Seit 2011 hat der Gemeinderat Wohlenschwil den höchsten Frauen-Anteil im Aargau. Vier der fünf Sitze sind in Frauenhand. Das könnte sich bald ändern: Gestern haben Gemeinderätin Dominique Sigrist (parteilos) und Vizeammann Maja Pfister (parteilos) offiziell ihren Rücktritt per Ende Jahr bekannt gegeben. Dass es zu einem Doppelrücktritt kommt, ist ein Zufall. Der Gemeinderat hat bereits 2014 über eine mögliche Nachfolgeregelung beraten.

Pfister sagt dazu: «Bereits als ich 2006 das Amt übernahm, war für mich klar, dass drei Amtsperioden eine ideale Zeit sind und ich danach Platz für jemand neuen machen möchte.» Weil Ende 2017 der langjährige Gemeindeschreiber Markus Jost in Pension gehe, habe man als Gremium entschieden, dass sie bereits ein Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen, die ebenfalls 2017 stattfinden, zurücktritt. «Ein neues Gemeinderatsmitglied soll von der grossen Erfahrung des Gemeindeschreibers noch möglichst viel profitieren können.» Die 64-jährige Maja Pfister hat 2011 das Amt als Vizeammann übernommen und leitet unter anderen die Ressorts Gesundheit, Bildung, Kultur und Sport. Nun will sie ihr Engagement als Mitinhaberin und Geschäftsführerin des Ennetbadener Raumplanungsbüros Arcoplan auf das Geschäft konzentrieren. «Allerdings», so sagt sie, «werde ich das Gemeinderat-Team vermissen, denn wir hatten eine sehr gute Zeit zusammen». In der Gemeinde will sie sich weiterhin als Präsidentin der Kulturkommission engagieren.

Vielleicht nur ein Unterbruch

Eher ungeplant kommt der Rücktritt von Dominique Sigrist. Sie gehört seit Juni 2011 dem Gemeinderat an. Die 34-Jährige hat im Februar ein berufsbegleitendes Masterstudium in Erziehungswissenschaften begonnen und arbeitet als Fachspezialistin im Bereich Bildung beim Kanton. «Das Studium dauert bis zu vier Jahre und ist sehr aufwendig. Ich habe schnell gemerkt, dass ich Studium, Arbeit und politisches Amt nicht gleichzeitig machen kann», sagt Sigrist. «Der Entscheid ist mir sehr schwergefallen, denn wir haben ein tolles Team und die Arbeit für die Gemeinde hat mir extrem Spass gemacht», sagt Sigrist. Doch für sie sei letztlich klar, dass sie ein Studium jetzt machen müsse. «Ich werde mich aber nach dem Studium sicher wieder für die Gemeinde engagieren und kann mir durchaus vorstellen, später erneut für den Gemeinderat zu kandidieren.»

Gemeindeammann-Potenzial

Gemeindeammann Erika Schibli (FDP) bedauert den Rücktritt der beiden Frauen sehr. «Maja Pfisters Rücktritt ist zwar ein geplanter, trotzdem ist es ein Verlust. Sie war sehr engagiert und ich konnte mich 100-Prozent auf sie als Vizeammann verlassen.» Dass nun auch Sigrist geht, sei sehr schade. «Ich sah Dominique Sigrist vom Potenzial her auch als mögliche Gemeindeammann.» Dies sei aber keine Vorankündigung ihres eigenen Rücktritts, fügt Schibli an, die seit 1998 Gemeindeammann ist. «Auch für die Gesamterneuerungswahlen im kommenden Jahr gehe ich von keinem weiteren Rücktritt aus», sagt sie.

Nun hofft Schibli, dass sich zwei motivierte Kandidaten für die Wahl finden. Der erste Wahlgang für die zwei Gemeinderatssitze und das Amt des Vizeammanns finden am 25. September statt.