In weniger als zwei Wochen hat sie das Ziel von 200 Unterstützern erreicht: Die Petition für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Wettingen, die GLP-Einwohnerrätin Yvonne Hiller auf der Online-Plattform www.petitio.ch lanciert hat.

«Der Zuspruch ist sensationell und freut mich sehr», sagt Hiller. «Klar, das Thema Kinderbetreuung ist sehr emotional, doch die hohe Zustimmung macht deutlich, dass das aktuelle Kinderbetreuungsangebot in Wettingen für viele nicht zufriedenstellend ist.» Die Gemeinde habe zwar das neue Kinderbetreuungsgesetz umgesetzt, dennoch gebe es in Wettingen immer noch erhebliche Lücken – vor allem auf Kindergartenstufe.

Hiller bemängelt unter anderem, dass kaum Informationen über das Betreuungsangebot verfügbar seien, dass es für einen Betreuungsplatz Wartefristen von bis zu acht Monaten gebe und dass 4-Jährige zwischen Schulhaus und Mittagstisch alleine im Strassenverkehr unterwegs seien, weil es keine Kapazität für Lotsen gebe. «Es kann nicht sein, dass Mütter nicht arbeiten gehen, weil sie keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder oder viel zu spät eine Bestätigung erhalten», sagt Hiller, die selber zwei Kinder hat, jedoch noch nicht auf Betreuungsangebote angewiesen ist. Als Beispiel führt sie auf, dass es 2018 mehrere Kindergartenkinder gegeben habe, die Anfang Juli noch nicht wussten, ob sie einen Platz haben werden. In der Folge hätten in Vergangenheit einige Eltern ihre Kinder in umliegenden Gemeinden wie Baden oder Neuenhof angemeldet, die teilweise auch einen Hol- und Bringservice anbieten.

«Das aktuelle Anmeldungsprozedere steht nicht für ein bedarfsgerechtes Angebot an familienergänzender Betreuung», so Hiller. Als Lösung schlägt sie unter anderem vor, den Anmeldetermin für Betreuungsangebote um zwei bis vier Wochen vorzuverschieben und Schülerlotsen für die Begleitung von Kindergartenkindern an Knotenpunkten zu organisieren.

Wartezeiten kämen nur selten vor

Auf die die Kritikpunkte der Petitionärin angesprochen, sagt Sandro Sozzi, Gemeinderat und Ressortvorsteher Tagesstrukturen, dass Wettingen viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tue. «So existieren Tagesstrukturen, die eine freie Wahl von Betreuungstagen, Mittagstisch und Frühbetreuung ermöglichen.» Die Informationen seien für alle via Internet aufrufbar. «Weiter stehen Schulsekretariate, Schulleiter und Lehrer für Fragen zur Verfügung.»

Was die Wartezeiten betrifft, sagt Sozzi, dass dies nur selten vorkomme – und dies auch nur für Kinder, die unter dem Jahr angemeldet werden und einen bestimmten Wochentag sowie Standort benötigen. «In den letzten Jahren konnte für alle Kinder ein Platz in den Tagesstrukturen gefunden werden.» Auf die fehlenden Lotsen angesprochen, erklärt Sozzi, dass nur wenige Schulkinder aus Platzgründen nicht am Schulstandort betreut werden können. «Kindergartenkinder sind in der Lage, eine Strecke durch ein Wohnquartier ohne fremde Hilfe zu meistern. Beim Queren von Strassen ausserhalb der 30er-Zone werden sie von einer Betreuerin begleitet.»

Den Anmeldetermin vorzuverschieben, sei nicht möglich, weil die Tagesstrukturen die endgültigen Stundenpläne der Schule abwarten müsse, was wiederum von der Bewilligung der Klasse des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) abhänge. «Mit dem Stichtag im Juni für die Anmeldung haben alle Familien dieselbe Ausgangslage.»

Eine Million für Tagesstrukturen

In Bezug auf den Begriff «bedarfsgerecht» sei die Gemeinde der Meinung, dass ab sieben angemeldeten Kindern ein Bedarf ausgewiesen ist und ein entsprechendes Angebot geschaffen wird. Was die Kapazitäten betrifft, werde man die gut besuchten Schulstandorte wie zum Beispiel Altenburg kontinuierlich ausbauen. «Zudem haben Schulpflege und Gemeinderat für diese Legislatur den Aufbau einer Tagesschule in Angriff genommen», sagt Sandro Sozzi und fügt an: «Wettingen investiert mehr als eine Million Franken pro Jahr in die Tagesstrukturen, die Kitas und die Subventionierung schwächer gestellter Familien.»