Kommentar
Gendergerechte Sprache: Wieso kompliziert, wenn's auch einfach geht?

Stadtpräsidentin oder Frau Stadtammann – über den Begriff wird in Baden momentan hitzig debattiert. Dabei würde die Einfachheit der Sprache bereits die Antwort liefern.

Sarah Kunz
Sarah Kunz
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Stadtammann, Stadtpräsident, Frau Stadtammann, Stadtpräsidentin: Was soll denn nun gelten in Baden?

Stadtammann, Stadtpräsident, Frau Stadtammann, Stadtpräsidentin: Was soll denn nun gelten in Baden?

Bild: Claudio Thoma

In Baden diskutiert man derzeit darüber, ob aus dem Stadtammann der Stadtpräsident beziehungsweise aus der Frau Stadtammann die Stadtpräsidentin werden soll. Weshalb überhaupt eine Diskussion um einen so simplen Begriff geführt wird, ist ausserhalb des Kantons kaum verständlich. In anderen Teilen der Schweiz weiss man schliesslich nicht einmal, was ein Ammann genau ist. Im Aargau hingegen steht der Begriff für historische Werte und Tradition. Aber er ist eben nicht zeitgerecht. Und vor allem ist er nicht gendergerecht.

Mit der gendergerechten Sprache ist es jedoch so eine Sache. So sehr wir uns darum bemühen, für jede männliche Bezeichnung das weibliche Pendant und für jede weibliche Form den entsprechenden männlichen Begriff zu finden: In der Umgangssprache setzen sie sich oft nicht durch. Und zwar aus dem simplen Grund der fehlenden Einfachheit. So nennt man eine männliche Hebamme im Volksmund genauso wenig Entbindungspfleger wie man zu einer Arztgehilfin medizinische Praxisangestellte sagt.

Mit der Stadtpräsidentin wäre die sprachlich einfachere und gendergerechtere Form der Frau Gemeindeammann aber gegeben. Wenn also Gleichberechtigung als Argument nicht entscheidend genug ist, sollte doch wenigstens die Einfachheit ausschlaggebend sein. Und ausserdem würde man dann endlich auch ennet der Kantonsgrenze sofort verstehen, worum es sich handelt.

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