Baden
Glarner: Schülerzeitung ist mitschuldig am Wirbel rund um die Kanti Baden

SVP-Grossrat Andreas Glarner bedauert die Diskussion um die Kanti Baden. «Ich hatte nie die Absicht, die Schule in ein schlechtes Licht zu rücken», schreibt Glarner – und gibt den Schwarzen Peter an den Chefredaktor der Kantizeitung weiter.

Pascal Meier
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Andreas Glarner nimmt Stellung auf Facebook:

Andreas Glarner nimmt Stellung auf Facebook:

Aargauer Zeitung

Andreas Glarner sieht sich als Opfer. Und die Täter sitzen in den Zeitungs- und Onlineredaktionen, vor allem in jenen der az. «Hören Sie auf, die Geschichte aufzubauschen», sagte der Fraktionschef der SVP Aargau, als die az nachfragte, ob er seine öffentlich geäusserte Vermutung über Drogen und Prostitution an der Kantonsschule Baden mit Fakten belegen könne. «Man hat mir diese Informationen nur zugetragen. Ich habe nie gesagt, dass es so ist.»

Er bedaure zudem, dass diese Aussage nun so aufgebauscht werde. «Denn ich hatte nie die Absicht, die Kanti Baden in ein schlechtes Licht zu rücken.»

«Aussage hätte nicht gedruckt werden dürfen»

Andreas Glarner sieht sich auch als Opfer der Neuen Aargauer Kantizeitung Troubadour («NAKT»), die ein Interview mit ihm abdruckte. Und der Täter ist in Glarners Augen Chefredaktor Tim Honegger.

«Sie dürfen sich aber auch fragen, warum der Kantonsschüler Tim Honegger diese eine Aussage überhaupt abdruckt und dann noch derart prominent platziert», schreibt Glarner auf seiner Facebook-Seite als Antwort auf kritische Kommentare. «Er hat damit mindestens soviel zu dieser Story beigetragen.» Was Glarner dabei unterwähnt lässt: Er hat das Interview vorgängig zur Gegenlese erhalten und abgesegnet.

Glarners Drogen- und Sex-Vorwürfe sind in der Kantizeitung zudem alles andere als «prominent» platziert: Weder in Titel noch Untertitel des Interviews wird auf die Vorwürfe verwiesen, kein Wort darüber auch auf der Frontseite und Editorial. Das Interview selbst behandelt viele Themen, darunter Kriminalität, Ausländer, Erziehung, Deutsche und die Konkordanz.

Glarner lehnte sich noch weiter aus dem Fenster

Nur in einer Frage geht es konkret um Probleme und Eskapaden von Kantischülern. Andreas Glarner sagt dazu: «Im Durchschnitt sind sie sicher braver. Durch das akademische Umfeld sind sie auch weniger versucht, irgendwelche Dummheiten zu begehen. Allerdings habe ich auch schon von schlimmen Zuständen an der Kanti Baden gehört: Angeblich sei sie ein Drogenmekka und es gebe sogar Schülerinnen, die sich prostituierten!».

Das umstrittene Interview

Die Kanti Baden ein Drogenmekka, wo sich Schülerinnen prostituieren: Diese Vermutung äusserte SVP-Grossrat Andreas Glarner im Gespräch mit der Neuen Aargauer Kantizeitung Troubadour («NAKT»). Das ganze Interview lesen Sie hier.

Zwar wurde dieser letzte Satz im Layout als Zitat hervorgehoben, von «aufgebauscht» kann jedoch keine Rede sein. Vielmehr war es Glarner selbst, der seine Aussagen in der Kantizeitung später gegenüber der az bekräftigte und sogar noch weiter ausführte: Man könne an der Kanti Baden fast jeden Schüler fragen, ob man Stoff kaufen könne.

Andreas Glarner weiss auch, dass es sich bei den prostituierenden Schülerinnen um «Modepuppen handelt, die auf Labels abfahren». Und weiter: «Die Schülerinnen bieten Escort-Service an, um den teuren Lebensstil finanzieren zu können.» Beweisen könne er dies zwar nicht, im Internet finde man aber Hinweise darauf.»

Das letzte Interview mit einem Kantischüler

Wie dem auch sei: Andreas Glarner bedauert den ganzen Wirbel. «Im Nachhinein ist man immer gescheiter», schreibt er auf Facebook. «Ich werde mich hüten, meine Zeit wieder einmal für ein Interview mit einem Kantonsschüler zu Verfügung zu stellen.»

Eigentlich schade. Denn die Kantizeitung entlockte Andreas Glarner auch folgende Aussage: «Provokation ist ein politisches Mittel, mit dem man die Leute aufrütteln kann. Und wenn von den Politikern immer derselbe Einheitsbrei geschwafelt wird, braucht es jemanden, der Klartext spricht. Vielen, die sich dadurch angegriffen fühlen, fehlen einfach die Argumente und durch den Verweis auf die Provokation lenken sie vom Thema ab. Von dem her finde ich Provokationen weitgehend zulässig.» (pi)

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