SBB
Gleisbauarbeiten zwischen Wettingen und Killwangen sorgen für Irritationen

Die SBB erneuern ab Montag die Bahnstrecke zwischen Wettingen und Killwangen, der Bahnhof Neuenhof wird im Sommer umgebaut. Die kurzfirstige Kommunikation der SBB sorgt für Irritationen.

Andreas Fahrländer
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Grosses Geschütz: Gleisbauarbeiten der SBB.

Grosses Geschütz: Gleisbauarbeiten der SBB.

Philipp Schmidli

Rund 270 Grossbaustellen der SBB stehen derzeit wegen der Coronamassnahmen still. Der allergrösste Teil der Unterhaltsarbeiten am Schienennetz soll aber auch während der Krise – unter strikter Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen – vorangetrieben werden. So etwa auch auf der Bahnstrecke zwischen Wettingen und Killwangen, die ab dem kommenden Montag saniert wird. Die Anwohnerinnen und Anwohner der vielbefahrenen SBB-Linie fanden am Donnerstag einen A4-Zettel mit entsprechenden Informationen in ihrem Briefkasten. Der Inhalt des Schreibens sorgte für Irritation und Staunen.

Denn: Während fünf Monaten, bis Ende September, sollen hier die Gleisarbeiten vor allem nachts stattfinden. Das ist zwar so üblich, da die Arbeiten tagsüber bei laufendem Betrieb zu gefährlich oder gar nicht möglich wären. Aber die Baustelle dürfte jeweils von abends um 21 Uhr bis morgens um 6 Uhr erheblichen Lärm verursachen.

Ebenfalls auf dem Zettel erfahren die Anwohner beiläufig, dass der Bahnhof Neuenhof während der Sommerferien vom 4. Juli bis zum 9. August komplett gesperrt wird. Hier sollen in dieser Zeit die Perrons erhöht werden, um sie an die neue Höhe des Gleises anzugleichen.

Irritierend ist vor allem die Art und der Zeitpunkt der Kommunikation: Der Info-Zettel landete gerade einmal vier Tage vor Beginn der Bauarbeiten in den Briefkästen. Die SBB entschuldigen sich darauf prophylaktisch für den Lärm. Gerade in Neuenhof führt die Bahn eng an den Häusern vorbei. Die betroffenen Anwohner dürften während der nächsten Monate manche schlaflose Nacht erleben.

Ersatzbusse während der Sperrung des Bahnhofs

Laut Martin Meier, Mediensprecher bei den SBB, führte die Coronakrise zur späten Ankündigung: «Die Projektverantwortlichen mussten die Baustellen neu planen.» Die SBB hätten im März entschieden, ihre Ressourcen auf die Störungsbehebung und den notwendigen Unterhalt zu fokussieren. Eine so kurzfristige Information über eine Baustelle entspreche normalerweise nicht dem Standard der SBB, sie sei aber der ausserordentlichen Lage geschuldet.

Die Totalsperrung des Bahnhofs Neuenhof in der passagier­ärmeren Sommerferienzeit erspare Anwohnern und Reisenden zusätzliche Nachtarbeit und Zugausfälle. «Detaillierte Informationen bezüglich der Fahrplanänderungen und zum Ersatzverkehr folgen im Frühsommer», sagt Meier. In der Zeit, wenn der Bahnhof gesperrt ist, werden Ersatzbusse verkehren.

Ist es überhaupt möglich, dass die Abstandsregeln dann auch im Bus eingehalten werden können? Ja, betont Meier: «Die Vorgaben des Bundes werden strikt eingehalten.» Und: «Wir sind uns bewusst, dass Bauprojekte leider oft mit Unannehmlichkeiten für die Anwohnerinnen und Anwohner der Baustelle verbunden sind.» Mit einem kompakten Bauprogramm versuche man, die Bauzeit und die damit verbundenen Belästigungen auf ein Minimum zu reduzieren.

Kommentar

Wenig Sensibilität bei den SBB

Die SBB unterhalten eines der meistbefahrenen Bahnnetze der Welt. Was so intensiv genutzt wird, müsse gepflegt werden, damit die Züge sicher und pünktlich ans Ziel kommen. Das schreibt der Staatsbetrieb den Anwohnern an der Strecke Wettingen–Killwangen.

Es steht ausser Frage: Für Pünktlichkeit und Sicherheit ist der Unterhalt der Infrastruktur matchentscheidend. Das gilt natürlich auch in Krisenzeiten. Dass die SBB die ohnehin schon lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner der Bahnstrecken (man denke nur an den stetig zunehmenden nächtlichen Güterverkehr) bei diesen lärmintensiven Bauarbeiten aber erneut vor vollendete Tatsachen stellen und so kurzfristig informieren, ist nur bedingt verständlich.

Es ist ja nicht so, dass man in Zeiten der Coronapandemie dem Lärm entfliehen könnte. Jetzt, da wir alle zuhause bleiben sollen und auch die Sommerferien vermutlich nur auf dem Balkon verbringen werden, wäre doch eine transparente Information der vielen betroffenen Anwohner, Pendler und SBB-Kunden umso wichtiger gewesen.

Dass ein ganzer Bahnhof, wie nun in Neuenhof, während der Sommerferien gesperrt wird, mag sinnvoll sein. Aber auch hier wäre eine umfassende und frühzeitige Information angebracht. Bei allem Verständnis für die besondere Lage: Von den SBB würde man sich etwas mehr Sensibilität wünschen.

Andreas Fahrländer

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