschichte des Ananaskönigs beginnt in Tiassalé, nördlich der ehemaligen ivorischen Hauptstadt Abidjan, wo Dähler in den 1970er-Jahren ein Ananasimperium aufbaute. Zu Hochzeiten beschäftigte er 1500 Leute auf seinen 2000 Hektaren umfassenden Plantagen, bestritt eine Zeit lang die Hälfte des Ananasabsatzes auf dem Schweizer Markt. Dafür erntete er auch hierzulande viel Lob: Als «gelungenstes Beispiel für sinnvolle Entwicklungshilfe» lobte etwa der Direktor des Bundesamts für Aussenwirtschaft (heute Seco) Franz Blankart das Unternehmen damals.

Doch so hoch der König thronte, so tief war auch sein Fall. Der sinkende Ananaspreis setzte Dähler zu, da konnten auch die Gelder des von der Eidgenossenschaft und der Elfenbeinküste eingerichteten Entwicklungsfonds «Fisdes» nicht mehr helfen.

Mit einem drohenden Bürgerkrieg in greifbarer Nähe verliess Dähler im Jahr 2000 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Land. Zurück blieben Arbeiter ohne Lohn und Perspektiven, von der Ananasmonokultur ausgelaugte Erde und eine verlassene Plantage. Dähler fand in der Schweiz keine Ruhe, er war ein Bauer ohne Land, versuchte Geld für den Rückkauf der Plantage zu beschaffen.

2012, nach Zwischenbeschäftigungen als Fruchthändler, dem Aufbau der costa-ricanischen Ananasfarm, einer erfolglosen Schadenersatzklage gegen den Bund wegen Urkundenfälschung beim «Fisdes»-Fonds, einem Herzinfarkt und einer Nierentransplantation konnte Dähler seinen Grundbesitz «zu einem anständigen Preis» zurückkaufen. Erstmals kehrte er zurück an den Ort, an dem seine Kinder aufwuchsen, begutachtete das zerstörte Wohnhaus, die verwilderten Ananasfelder und die heruntergekommenen Kautschukbäume.

Es regnet wieder regelmässiger

Vom eigenen Bestand blieb nicht viel übrig, jedoch schossen während seiner Abwesenheit die Kautschukbäume in die Höhe. Die Ivorer hatten sich auf der verlassenen Plantage mit Setzlingen bedient: «Seit hier auf rund 5000 Hektaren Kautschukbäume wachsen, regnet es in der Region wieder regelmässiger.» Davon kann Dähler beim Aufpäppeln seiner Bäume profitieren. Denn Ananas will er in Tiassalé nicht mehr anbauen.

100 der 470 zurückgewonnenen Hektaren stellt Dähler seinem Retter zur Verfügung. «Zum Leben gehört Nehmen und Geben», sagt er. «Und genommen habe ich von Fredy wahrlich genug.» Dieser hat nun grosse Pläne. Mit einer Mischkultur will Hiestand den degradierten Boden wieder aufbauen – Dähler, der aus seiner Liebe zu Monokulturen keinen Hehl macht, lässt ihn gewähren.

Neben der Hauptpflanze Kakao, deren Früchte in «Fredy’s» Schoggigipfeli landen sollen, werden ab April etwa Mais, Kürbis, Bohnen, Maniok, Bananen, Kautschuk, Fruchtbäume und Ölpalmen angepflanzt.

Hiestand will in Tiassalé «etwas aufbauen, das den Menschen hilft», sagt er. Denn er ist überzeugt: «Afrika braucht Unternehmer. Zu oft landen Hilfsgelder wieder auf Schweizer Banken, bevor sie überhaupt angekommen sind.»

So soll das Projekt, das ihn bisher rund 400 000 Franken kostete, nicht nur ökologisch nachhaltig werden, sondern mittels eines Schulungszentrums auch in die Ausbildung der einheimischen Arbeiter investieren. «Wir wollen hier Bauern, Handwerker, Bäcker, Mechaniker, Köche ausbilden, die dann ein eigenes Unternehmen starten können.»

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